29.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Tango vor dem Altar

In Deutschland ist für viele das Tanzen in der Kirche nicht recht vorstellbar. Ganz anders in England, in den USA und erst recht in Afrika.

Tatjana K. Schnütgen. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Jahrhundertelang war es in Deutschland nicht möglich, dass bei einem Gottesdienst getanzt wurde. Zu sehr war das Tanzen als heidnisch und sogar erotisch betrachtet worden. Auch der Nationalsozialismus hat durch den Missbrauch des Volkstanzes dazu beigetragen, dass in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Tanzen in der Kirche verpönt war. In den letzten Jahrzehnten hat sich an dieser Situation einiges geändert.

Die wissenschaftliche Theologin und Universitätsdozentin Tatjana K. Schnütgen vom evangelischen Bildungswerk Regensburg sprach darüber im Vortrag vor dem Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing. Titel: "Tanz als Gestalt christlicher Spiritualität". Der Sprecher des Freundeskreises, Ehrenfried Lachmann, stellte die Referentin als "Expertin für ein selten behandeltes Thema vor". Sie hat darüber auch ihre Doktorarbeit geschrieben.

"Passen Tanz und Religion zusammen?", stellte Schnütgen die Ausgangsfrage. Im Hinduismus mit seinen tanzenden Gottheiten und im Islam mit der Verwurzelung orientalischer Tänze in der Kultur sei diese Frage mit einem eindeutigen Ja zu beantworten. Anders im Christentum. "Dort dominieren über Jahrhunderte Texte, Gebet, Musik und Rituale," Und sie stellte Defizite bei den Kirchen fest, "wenn es um den positiven Umgang mit dem Körper geht". Dabei sage die Wissenschaft doch "Tanz kann auch Sprache sein".

Sehr zögerlich habe sich in Deutschland die Situation verändert. Eine "körperfreundliche Theologie" sei vom Kirchenlehrer Romano Guardini vorbereitet worden. Im Jahre 1991 sei in Deutschland dann erstmals die "christliche Arbeitsgemeinschaft Tanz" gegründet worden. Von ihr ging eine Kirchentanzbewegung aus. Schnütgen zeigte einen Filmausschnitt aus einem Tangogottesdienst in Hildesheim und stellte einzelne deutsche Kirchentänzer vor. Dabei nannte sie im Vortrag allerdings nur die Vornamen der Kirchentänzer wie Charlotte, Barbara und Manfred. Auf YouTube ist dazu Genaueres zu erfahren. Ein Tangogottesdienst habe auch schon einmal in Regensburg stattgefunden. Und in Hamburg wurde eine getanzte Matthäus-Passion aufgeführt, berichtete Schnütgen.

Sie sprach auch von einer "religiösen Dimension der Ästhetik im Tanz". Im Tanz könne sich Gebet, Bibelarbeit und Gemeinschaft ausdrücken. Die Gottesdiensttexte würden "näher kommen" und "Menschen lernen ihr Leben zu tanzen und feinere Antennen für die Innenwelt zu entwickeln".

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