16.03.2018 - 20:30 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Trauernde Hundebesitzer klagen über Probleme mit Tierfriedhof Kein Grab für Gina

Endstation Tierfriedhof? Dort soll Gina, der Hund von Christine und Alfred Conci, seine letzte Ruhe finden. Doch dann gibt es Krach mit den Verantwortlichen. Das trauernde Paar ist fassungslos, beklagt einen "gefühllosen Umgang".

Das ist die Hunde-Dame Gina, die stolze 19 Jahre alt wurde. Seit 15 Jahren gehörte sie zur Familie von Christine und Alfred Conci, die nun sehr um ihren Vierbeiner trauert. Bild: exb
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Trauer sitzt tief. Die Enttäuschung auch. Christine Conci kann ihre Tränen nicht zurückhalten, wenn sie von Gina erzählt, ihrem "sehr braven" Hund, der eingeschläfert werden musste. Und von den Geschehnissen danach. Wegen der geplanten Beerdigung auf dem Tierfriedhof gab es Missverständnisse und Irritationen. Völlig entnervt verzichtete das Weidener Ehepaar am Ende auf ein Grab auf der Anlage in Weiden-West.

An diesem für sie rabenschwarzen Tag - Samstag, 10. März - seien sie "völlig durch den Wind" gewesen, erzählen die Concis: In einer Altenstädter Tierarztpraxis mussten sie ihre Gina einschläfern lassen. Die Dackel-/Terrier-Dame war ihnen über 15 Jahre ans Herz gewachsen, "ein Familienmitglied". 19 Jahre wurde sie alt, ein gesegnetes Alter für einen Hund. Die Tierärztin gab den Besitzern die Kontaktnummer zum Weidener Tierfriedhof. Sie riefen sofort an. Mit dem Vorsitzenden des Fördervereins, Josef Gebhardt, hätten sie vereinbart, dass sie den Hund gleich vorbeibringen könnten, berichten Christine und Alfred Conci.

Geschockt nach Telefonat

Auf dem Areal in Weiden-West wartete das Paar zunächst zehn Minuten. Dann wählte die Frau nochmals Gebhardts Nummer. Dieser "wurde sehr ungehalten und sagte, ich hätte zu früh aufgelegt". Der Vorsitzende wollte beim ersten Kontakt offenbar weitere Anweisungen geben. Das zweite Gespräch endete damit, dass Gebhardt erklärt habe: "Wissen Sie was, graben Sie Ihren Hund doch selber ein." Dann habe er aufgelegt. "Wir waren geschockt", sagt Christine Conci. Einige Minuten später versuchte es ihr Mann ein weiteres Mal bei Gebhardt. Der habe bemerkt, er sei ehrenamtlicher Vorsitzender und bekomme keinen Pfennig für die Arbeit. Nachdem Conci ihm erzählte, er habe sowohl für die Tafel als auch den Tierfriedhof-Verein gespendet, habe der Vorsitzende eingelenkt. Nun habe er dem Paar den Weg zu seinem Haus in Neunkirchen beschrieben.

An der Haustür sei nach mehrmaligem Klingeln erneut Warten angesagt gewesen. Dann sei Gebhardts Frau erschienen und habe sich empört. "Sie sagte, was uns einfällt, ihr Mann sitzt am Computer und muss arbeiten." Im Verlauf des Gesprächs erklärte sie den Besuchern das geplante Prozedere: Der Hund komme für zwei Tage in den Keller, dann zunächst in die Kühltruhe auf dem Tierfriedhof, ehe er voraussichtlich am folgenden Wochenende begraben werde. Da nahmen die Concis ihren toten Vierbeiner lieber wieder mit.

Gegenüber Oberpfalz-Medien beklagen sie einen "sehr unfreundlichen und gefühllosen Umgang". Sie hätten Respekt vor ehrenamtlichem Engagement und Verständnis dafür, wenn der Vorsitzende gestresst sei. Aber so dürfe man sich gegenüber geschockten und traurigen Tierbesitzern nicht verhalten. "Wir wussten ja überhaupt nicht, wie das mit einer Bestattung auf dem Tierfriedhof abläuft", sagt Alfred Conci. "Wir kamen uns vor wie Bittsteller."

Vorwürfe und Forderungen

Gebhardt dagegen hatte den Eindruck, das Paar sei "sehr fordernd und vorwurfsvoll" aufgetreten. Zum Zeitpunkt der Anrufe habe er tatsächlich Büroarbeit erledigt und nicht weggekonnt. Bereits im ersten Gespräch habe er Christine Conci aufgefordert, "Kommen's zu mir nach Hause", doch das habe sie wohl überhört. Als das zweite (vom Friedhof aus geführte) Gespräch mit Vorwürfen begonnen habe, "bin ich irgendwann laut geworden", räumt Gebhardt ein. Da er "geladen" gewesen sei, sei später seine Frau an die Tür gegangen.

Es habe sich herausgestellt, dass die Concis ein Problem mit der Vorstellung gehabt hätten, der Hund würde zunächst in der Kühltruhe aufbewahrt. Das sei jedoch alles andere als unüblich. "Die Leute rufen schon mal abends um 22 Uhr oder früh um 5 Uhr an, wenn ein Tier gestorben ist", sagt der Vereinsvorsitzende. "Dann frage ich sie schon, ob sie wissen, dass das ehrenamtliche Arbeit ist." Wie berichtet, will sich Josef Gebhardt demnächst als Vorsitzender des Fördervereins Tierfriedhof zurückziehen. Als Grund nennt der auch anderweitig engagierte 72-Jährige "Arbeitsüberlastung". Wer sich dann um das Areal und die Bestattungen kümmert, ist noch offen.

Weder dort noch anderswo hat Gina jetzt eine Ruhestätte. Das Ehepaar Conci brachte den Hund zurück zur Tierärztin, die eine Feuerbestattung in die Wege leitete. Alfred und Christine Conci bleiben nur viele, viele Fotos von ihrem Liebling. Auf den meisten sind sie selbst mit drauf. Gina, erzählt die Frau, "ist uns ja nie von der Seite gewichen".

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