Tina und Ralf Kiener gründen Verein zur Unterstützung misshandelter Kinder
Opfer ganz in unserer Nähe

Die Schicksale misshandelter Kindern lassen sie nicht ruhen: Ralf und Tina Kiener haben deshalb den Verein "Karolina e. V." gegründet, der mittlerweile elf Mitglieder zählt. Bild: Schönberger

Egal, wo in Deutschland man sich befindet. "Rein statistisch wird in 750 Meter Entfernung ein Kind misshandelt." 240 000 Kinder pro Jahr. Für Tina und Ralf Kiener ein unerträglicher Zustand. Sie werden deshalb aktiv.

Mit "Karolina e. V.". Gemeinsam mit Freunden und Bekannten haben sie den "Verein zur Unterstützung misshandelter Kinder" gegründet. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte am 11. November. In der Gründungsversammlung wurde Ralf Kiener zum Vorsitzenden gewählt, seine Frau Tina zur Stellvertreterin. Weitere Gründungsmitglieder sind: Jessica von Dörnberg, Sven Kröger, Volkan Akoglu, Dennis Peschel und Rebecca Fröhlich. "Inzwischen sind schon vier neue Mitglieder hinzugekommen", freut sich Tina Kiener.

Erschreckende Zahlen

Dabei ist der Anlass für die Vereinsgründung alles andere als erfreulich. Im Gegenteil: "Erschreckend" nennen die Eheleute die Zahlen, die sie im Internet recherchiert haben. 240 000 Kinder werden pro Jahr in Deutschland misshandelt. "Schwer körperlich misshandelt", fügt der 47-Jährige hinzu. 40 Kinder werden laut Statistik pro Tag sexuell missbraucht. Jede Woche sterben drei Kinder an den Folgen häuslicher Gewalt. "In Deutschland", betont der Anlageberater, der bei der Fides-Wohnungsbaugenossenschaft - dort arbeitet auch seine Frau - im Aufsichtsrat sitzt. "Das können sich viele nicht vorstellen. Das konnten wir uns früher auch nicht vorstellen."

Bewusst geworden ist das dem Ehepaar durch Rebecca Fröhlich, erzählt Tina Kiener. "Sie ist unser Kindermädchen, sozial stark engagiert und hilft beim Jugendamt in Fällen der Erstbetreuung mit, wenn Kinder aus ihren Familien genommen werden müssen." Beispielsweise im Fall von zwei kleinen Kindern, für die das Jugendamt dringend eine Pflegefamilie gesucht hat. Die hat sich zwar gefunden. Aber: "Die Familie hatte schon mehrere Kinder, so dass es für sie schwierig gewesen wäre, das finanziell zu stemmen." Also besorgten die Eheleute Kleidung für die Kinder und kauften eine Puppe, "weil der Therapeut gesagt hat, das ist für die Traumaverarbeitung des Mädchens wichtig."

Doch dabei blieb es nicht. "Wir haben immer wieder mal geholfen und auch unsere Bekannten angesprochen, die ebenfalls zur Unterstützung bereit waren." Aber selbst wenn das Herz groß ist: "Irgendwann kommt man an eine Grenze", sagt der Vorsitzende. "Die Unterstützer möchten gerne eine Spendenquittung. Das ist ja legitim." Ein Verein könne außerdem umfangreichere Hilfe bieten als Privatpersonen.

Das Ehepaar, das selbst zwei Söhne im Alter von 23 und zweieinhalb Jahren hat, befasste sich eingehend mit dem Thema Kindesmisshandlung, unterhält Kontakte zu Fachleuten und dem Jugendamt. "Es gibt Fälle, in denen die Pflegefamilien finanziell am Anschlag stehen, oder sehr junge Mütter, die mit einem Baby völlig überfordert sind", sagt die 43-Jährige. "In diesen Fällen wollen wir helfen. Oder wenn für eine Traumatherapie nur zwei Stunden pro Woche bezahlt werden, aber drei Stunden nötig wären." Zwei Aktionen mit betroffenen Kindern haben die Eheleute und ihre Mitstreiter bereits durchgeführt. Ein Tag im Reitstall begeisterte die Kleinen, und vor Kurzem ging's ans Plätzchenbacken.

"Wir wollen aber auch aufklären. Viele Menschen glauben, schlimme Kindesmisshandlungen gibt es in Deutschland nicht." Dabei sind die Zahlen heuer sogar angestiegen, weiß Tina Kiener. Und ihr Mann fügt hinzu: "Da geht es nicht um einen kleinen Klaps, sondern um Misshandlungen mit dem Bügeleisen, mit kochendem Wasser. Das kann man sich kaum vorstellen." Er verweist auf den Fall der kleinen Karolina im Landkreis Neu-Ulm. Sie ist nach wochenlanger Folter im Alter von drei Jahren gestorben. Nach diesem Mädchen ist der Verein benannt.

Früh ansetzen

Tina Kiener gibt zu bedenken: "Aus jedem misshandelten Kind, das nicht gerettet wird, wird ein kaputter Erwachsener." Ziel des Vereins sei es deshalb, mit der Hilfe möglichst früh anzusetzen. Sie und ihr Mann haben auch schon Kontakte zu einem Professor in Berlin geknüpft, der sich zu einem Vortrag in Weiden bereiterklärt hat. Überhaupt habe der Verein bisher von allen Seiten Unterstützung erfahren. "Ein Steuerberater hat uns ehrenamtlich die Satzung erstellt. Beim Finanzamt ging alles ganz schnell. Und eine Bank hat uns sogar das Konto kostenlos zur Verfügung gestellt", zählt Ralf Kiener auf. Auch in der Region gebe es mehr misshandelte Kinder als gedacht. "Das hat jeden berührt."

"Karolina e. V." hat seinen Sitz in Kalmreuth 17, 92685 Floß, Telefon 09602/618 88 10. E-Mail: info@karolina-eV.de. Jahresbeitrag: 60 Euro. Spendenkonto bei der Volksbank Nordoberpfalz, IBAN DE32 753 900 000 001 120 107. BIC: GENODEF1WEV.
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