14.09.2017 - 17:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stellungnahme zur Kritik dreier Fahrlehrer Stadt: Adolf-Kolping-Platz jetzt sicherer für Radfahrer

Ist die Kreuzung Kolpingplatz mit der neuen Verkehrsführung sicherer für Radfahrer? Drei Weidener Fahrlehrer meinen: nein. Die Stadt hat zu deren Kritikpunkten am Donnerstag eine Stellungnahme abgegeben, die zu einem ganz anderen Fazit kommt. 

Die Stadt Weiden verteidigt die neue Verkehrsführung am Adolf-Kolping-Platz gegen die Kritik dreier Weidener Fahrlehrer. Sie hatten unter anderem die Schutzstreifen für Radfahrer zwischen den Auto-Fahrspuren kritisiert. Am Donnerstag gab die Stadt zu den Kritikpunkten auf Nachfrage eine Stellungnahme ab.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Die Diskussion um die Schutzstreifen für Radfahrer auf der Christian-Seltmann-Straße stadteinwärts zeige, dass der Schutzstreifen wirkt, schreibt die Stadt in der gemeinsamen Stellungnahme des Bau- und Planungsdezernats sowie der Verkehrsbehörde. Radler seien auch vor der Änderung der Verkehrsführung auf der Fahrbahn unterwegs gewesen. Hier habe sich "nichts nachteilig verändert". Im Gegenteil. Das Fazit der Stadt ist eindeutig: "Aus dem höheren Bewusstsein für Radfahrer und der einhergehenden besseren Wahrnehmung resultiert letztlich der Sicherheitsgewinn."

"Auf den Radfahrer ist nach wie vor Rücksicht zu nehmen. Wenn kein Sicherheitsabstand eingehalten werden kann, darf der Radfahrer - wie auch früher - nicht überholt werden. Die Diskussion um den Sicherheitsabstand zeigt, dass die Verkehrsteilnehmer die Radfahrer und die erforderliche Rücksichtnahme erst jetzt bewusst wahrnehmen."

Stadt setzt auf Sensibilisierung

Für einen regelkonformen Sicherheitsabstand stehe nach der Umgestaltung "in vielen Bereichen mehr Raum zur Verfügung". Hier verweist die Stadt auf weggefallene Fahrspuren an den Einmündungen in den Kolping-Platz. Die Stadt setzt darauf, dass die Rad-Schutzstreifen die Autofahrer sensibilisieren, "da der Kraftfahrer nun deutlicher erkennt, an welchen Stellen verstärkt mit Radfahrern zu rechnen ist".

Die Stadt bezeichnet die reinen Auto-Fahrspuren vor der Umgestaltung als "eine Art doppelspurige Rennstrecke stadteinwärts", auf der sich die Radfahrer selbst zurecht finden mussten. Nun blieben sie "an den Knotenpunkten aufgrund der vorgezogenen Haltelinien im Blickfeld und können früher als der motorisierte Verkehr über die Kreuzung starten."

Die Kritik der Fahrlehrer Joachim Steidl, Sabrina Arnold und Tobias Härtl im Video:

Weitere Punkte der Stellungnahme der Stadt Weiden:

Mindestabstand bei Autos: Nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) sind Fahrradschutzstreifen in der Regel 1,5 Meter, mindestens aber 1,25 Meter breit anzulegen. Im Kreuzungspunkt Seltmannstraße Richtung Sedanstraße / Nikolaistraße sei diese Regelbreite eingehalten. Die allgemeinen Fahrstreifen seien mit 2,50 Meter Breite ebenfalls ausreichend (Mindestbreite laut ERA: 2,25 Meter).

Mindestabstand bei größeren Fahrzeugen: Die Stadt verweist auf Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO): "Die Verkehrsteilnehmer haben aufeinander Rücksicht zu nehmen. Auch ein größeres Fahrzeug darf den Radfahrer nur überholen, falls er nicht gefährdet wird."

Überfahren der Schutzstreifen: "Das Überfahren der Fahrradschutzstreifen ist bei Bedarf, natürlich vorbehaltlich Nichtgefährdung des Radfahrers, erlaubt."

Toter Winkel: Besteht Gefahr, dass Radler insbesondere von größeren Fahrzeugen durch zu wenig Platz übersehen werden? "Die gesamte Kreuzung ist frei einsehbar, die Haltelinien der Schutzstreifen sind gut erkennbar vorgezogen." Auch hier verweist die Stadt auf die StVO (Rücksichtnahme).

Staurisiko auf der Seltmannstraße (Höhe Peuerlstraße) in Richtung Innenstadt: "Durch die Schaffung eines Fahrradschutzstreifens war die Zusammenlegung von zwei Geradeausspuren zu einer Spur unumgänglich. Dies wurde bereits vor zwei Jahren durch eine probeweise Sperrung in der Realität angewandt. Auch die Berechnungen des Ingenieurbüros BSV ergaben, dass die Verkehrsqualität noch ausreichend ist." Sollten sich größere Rückstaus allerdings bestätigen, werde eine andere Ampelschaltung geprüft.

Regelung direkt vor dem Josefshaus: "Hierbei handelt es sich um eine Art überbreite Fahrspur, bei der meist nur ein einspuriges Aufstellen möglich ist", schreibt die Stadt. "Falls jedoch ein zweispuriges Aufstellen erfolgen kann (Motorrad, Kleinfahrzeug), können sich diese Fahrzeuge entsprechend der Fahrtrichtung nebeneinander positionieren. Die Pfeile und Vorwegweiser unterstützen beim Einordnen."

Die Fahrlehrer werfen der Stadt vor, nicht an den Planungen zur neuen Verkehrsführung beteiligt gewesen zu sein. Die Stadt dazu: "Die Planung erfolgte mit allen Fachstellen der Stadtverwaltung, der Polizei sowie externen Büros (darunter das Büro BSV aus Aachen und die Coplan AG aus Weiden) und wurde mehrfach den politischen Gremien vorgestellt. Durch das Büro BSV wurde im Vorfeld ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept erstellt, das diese Umgestaltung beinhaltet. Vor Freigabe der Detailplanung wurde ein Sicherheitsaudit durchgeführt, das positiv abschloss. Des Weiteren fördert die Regierung der Oberpfalz diese Maßnahme aufgrund der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. Der Förderung lag die Planung zugrunde."

Radfahrer auf dem Gehweg

Die Stadt weist eindrücklich auf die Folgen für die Radler hin: "Hier gelten die Regelungen der StVO (§2 Absatz 5). Abgesehen von Kindern bis zum vollendeten 10. Lebensjahr (bis zum vollendeten 8. Lebensjahr gegebenenfalls inklusive Aufsichtsperson) ist das Radfahren auf Gehwegen nicht gestattet. Eine Zuwiderhandlung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Verwarnungsgeld bis zu 20 Euro geahndet."

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