Tempokontrollen in Frühlingstraße nur "Abzocke"?
Blitzer am Schleichweg

In der Frühlingstraße gilt Tempo 30. Wer sich nicht daran hält, für den kann's teuer werden: Kürzlich fotografierte ein Leser dieses Messgerät. Erst am Freitag stand es erneut dort. Bild: exb

Die Frühlingstraße dient Autofahrern besonders in diesen Tagen als Schleichweg in die Innenstadt. Sie sollten vom Gas gehen: Es gilt Tempo 30. Und es wird geblitzt. Für beides gibt es keinen Grund, meint ein Leser. Er wittert "Abzocke".

Viel rührt sich nicht auf dem Sträßchen hinter der Seltmann-Fabrik, das sich parallel zur Bahnlinie durch viel Grün windet. Kaum Fußgänger verirren sich dorthin, selten Radler. Nur ab und zu rollt ein Auto die Frühlingstraße entlang. Am Freitag mögen es etwas mehr sein: wegen der Totalsperrung des Kolping-Platzes. Die Fahrer müssen die Verkehrsschilder genau im Blick haben: Im vorderen Teil, ab dem Jugendzentrum, gilt Tempo 30, im hinteren Bereich Richtung Weiding auch - und die paar Hundert Meter dazwischen eben nicht.

Gerade noch in der vorderen 30er-Zone entdeckte ein NT-Leser vor kurzem Verdächtiges: ein Messgerät auf einem Stativ, "getarnt" durch das schräg stehende Auto eines Anliegers, wie er meint. Der 65-jährige Weidener tappte zwar nicht in die Falle. Dennoch vermutet er einen Fall von "Abzocke durch Geschwindigkeitskontrollen".

Diese Kontrollen nimmt seit zwei Jahren ein privater Dienst (gGKVS) im Auftrag der Stadt vor. Vornehmlich in 30er-Zonen, und zwar dort, wo Bleifüße wirklich nichts zu suchen haben: vor Schulen, Kindergärten, Altenheimen. In der Frühlingstraße findet sich nichts von alledem. Der 65-Jährige: "Von der Messstelle bis zur Aufhebung der Zone 30, circa 150 Meter, ist beidseitig keine Bebauung mehr vorhanden. Auf einer Seite Bahngleise und auf der anderen unbebaute Gartengrundstücke."

Der Weidener bezweifelt, dass es dort überhaupt eine 30er-Zone braucht. Und er zitiert die Straßenverkehrsordnung: "Eine Tempo-30-Zone kann durch die Straßenverkehrsbehörde innerhalb geschlossener Ortschaften, insbesondere in Wohngebieten und Gebieten mit hoher Fußgänger- und Fahrradverkehrsdichte sowie hohem Querungsbedarf, angeordnet werden." Auf die Messstelle Frühlingstraße treffe keine dieser Kriterien zu. Der 65-Jährige fragt: "Ist es eine Einnahmequelle, wo man den Autofahrer zur Kasse bitten kann?" Denn an Tempo 30, so hat er beobachtet, "hält sich dort niemand. Auch die Busse pfeifen nur so vorbei". Nicht zum ersten Mal sei dort ein Messgerät gestanden. Auch nicht zum letzten Mal: Erst am Freitag war der Blitzer wieder aufgebaut.

"Überwachungsstrecken werden nicht ausschließlich nach Gefahrenpunkten ausgewählt", antwortet die Verkehrsüberwachung in einer Stellungnahme. In der Frühlingstraße werde nach einer Mitteilung der städtischen Verkehrsbehörde aus dem Jahr 2015 kontrolliert: Bei einer Testmessung waren 67 Prozent der Fahrzeuge zu schnell dran, eines flitzte gar mit 92 Sachen durch die 30er-Zone. Geschwindigkeiten, bei denen es dann eben doch gefährlich wird. Insbesondere, wenn sich ein Wohngebiet anschließt. Die lange Kurve mache die Straße unübersichtlich.

Bei acht Messungen seit April 2015 gab es 263 Verstöße. Der Erfolg bleibt offenbar nicht aus. Die Verstoß-Quote entwickelt sich rückläufig: Im Februar 2016 lag sie noch bei 55 Prozent, zuletzt am 16. August 2017 bei knapp 29. "Von den Anwohnern liegen regelmäßig Beschwerden zu einer Gefährdung wegen überhöhten Geschwindigkeiten vor", teilt das städtische Ordnungsamt mit. Es verteidigt die Ausweisung als Tempo-30-Zone mit dem Verweis auf viele Grundstückseinfahrten. "In diesem Gebiet liegt außerdem das Juz und ein Gebetshaus der islamischen Gemeinde."

Und von wegen Abzocke: "Die Abrechnung (der von gGKVS) erbrachten Leistungen erfolgt nach Einsatzstunden und ist vollkommen unabhängig von der Anzahl der Verstöße." Am Schleichweg werden sich die Blitzer wohl so schnell nicht schleichen.

39 km/h zu schnellLaut Statistik der Stadt war die Tempomessung vom Freitag bereits die vierte Kontrolle in diesem Jahr in der Frühlingstraße. Geblitzt wurde bereits am 9. Mai, am 22. Juni und am 16. August. Bei der Kontrolle im Mai waren 21 von 92 Fahrzeugen zu schnell dran (23 Prozent), im Juni 27 von 99 (27 Prozent). Letztere war die höchste Verstoß-Quote des Monats im Vergleich von insgesamt 12 Messstellen. Die Quote im August betrug sogar rund 29 Prozent. Der krasseste Verkehrssünder brauste die Bahnlinie bei der Juni-Messung mit 69 Sachen entlang. Dafür dürfte es eine Anzeige setzen - und in deren Folge zwei Punkte, 160 Euro Bußgeld und einen Monat Fahrverbot. (rg)
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