Studentenseelsorger als Vorreiter

Gemeinsam stellten die Studentenseelsorger Dr. Markus Lommer (links) und Pfarrer Hans-Martin Meuß die neuen Bibelübersetzungen der katholischen und der evangelischen Kirche vor. Sie setzten damit ein Zeichen für ökumenische Zusammenarbeit. Bild: Bühner

Zu einer einheitlichen Bibelübersetzung in der katholischen und evangelischen Kirche ist es zwar nicht gekommen. Dafür präsentieren die beiden Weidener Studentenseelsorger die neuen Bibelübersetzungen gemeinsam.

(sbü) "Herz und Liebe im Buch der Bücher, unser Beitrag zum hellen Mai". Unter diesem Motto hatten die Studentenseelsorger an der OTH in Weiden zur Informationsveranstaltung über die fast gleichzeitig erschienenen neuen Bibelübersetzungen der katholischen und der evangelischen Kirche eingeladen.

Unterschiede aufgezeigt

Der evangelische Pfarrer Hans-Martin Meuß und sein katholischer Kollege, Dr. Markus Lommer, zeigten im evangelischen Gemeindezentrum die Unterschiede zwischen den bisherigen und den neu formulierten Bibeltexten auf. Eingehend erläutert wurde auch Geschichte der Bibelübersetzungen, seitdem Martin Luther erstmals für ein breites Publikum die historischen Bibeltexte in die deutsche Sprache übersetzt hatte.

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei die Präsentation der "Neuen Lutherbibel" einer der Höhepunkte im Jubiläumsjahr der Reformation, erläuterte Meuß. Es sei seit Luthers Übersetzung im Jahr 1545 erst die vierte Revision des Bibeltextes. Zuletzt gab es 1984 eine Neuformulierung. Zehn Jahre lang hätten rund 70 Wissenschaftler "um die Formulierungen gerungen". Das Ergebnis, laut Meuß: "Die Lutherbibel 2017 ist zum Original von 1545 zurückgekehrt." Von den mehr als 35 000 Versen seien rund 44 Prozent geändert worden. Beispiele dazu: So sei jetzt wieder von "Frevler und Mörder und Hurer und Zauberern" die Rede oder auch davon, "wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er gleich stürbe".

Die parallel zur neuen Lutherbibel entwickelte "Neue Einheitsübersetzung" der Bibel in der katholischen Kirche stellte Studentenseelsorger Lommer vor. Im Jahre 1980 habe es die letzte Neufassung der Einheitsübersetzung gegeben. Vorher habe es in Deutschland "eine Unzahl von Bibelübersetzungen gegeben". Wegen theologischer Meinungsverschiedenheiten sei das ursprünglich zur Jahrtausendwende begonnene ökumenische Übersetzungsprojekt nicht zustande gekommen.

Rücksicht auf Judentum

Auch die neue katholische Bibelübersetzung greife wieder mehr auf historische Texte von griechischen und hebräischen Sprachbildern zurück. Jetzt gebe es in der Anrede wieder "Brüder und Schwestern", zitierte Lommer, ebenso wie die "Apostelin Junia". Auch sei in den Formulierungen stärker als bisher auf die Traditionen des Judentums Rücksicht genommen worden. Psalmen kämen dem hebräischen Sprachbild außerdem wieder näher.

Ähnlich wie in der evangelischen Kirche sei rund zehn Jahre lang an der Neufassung gearbeitet worden. Übereinstimmend meinten beide Studentenseelsorger, dass es noch Jahre dauern werde bis die neuen Bibeltexte in die Liturgie der Gottesdienste einfließen werden. Auch der Religionsunterricht könne nicht sofort umgestellt werden. Im Buchhandel könnten die neuen Übersetzungen bereits erworben werden. Sicher sind sich die beiden Theologen auch, dass durch Papst Franziskus die ökumenische Bewegung in beiden Kirchen wieder großen Aufwind bekommen habe.
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