25.02.2018 - 15:48 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Tafel-Vorsitzender Josef Gebhardt kritisiert Aufnahmestopp im Ruhrgebiet Tafel für alle gedeckt

Im März 2016 geriet die Weidener Tafel durch den Anstieg der Flüchtlinge an ihre Grenzen. Einen Aufnahmestopp wie aktuell bei der Essener Tafel findet der Weidener Vorsitzende Josef Gebhardt trotzdem höchst problematisch.

Die Weidener Tafel ist in ihren neuen Räumen in der Fichtestraße keineswegs überlastet. Bilder: Hartl (2)
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Josef Gebhardt hat gerade die Statistiken fertig gemacht. Deswegen weiß er alle Zahlen auswendig: 34 000 Lebensmittelkörbe hat die Weidener Tafel im Jahr 2017 ausgegeben, 2016 waren es 4000 mehr. Das war aber auch eine Zeit, die einmalig ist in der Geschichte der Einrichtung, die 2019 ihr Zehnjähriges feiert. Zwischen Oktober 2015 bis März 2016, so erinnert sich Gebhardt, war die Tafel in Weiden wegen des Zustroms an Flüchtlingen stark überlastet.

Die aktuelle Entscheidung der Essener Tafel im Ruhrgebiet, keine Asylbewerber als Neukunden aufzunehmen, versteht er trotzdem nicht. "Ich finde das höchst problematisch." Wenn die Einrichtung überlastet sei, müsse sie einen Aufnahmestopp für alle verhängen. Zum anderen verstehe er den Zeitpunkt des Stopps nicht. "Zu uns kommen nur noch 40 Prozent der Asylbewerber, die wir vorher hatten. Und ich denke, in Essen wird das auch nicht anders sein."

Eine andere Begründung der Essener Tafel für den Aufnahmestopp sind Beschwerden von weiblichen Kundinnen, die sich von Asylbewerbern belästigt fühlten. Auch das hat Gebhardt erlebt. "Einige Frauen haben damals erzählt, dass manche Männer ihnen teilweise bis zur Haustüre nachgehen." Doch der Vorsitzende hatte seinen eigenen Weg, damit umzugehen. "Das waren fünf Fälle. Die Männer habe ich mir vorgeknöpft und ihnen klar gesagt, was wir für ein Verhalten in Deutschland erwarten." Die deutlichen Worte, auch mithilfe von Dolmetschern, haben Wirkung gezeigt: "Danach war Ruhe."

Gebhardt nennt auch einen positiven Effekt der damaligen Überlastung. Denn dadurch wurden viel mehr Firmen auf die Tafel aufmerksam, die dann Essen spendeten. "Es gibt jetzt mehr und bessere Lebensmittel als noch vor 2015", stellt der Vorsitzende fest. So könne die Einrichtung heute mehr Personen mit Essen versorgen, sogar mehr als aktuell kommen. Auch die Zahl der Asylbewerber sei deutlich zurückgegangen. Hätten sie vor zwei Jahren noch 60 Prozent der Abholer ausgemacht, seien es jetzt nur noch 40 Prozent. Das liege daran, dass die Anzahl der Asylbewerber insgesamt zurückging. Auch die neue Lage der Tafel in der Fichtestraße dürfte laut Gebhardt eine Rolle spielen. In den alten Räumen am Stockerhut sei die Gemeinschaftsunterkunft "Camp Pitman" näher gewesen. Selbst in der Zeit, in der die Tafel höchst überlastet war, habe er, Gebhardt, nie über einen Aufnahmestopp nachgedacht. "Ich hatte nur einen Vorschlag in petto, falls die Kunden noch weiter steigen." Er schlug vor, die Abholtage von drei auf maximal zwei pro Abholberechtigter zu ersetzen. Doch dazu kam es nie. Jetzt hat die Einrichtung mehr Abholer, darunter auch mehr Einheimische. Auch eine Folge der neuen Räume, die nun viel zentraler neben dem Neue-Welt-Kino liegen.

Mehr Abholer bei der Tafel

2016 verzeichneten die Tafeleinrichtungen in Weiden, Rothenstadt, Mantel und Floß noch 1200 Abholer, 2017 waren es schon 1280. Da ein Abholer entweder eine Einzelperson oder eine ganze Familie sein kann, sind folgende Zahlen auch interessant: 2016 kamen 1800 Erwachsene und 900 Kinder, 2017 schon 1900 Erwachsene und 967 Kinder. Die Zahl der Flüchtlinge als Abholer ging nach Aussagen des Vorsitzenden Josef Gebhardt jedoch stark zurück. (blu)

Es gibt jetzt mehr und bessere Lebensmittel als noch vor 2015.Tafel-Vorsitzender Josef Gebhardt
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