14.07.2017 - 13:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Team der Oberpfalz-Medien beim Weidener Seifenkistenrennen Mit Elan und ohne Plan

Da stehen wir. Vor uns: vier Reifen, ein bisschen Holz und ein Lenkrad. Was wir nicht haben: Ahnung, wie man eine Seifenkiste baut.

Fast fertig! Fahrer Wolfgang Würth testet schon mal die Seifenkiste. Motorhaube und Kofferraumdeckel fehlen noch. Bild: tow
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Eigentlich war es eine Schnapsidee. "Wir bauen eine Seifenkiste", haben wir rumgeblödelt. Die Kollegen haben's ernst genommen. Und plötzlich sind wir für das Weidener Seifenkistenrennen angemeldet.

"Wir" – das ist das "Hubert-Racing-Team" der Oberpfalz-Medien – benannt nach Chefkonstrukteur und Heimwerkerkönig Hubert Lukas. Ihn unterstützt eine Truppe aus Auto- sowie Fahrradschraubern und Ikea-Schrank-Aufbauerinnen. Mit Seifenkisten hatte noch keiner von uns zu tun. Motiviert stellen wir uns der Herausforderung. Und merken: Wir haben keine Ahnung.

Wir suchen im Internet nach Ideen. Das Problem: Die meisten Bauvorschläge sind auf Kinder abgestimmt. Unser Fahrer: ein ausgewachsener Zeitungsredakteur. Der passt nie durch das winzige Einstiegsloch – obwohl er ankündigt, Diät zu halten.

Der nächste Plan: Den Fahrer in die Kiste einbauen. Für uns wäre das in Ordnung. Er hat eh kein Mitspracherecht. Das Problem: In den Teilnahmebedingungen steht "Die Piloten dürfen nicht mit dem Fahrzeug verbunden sein".

Nächster Plan also: Wir starten den Aufruf "Tollkühne Schreiber suchen Kiste". Wir brauchen Material, vor allem aber Tipps. Rückmeldungen kommen nur wenige. Die paar sind aber hilfreich. Der Besitzer eines Musikhauses bietet uns Holz an, weitere Leser schicken uns Anleitungen und Tipps. Danke!

Wir beschließen, das Planen sein zu lassen, fahren in den Baumarkt und lassen uns inspirieren. Kaufen, was sinnvoll erscheint – oder billig ist. "Da war letztens eine Dame da, die eine Platte für eine Seifenkiste gebraucht hat", erzählt ein Mitarbeiter. "Passt, einmal das Gleiche bitte." Mit einer Bodenplatte, zwei Kilo Schrauben, zwei Bremsseilen und wetterfestem Lack kommen wir in der Garage unseres Chefkonstrukteurs an.

Dort der Schock: Er baut auch für die Konkurrenz. Der Siedlerverein hat ebenfalls seine Qualitäten erkannt. Und die Siedler wirken strukturiert, haben konkrete Vorstellungen, einen Ordner mit der Bauanleitung. Sie haben Ahnung. Das Modell "Rasenmäher" soll es werden – in rot. Wir fangen einfach an – hangeln uns von Teil zu Teil. Entscheiden vor jedem Schritt, was wir noch brauchen, düsen spontan in den Baumarkt, schrauben Teile wieder ab, werfen unsere Pläne immer wieder um.

"Die sieht ja aus wie ein Sarg", ist immer wieder von den Kollegen zu hören, wenn wir Fotos zeigen. Wir lassen uns nicht entmutigen. Verbringen unzählige Stunden in der Garage. Schrauben bis es dunkel wird, spinnen rum, probieren aus: Bei Überlegungen zur Motorhaube fallen Begriffe wie "Pappmasché" "Bettlaken", "Klettverschluss" oder "Druckknöpfe". Der Kofferraum soll klappbar sein. Der ein oder andere liebäugelt mit einem Spoiler. Ein Satz fällt immer wieder: "Das sieht scheiße aus!" Für den Wow-Effekt könnte aber eine Konfettikanone sorgen – oder ein Plüsch-Einhorn.

Fertig sind wir noch lange nicht. Aber – wir können es selbst kaum glauben – vor uns steht mittlerweile eine funktionierende Seifenkiste. Die Pflicht ist erledigt, jetzt kommt die Kür: Deko, Spezialeffekte und ein Kissen für den zarten Hintern unseres Fahrers.

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