14.03.2018 - 20:38 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Stephan Rödl verstärkt Feuerwehr-Truppe in Neunkirchen Pfarrer auf brandheißer Mission

Er hat sein Leben der katholischen Kirche verschrieben. Jeden Sonntag predigt er christliche Werte in der Pfarreiengemeinschaft Mantel-Neunkirchen. Doch wenn im Ort die Sirenen heulen, schlüpft Pfarrer Stephan Rödl in eine ganz neue Rolle.

von Julia Hammer Kontakt Profil

Neunkirchen. Der 39-Jährige fühlt sich angekommen. "Viel Zeit ist mir dafür aber nicht geblieben", erinnert sich der gebürtige Regensburger an September vergangenen Jahres, als er die Pfarreiengemeinschaft Mantel-Neunkirchen übernommen hat. "Eine Phase zum Einleben, das gab es nicht. Es ging gleich alles Schlag auf Schlag. Meine Umzugskisten musste ich innerhalb von drei Tagen auspacken", erzählt Rödl.

Er sitzt im Gemeinschaftsraum der Feuerwehr Neunkirchen, der für ihn auch ein Stück neue Heimat geworden ist. Seit wenigen Monaten ist der Pfarrer Mitglied der Feuerwehr, rückt bei Einsätzen mit aus. "Das war mir ein Anliegen. Ich habe gefragt, ob die Kameraden Interesse an neuen Mitgliedern haben. Und das hatten sie", verrät der 39-Jährige. Seit seiner Kindheit spielt der Glaube eine wichtige Rolle in seinem Leben. "Ich bin Einzelkind. Meine Eltern sind gläubig. Allerdings hatten sie nie ein kirchliches Amt inne." Rödl wächst in Regensburg auf, besucht das Internat der Domspatzen. Dort trifft er zwei Personen, die seinen Werdegang prägen. Einer von ihnen ist Georg Ratzinger, Priester, Lehrer und Bruder des emeritierten Papstes. "Die zweite Person war Joseph Ratzinger."

Bahnhofsmission

Rödl beschließt, sein Leben in den Dienst der Kirche zu stellen, studiert Theologie in München und Regensburg. Schon zu dieser Zeit kümmert er sich um bedürftige Menschen, arbeitet bei der Bahnhofsmission in der Landeshauptstadt. "Ich hatte dort mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun - Drogenabhängige, Suizidgefährdete, Obdachlose." Als er die Kaplanstelle in Neunburg vorm Wald antritt, ist er bereit für neue Aufgaben. Rödl lässt sich zum Notfallseelsorger ausbilden. Dort hat er auch den ersten "Kontakt mit der Feuerwehrarbeit". "Mein Chef hat damals gesagt: Nimm dir nichts vor, ich nehm dich wo mit hin. Plötzlich standen wir bei der Feuerwehr." Rödl gefällt das Miteinander, der Einsatz der Kameraden für andere.

Einige Einsätze erlebte er auch in Neunkirchen schon mit - "unter anderem beim Fehlalarm in Parkstein am Samstag". Ein Pfarrer bei der Feuerwehr, darauf hat Kommandant Christian Müller lange gewartet. Und gehofft. "Es wurde Zeit, dass endlich einer zu uns kommt." Löschen musste Rödl bisher noch nicht, "und ich weiß auch nicht, ob ich das könnte", betont er und blickt zu Müller. Der freut sich, dass der "Quereinsteiger" seine Truppe verstärkt.

Traurige Schicksale

In der Pfarreiengemeinschaft arbeitet er auch als Seelsorger. Eine Aufgabe, die nicht immer leicht ist, verrät er. "Ich arbeite in einem Team." Manchmal bleibt das Bereitschaftshandy stumm, manchmal klingelt es täglich. Geht der Alarm, weiß Rödl, dass ihm eine schwere Aufgabe bevorsteht. "Wir überbringen mit der Polizei Todesnachrichten, informieren Angehörige bei Suizidfällen. Das sind traurige Schicksale."

Doch Rödl hat einen "entscheidenden Vorteil". "Ich bin in solchen Dingen sehr nüchtern. Es berührt mich, aber ich kann die Situationen schnell wegstecken." Als Seelsorger fängt er eine "Lücke von zwei oder drei Stunden auf", in der Menschen Unterstützung brauchen. "Wie es mit ihnen weitergeht, bekommen wir meistens nicht mit." Ausgleich findet der 39-Jährige in seinen Hobbys. "Ich interessiere mich für alles, was mit Technik zu tun hat. Es ist faszinierend, wie solche Dinge funktionieren." An seinen freien Tagen besucht er Tschechien und macht sich auf die Suche nach düsteren, verlassenen Orten. Auch in den Nahen Osten zieht es den Geistlichen immer wieder - unter anderem in den Libanon. "Das hat auch dienstliche Gründe." Er pflegt seit Jahren Kontakt zu Franziskanern, veröffentlicht in regelmäßigen Abständen eine Zeitschrift mit ihnen. Ein Strand-Mensch ist er nicht. Zu langweilig. "Nach drei Tagen müsste ich etwas besichtigen. Nur rumliegen, das halte ich nicht aus." Auch sein Engagement bei der Feuerwehr zeugt davon.

Ist es schwer, das Amt als Pfarrer und den Feuerwehr-Dienst zu vereinbaren? "Absolut nicht. Außer, ich predige gerade, dann kann ich nicht weg." Und auch das Feiern mit den Kameraden genießt der 39-Jährige. "Ich sehe darin keinen Widerspruch zu meiner geistlichen Aufgabe. Ich denke nicht, dass bei Pfarrfesten weniger getrunken wird als bei Feuerwehrfesten." Angemerkt

Pfarrer Stephan Rödl

Der gebürtige Regensburger trat seinen Dienst in der Pfarreiengemeinschaft Mantel-Neunkirchen am 1. September 2017 an. Neben Theologie studierte er Management und Wirtschaftsrecht. Die Oberpfalz kennt der 39-Jährige gut. Nach seiner Studienzeit in München und Regensburg war er Diakon in Kümmersbruck im Landkreis Amberg-Sulzbach und Kaplan in Neunburg vorm Wald. Bevor er die neue Stelle übernahm, arbeitete er als Pfarrer in Landshut sowie als Gymnasiallehrer und Seelsorger. (juh)

Pfarrer und Feuerwehr, das ist absolut vereinbar - außer ich predige, dann kann ich natürlich nicht weg.Pfarrer Stephan Rödl

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