15.05.2017 - 20:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Thomas Andonie über seine Wahl zum BDKJ-Bundesvorsitzenden "Wir sind alle Kirche"

Neunkirchen. Eigentlich ist Thomas Andonie in einem Alter, in dem man mal froh ist, nach dem Studium im Berufsleben anzukommen. So wie der Neunkirchener: 26 Jahre, seit 2016 arbeitet er als Beamter auf Lebenszeit in der Radikalisierungsprävention beim Sozialministerium in München. Trotzdem ist er schon wieder auf dem Sprung - auf einem großen: Wenn mit seiner Freistellung alles geklärt ist, wird Andonie in Düsseldorf seine neue Aufgabe angehen. Am Samstag wählte ihn der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) für die nächsten drei Jahre zu einem seiner hauptamtlichen Bundesvorsitzenden (wir berichteten).

von Franz Kurz Kontakt Profil

Der Dachverband der katholischen Jugendverbände vertritt die Interessen von 660 000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Andonie ist schon lange vielfach engagiert: Er war Gruppenleiter und Oberministrant in Neunkirchen, Vorsitzender des BDKJ Weiden, er ist Landesleiter der Kolpingjugend Bayern und, und, und. Seit er elf ist, ist er im Bereich der Kirche aktiv, weil er hier "eine Heimat gefunden hat", wie er sagt. Und dafür wolle er etwas zurückgeben, nämlich Einsatz, aber, wenn es sein muss, auch Kritik.

Herr Andonie, Sie sind gerade Beamter auf Lebenszeit geworden - und wechseln schon wieder den Arbeitsplatz. Warum das denn?

Thomas Andonie: Mein jetziger Job ist sehr, sehr schön. Und es tut mir weh zu gehen. Aber der BDKJ hat einen neuen Vorsitzenden gesucht in bewegten Zeiten: in denen junge Menschen eine unsichere Perspektive haben, sie in der Kirche nicht genug Raum einnehmen und populistische Kräfte aufkommen. Da ist es wichtig, Antworten auf ihre Fragen zu finden und zu zeigen, dass es stark ist, tolerant zu sein.

Das klingt gut, erklärt aber noch nicht ganz die Wahl.

Der bisherige Vorsitzende hatte seine Kandidatur zurückgezogen, weil er eine andere berufliche Herausforderung übernimmt. Da haben mich viele aus der katholischen Verbandsarbeit gefragt, die mich durch meine Ehrenämter schon kennen. Und dann habe ich meinen Hut in den Ring geworfen.

Ihr Einsatzgebiet ist bundesweit. Können Sie abschätzen, wie viel Sie unterwegs sein werden?

Ich werde wohl keine hundert Nächte im Jahr im eigenen Bett schlafen. Aber großen Zeitaufwand kennen alle Ehrenamtlichen. Ich habe ja jetzt das Glück, das hauptamtlich machen zu können. Da freue ich mich drauf, auch wenn ich vermutlich viele Sieben-Tage-Wochen haben werde.

Bei der Theaterjugend Neunkirchen werden Sie künftig also nicht mehr mitspielen?

(lacht) Eher nicht. Auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten werden wohl nur noch vereinzelt möglich sein.

Bei Ihrer Wahl haben Sie als Ziel genannt, jungen Menschen mehr Raum in der Kirche zu schaffen. Gibt es davon zu wenig?

Das ist von der Ebene abhängig. Wir werden akzeptiert. Aber in vielen Gremien wird eher über die Jugend statt mit ihr geredet. Deshalb brauchen wir auf allen Ebenen ein Angebot, um mitzugestalten. Da ist noch Potenzial, was die Laiengremien angeht. Wir sind schließlich alle Kirche.

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