Statistik 2016: 192 Weidener aus der Kirche ausgetreten
"Das ist keine Massenflucht"

Trost, Hoffnung, Sinn - das suchen Gläubige im Gebet. Für 192 Weidener gilt das jetzt nicht mehr: Sie traten 2016 aus der Kirche aus. Bild: Schönberger

Die Leute kehren der Kirche wieder vermehrt den Rücken. Ein bestimmter Grund fällt Dekan Johannes Lukas nicht ein. Aber in der nördlichen Oberpfalz wird ohnehin auf hohem Niveau gejammert.

192 Menschen sind 2016 laut den katholischen Pfarreien im Stadtgebiet ausgetreten. Das sind 53 mehr als 2015. Dekan Johannes Lukas ist ein bisschen ratlos: "Eine konkrete Ursache wüsste ich keine. Aber es ist im Stadtgebiet auch kein bestimmter Trend erkennbar. Mal sind's mehr Austritte, mal weniger." Seine Pfarrei St. Konrad kann sogar einen leichten Rückgang bei den Austritten vermelden. Genau wie die Pfarreien St. Johannes und St. Dionysius. Dafür haben in vier Gemeinden jeweils über zehn Menschen mehr die Kirche verlassen als im Vorjahr.

Einen möglichen Grund für den großen Schwund findet Dekan Lukas doch: "Vielleicht liegt es an der neuen Besteuerung, die zwar schon 2015 war, aber vielleicht hat das rein gespielt. Dabei wurde da bloß etwas umstrukturiert." Die wahren Gründe für einen Kirchenaustritt liegen aber tiefer, glaubt Johannes Lukas. "Der Austritt geschieht nicht von heute auf morgen, das ist ein langer Prozess der Entfremdung." Das merkt der Dekan auch in den Gottesdiensten: "Da ist gewaltig weniger los." Wie diese Entfremdung zu stoppen ist, kann er nicht beantworten. "Wenn ich das wüsste, wäre ich schon Kardinal", lacht Dekan Lukas. Das Problem liege auch an der Kirche, die es "oft nicht schafft, ihre Botschaft besser rüberzubringen".

Taufzahlen sind stabil

Trotzdem gibt es für Lukas keinen Grund, schwarz zu sehen: "Wir in der nördlichen Oberpfalz jammern auf höchstem Niveau. Kollegen aus dem Norden haben Tränen in den Augen, wenn sie unsere Zahlen sehen." 192 - das schmerze zwar und jeder Einzelne sei zu viel, aber man müsse die Zahl im Verhältnis zur Gesamtzahl der Katholiken in Weiden sehen, sagt der Dekan. "Bei uns ist die Massenflucht nicht da. In München schaut's ganz anders aus." Das sieht auch Wenrich Slenczka, das protestantische Pendant zu Dekan Lukas, so: "Die Bindung an die Kirche ist in der Oberpfalz noch sehr stark - nicht nur die Mitgliedschaft, sondern vor allem das Leben in den Gemeinden."

Die Taufzahlen sind stabil, im Vergleich zum Vorjahr wurden 2016 in den katholischen Pfarreien nur sechs Menschen weniger getauft. Das Problem: Beerdigt wurden fast doppelt so viele. Das sei entscheidender für den Mitgliederschwund in den Gemeinden als die Austritte, versichert Lukas. Es gibt einfach immer weniger Kinder, weswegen die Kerngemeinden immer kleiner werden. Im evangelisch-lutherischen Dekanat ist die Zahl der Taufen von 64 auf 78 gesprungen. Das liegt vor allem an den 12 Erwachsenentaufen. "Davon waren 11 Flüchtlinge", sagt Dekan Slenczka.

