Statt Gewinn macht Stadt mit Bürgerfest 50.000 Euro Miese
In anderen Städten würden Witze über Weiden gerissen

Das Bürgerfest ist in der Kritik. Um die Attraktivität zu steigern, soll 2018 das Musikangebot stärker auf den Publikumsgeschmack zugeschnitten sein. Anlässlich der Fußballl-WM ist Public Viewing vorgesehen. Bild: Schönberger

Das große Ganze ist super. Mit dem Haushalt 2018 sind die Fraktionen und der OB hochzufrieden. Doch oft sind es die kleinen Dinge, die es immer wieder schaffen, die Stimmung zu vermiesen. Dazu gehört ausgerechnet etwas, das eigentlich für gute Laune sorgen soll: das Bürgerfest.

Vor allem Roland Richter kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum die Stadt bei der Feier am jeweils letzten Juni-Wochenende so viel draufzahlen muss. "Wir waren mal bei 20 000 Euro, im nächsten Jahr sollen es sogar über 50 000 Euro sein", staunt der SPD-Fraktionschef bei den Haushaltsberatungen. Nur 30 000 Euro Einnahmen und über 80 000 Euro Ausgaben seien niemandem zu vermitteln. In der Nachbarschaft und in anderen Städten würden bereits Witze gerissen und heftig gelacht über Weiden und sein Bürgerfest. "Die amüsieren sich." Richter fordert ein intensives Nachdenken über die Zukunft. Dafür sprach sich auch CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Pausch aus.

Beim Bürgerfest, so sieht es Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, gebe die Stadt jedem Verein die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Kaum Chancen, dass sich was ändert, sieht Kämmerin Cornelia Taubmann. Die Stadt könne keine Vorsteuer abziehen. Sabine Guhl (Kulturamt) erinnerte daran, dass man die Vereine wieder stärker beteiligen wolle. Damit würden aber weniger Gebühren anfallen. Personaldezernent Reiner Leibl verwies auf die Sitzung des Kulturbeirats am Donnerstag, 19. Oktober, um 14.30 Uhr. Darin geht es um Maßnahmen der Verwaltung, um die Attraktivität des Festes zu steigern.

So sind Veränderungen im Musikangebot vorgesehen, um den Publikumsgeschmack besser zu treffen. Eine große Rolle soll das Thema "Böhmen" spielen anlässlich des zehnjährigen Partnerschaftsjubiläums mit Marienbad. Die Einbeziehung der Seitengassen habe sich bewährt, heißt es im Vorlagebericht. Schließlich ist vor dem Hintergrund der zu diesem Zeitpunkt über die Bühne gehenden Fußball-Weltmeisterschaft daran gedacht, Public Viewing zu ermöglichen.



Angemerkt von Volker Klitzing

Bei einem Haushalt von 158 Millionen Euro scheint es auf den ersten Blick relativ unerheblich, ob die Stadt beim Bürgerfest 50 000 Euro draufzahlt. Oder ob der Parkplatz an der Mehrzweckhalle kaum Gebühren einbringt. Aber gerade diese kleinen Dinge sind oft der Aufreger. Weil sie keine richtige Erklärung finden oder weil andere Städte sich über Weiden amüsieren.

Dabei lohnt sich gerade beim Haushalt 2018 ein zweiter, genauerer Blick. Die Steuern sprudeln wie lange nicht. Schon in diesem Jahr spurtet die Gewerbesteuer dem 25-Millionen-Ziel entgegen. Der Verwaltungshaushalt erwirtschaftet Überschüsse, liefert Speck auf die Rippen. Der Schuldenberg verringert sich um 10 auf 64 Millionen. Pünktlich zum 60. Geburtstag von OB Seggewiß am Samstag ist von Mangelbewirtschaftung nicht mehr die Rede.

Es lohnt sich aber auch ein dritter Blick. 18 Millionen gibt die Stadt für die Schulen aus. Das ist gut so. Doch ist es genug, wenn man hört, dass die Erneuerung der Schullandschaft mit Neubauten und Sanierungen Jahrzehnte dauern soll? Das schreit nach Sonderprogrammen. Noch kostet Geld fast nichts. Diese Diskussion sollten wir auch nicht aus dem Blick verlieren.

volker.klitzing@oberpfalzmedien.de
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