23.09.2016 - 13:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Streifzug durch ein blühendes Versuchsfeld:Cassian Schmidt setzt im Hermannshof auf Stauden Der Traum vom Präriegarten

Die Prärie blüht heuer besonders üppig. Wer in Weinheim an der Bergstraße nur Weintrauben erwartet, ist überrascht. Denn der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof hat Pflanzenschätze aus der ganzen Welt gehortet. Der Chef ist kein Unbekannter.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Herbststimmung. Lila Asternblüten weben sich zwischen Chinaschilf und die Salbei-Schafgarben-Pflanzung präsentiert sich im goldenen Licht als "Strahlenfänger". Ein Besuch im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof (2,3 Hektar) im idyllischen Städtchen Weinheim an der Bergstraße (Baden-Württemberg) - nur wenige Gehminuten von der Fußgängerzone entfernt - lohnt sich aber zu jeder Jahreszeit.

Professor Cassian Schmidt (Jahrgang 1963) ist Landschaftsarchitekt und Staudengärtnermeister. Er hat Staudenmischpflanzungen entwickelt und steht weit über Deutschland hinaus für innovative Konzepte für pflegereduzierte Pflanzungen im öffentlichen Grün. Daneben ist er Autor mehrerer Bücher und hat eine Professur an der Hochschule.

Natur Regie führen lassen

Im Urlaub sammelte er schon früher Samen von tollen Pflanzen. Besonders faszinierte Schmidt aber die nordamerikanische Gartenszene. Der großzügige Stil des "New American Gardens", mit Gräsern und Präriestauden, war so ganz anders, als man es in Deutschland kannte. Als Schmidt 1998 die Leitung im Hermannshof übernahm, setzte er seine unkonventionellen Pläne um. Die internationale Gartenszene bemerkte bald, was da in Weinheim heranwuchs. Auch fast 20 Jahre später sprüht er vor Esprit, und setzt auf: "Experimentieren und auch mal die Natur Regie führen lassen!"

Bei Führungen durch den Schau- und Sichtungsgarten hält er besonders lange an den neuen Themengärten. Seit 1998 wird in einem neu gestalteten Quartier die Strauch-Päonien-Sammlung mit passenden Begleitern präsentiert. Die Atmosphäre einer amerikanischen Hochgrasprärie lässt sich auf einem Pfad durch den Präriegarten erleben, der 2001 angelegt wurde. Die Stauden hierfür wurden fast alle aus Saatgut, das aus den USA stammt, in der eigenen Gärtnerei angezogen. "Meine Schöpfung", sagt Schmidt. Von 2004 bis 2006 hat er in Amerika wilde rosa Echinacea simulata "geerntet". Die Sorte gab es vorher in Europa nicht. Die Sonnenhüte sind die "Zuckerl" in Schmidts farbexplosiven Beeten, dazu harmoniert das mexikanische Federgras (Engelshaar). Steppe und Prärie seien zwar sehr ähnlich, es wachsen aber unterschiedliche Pflanzen.

Mit Lava mulchen

Beim Konferenzhaus fällt der Blick auf das "Korsika-Beet" (Kiesgarten). Der sandige Boden wird mit einer Mineralschicht oder Kies (8/16 Millimeter) "gemulcht". "Trockene Standorte nur mineralisch und nicht organisch düngen", rät der Experte. Sein Tipp fürs Rosenbeet: "Mit Lava mulchen. Die Rosen haben dann weniger Pilzkrankheiten und das Lava ist rötlich-schwarz wie Erde."

Im Hermannshof stehen die Pflanzen im Mittelpunkt. Kein Kiosk, kein Café, nur ein winziger Laden mit Samenmischungen. Staudenverkauf ist nur an einem Wochenende im Jahr, meist Mitte Juni, geöffnet. Von Januar bis Dezember kommen etwa 130 000 Besucher, die den "New German Garden Style" bewundern. 4000 Stauden sind schließlich kein Pappenstiel. Die Gartenkultur in Deutschland voranzubringen, das ist die Grundidee auf dem Gelände des seit über 200 Jahren bestehenden privaten Parks der Familie und Firma Freudenberg, der seit 1983 öffentlich zugänglich ist. Nicht die Sortimente stehen im Vordergrund, sondern die wissenschaftliche Beobachtung von Pflanzen und Pflanzengemeinschaften - ein Versuchsfeld zum Forschen und Experimentieren. Aspekte, die auch den Hobbygärtner interessieren (Standort, Pflege, Ästhetik von Staudenpflanzungen) stehen im Mittelpunkt. "Unser Ziel ist es, den Leuten zu sagen und zu zeigen, wie man es richtig machen kann", sagt Schmidt. Nur dreieinhalb Minuten im Jahr nennt er als Pflegeaufwand für einen Quadratmeter Präriebeet.

Schicker Look

Seit 2002 wurden drei optimierte Mischungen für öffentliches und privates Grün entwickelt: Präriesommer, Indianersommer und Präriemorgen. Das fällt nicht nur in der Stadt Weinheim ins Auge, sondern auch viele Städte Bayerns ließen sich inspirieren und lassen ihren Verkehrsinseln im pflegeleichten schicken Prärielook erblühen. Dafür steht auch die Arbeit des Holländers Piet Oudolf, nach dessen Vorgabe ebenfalls ein Beet im Hermannshof entstanden ist.

"Ich kann aber auch feucht", sagt Schmidt bei der Führung und führt die Gruppe in den "Monsunwald". Von Chinareisen brachte er winterharte Pflanzen in üppigen Grüntönen mit an die Bergstraße. "Ich finde es schön, sich in der grünen Hölle zu verlieren", sagt der Landschaftsarchitekt. Die "Dschungelpflanzen" wie Hosta (Funkie) oder Japan-Anemonen seien auch für den Hausgarten geeignet.

Ein Besuch lohnt sich das ganze Jahr: Im Herbst eifert die Farbenpracht der verschiedensten Astern mit der flammenden Färbung von Gehölzen und Stauden um die Wette. Im Winter zieren Samen- und Fruchtstände wie graphische Muster die Beete. Im milden Klima an der Bergstraße beginnt das Gartenjahr im Frühling zeitig und die Stauden bereiten ihren großen Auftritt vor. Im Sommer gehört der Garten den Prachtstauden in kräftigen warmen Farbtönen. Allein 30 Salbeiarten fühlen sich hier wohl.

Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

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