"Schade um jeden"

Außer durch Taufen gibt es jedoch kaum Zuwachs. Neun Eintritte zählen die katholischen Pfarreien - immerhin fünf mehr als 2015. Bei den Protestanten kamen 15 neue Mitglieder hinzu. Wie im Vorjahr können sie erneut mehr Zugänge als die Katholiken aufweisen, obwohl ihre Gemeinde in Weiden kleiner ist. Lukas glaubt an ein Imageproblem der katholischen Kirche. Dekan Slenczka ist glücklich über die vielen Neueintritte: "Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Vielleicht liegt das daran, dass die Leute wieder zurückkehren, die früher einmal ausgetreten sind."

Aber auch das evangelisch-lutherische Dekanat kämpft mit zahlreichen Austritten. 73 Menschen haben die Kirche im vergangenen Jahr verlassen. Eine Zahl, vergleichbar mit der von 2015 (69 Austritte). Dekan Slenczka sagt dazu: "Ich hatte schon den Eindruck, dass es keine großen Veränderungen zu letztes Jahr gab." Trotzdem sind ihm die 73 Austritte zu viel. "Es ist schade um jeden. Uns würde mal interessieren, warum die Leute austreten. Aber es ist schwierig, Kontakt zu bekommen." Der Dekan ergänzt: "Die dürfen gerne mit uns reden, wir werden uns offen anhören, was sie zu sagen haben."

Kirchenstatistik 2016Katholisch

St. Josef:

Taufen 37 (Vorjahr: 37), Kommunionen 37 (54), Firmungen 44 (46), Trauungen 7 (2), Beerdigungen 98 (85), Austritte 60 (43), Eintritte 4 (1).

St. Dionysius Neunkirchen:

Taufen 9 (10), Kommunionen 12 (10), Firmungen 0 (30), Trauungen 3 (1), Beerdigungen 13 (5), Austritte 5 (7), Eintritte 0 (0).

Herz Jesu:

Taufen 40 (51), davon 3 Erwachsene, Kommunionen 28 (29), davon 3 Erwachsene, Firmungen 27 (36), davon 3 Erwachsene, Trauungen 3 (5), Beerdigungen 63 (67), Austritte 32 (19), Eintritte 3 (2).

St. Elisabeth:

Taufen 27 (27), Kommunionen 40 (31), Firmungen 35 (40), Trauungen 2 (1), Beerdigungen 44 (52), Austritte 47 (34), Eintritte 2 (0).

Maria Waldrast:

Taufen 10 (6), Kommunionen 10 (11), Firmungen 5 (0), Trauungen 2 (1), Beerdigungen 17 (41), Austritte 9 (6), Eintritte 0 (0).

St. Konrad:

Taufen 25 (23), Kommunionen 21 (20), Firmungen 37 (0), Trauungen 1 (1), Beerdigungen 66 (64), Austritte 12 (15), Eintritte 0 (1).

St. Johannes:

Taufen 6 (7), Kommunionen 7 (15), Firmungen 6 (4), Trauungen 3 (3), Beerdigungen 12 (7), Austritte 6 (7), Eintritte 0 (0).

St. Marien Rothenstadt:

Taufen 15 (14), Kommunionen 27 (15), Firmungen 9 (16), Trauungen 0 (2), Beerdigungen 26 (27), Austritte 21 (8), Eintritte 0 (0).

Evangelisch

St. Michael:

Taufen 62, davon 12 Erwachsene (49), Konfirmationen 41 (40), Trauungen 14 (11), Beerdigungen 71 (83), Austritte 59 (53), Eintritte 9 (4).

St. Markus:

Taufen 9 (11), Konfirmationen 7 (9), Trauungen 1 (1), Beerdigungen 22 (20), Austritte 6 (7), Eintritte 1 (4).

St. Bartholomäus Rothenstadt:

Taufen 6 (10), Konfirmationen 15 (10), Trauungen 4 (2), Beerdigungen 9 (12), Austritte 7 (8), Eintritte 4 (3).

St. Dionysius Neunkirchen:

Taufen 1 (2), Konfirmationen 8 (6), Trauungen 2 (0), Beerdigungen 8 (5), Austritte 1 (1), Eintritte 1 (1). (jut)
1 Kommentar
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 11.01.2017 | 15:22  
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