Turnerbund-Mitglieder stimmen Grundstücksverkauf zu
Auch kritische Fragen bei außerordentlichen Versammlung

Die Mehrheit der Stimmberechtigten votierte wie TB-Vorsitzender Bernhard Schlicht (links) für den Grundstücksverkauf, um eine drohende Insolvenz des Traditionsvereins zu verhindern. Auch eine Satzungsänderung genehmigten die Mitglieder. Bild: Dobmeier
 
„In der Tennisabteilung tauchte das Griechenland-Phänomen mit Liquiditätsproblemen auf.“ sagte TB-Vorstand Bernhard Schlicht, der sich auch als Sanierer bezeichnete. Bild: Dobmeier

Der Weg ist frei für den Verkauf des 33 393 Quadratmeter Areals, das im Besitz des Turnerbunds Weiden ist. Bei einer außerordentlichen Versammlung am Montagabend stimmen die Mitglieder für den Verkauf. Zuvor aber stellen sie Fragen und Forderungen.

(rdo) "Wäre nicht auch ein Teilverkauf möglich gewesen?", "Was passiert mit dem veranschlagten Verkaufserlös in Höhe von 1,585 Millionen Euro?" Diese und andere Fragen musste TB-Vorsitzender Bernhard Schlicht zu Beginn beantworten. Und das tat er wie folgt: Schlicht nannte einen scheibchenweisen Verkauf nicht als zielführend. Das Geld werde für die Tilgung der aufgelaufenen Verbindlichkeiten der Tennisabteilung verwendet. Hier stünden 320 000 Euro als Schulden im Raum. Etwa 500 000 Euro werde der Steuerabschlag betragen. Die anderen Erlöse würden in die gemeinnützigen Sportabteilungen fließen. Besonders die vom Verkauf betroffenen Abteilungen wie die der Judoka, der Faust- und Volleyballer würden mit größeren Anteilen bedacht.

Schuldenfreies Tennis

"Es dürfen keine erneuten Verbindlichkeiten bei der Tennisabteilung auflaufen", forderten einige Mitglieder vehement. Vorsitzender Schlicht versicherte, dass die Tennisabteilung selbst die Instandhaltung ihrer Liegenschaften finanzieren muss und der Hauptverein nicht mehr einspringe. Das nicht ehrenamtlich spielende Team "Damen I" wurde bereits aus der Regional-Liga abgemeldet. Ehrenvorsitzender Herbert Tischler nannte im Rückblick den Tennishallenbau und den Mitgliederschwund von einst über 600 auf etwa 230 Mitglieder als Gründe der Finanzmisere der Tennisabteilung.

Der Notarvertrag mit 34 Seiten und 7 Anlagen lag zur Einsicht aus. Der TB-Turnrat stimmte im Dezember bei einer Enthaltung bereits für den Grundstücksverkauf. Für die Abstimmung am Montagabend genügte laut Vereinssatzung die Zweidrittel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder.

Von den 33 Stimmberechtigten votierten 29 für den Verkauf. Es gab eine Gegenstimme und drei Enthaltungen. Der Beifall der Mitglieder war das Lob für den Einsatz von TB-Vorsitzendem Bernhard Schlicht, der mit der Stadt eine Abgeltung für das Dünge- und Bauverbot aus dem Jahr 1912 vereinbart und in die Ausarbeitung des Notarvertrages viel ehrenamtliche Zeit investiert hatte.

Als Investor will die R+K Immobiliengesellschaft einen Großteil des TB-Geländes erwerben und mit Wohnungen bebauen. Das Areal, das verkauft wird, erwarb der TB laut Schlicht zu Sportflächenpreisen und erhielt es nicht von der Stadt geschenkt. Lediglich ein kleiner Teil bei den alten Kastanienbäumen stamme aus einem Flächentausch an der Jahn-Turnhalle. Zur Veräußerung kommen vom Sportpark am Hammerweg die Fläche mit dem Funktionsgebäude, die Fußball- und Faustballfelder sowie der Weg vom Glötzner-Stüberl zum Hammerweg. Für die ebenfalls veräußerten Beach-Volleyballfelder ist Ersatz am Hammerweg oder im Schätzlerbad angedacht.

Freitag, den 13., zum Notar

Zudem genehmigte die Versammlung eine Satzungsänderung. Das nach Auflösung des Vereins und nach Beendigung der Liquidation vorhandene Vereinsvermögen wird künftig an eine Person des öffentlichen Rechts oder eine andere steuerlich begünstigte Körperschaft gehen, um den Sport zu fördern.

Der Notartermin für den Grundstücksverkauf ist am Freitag, den 13. Januar.

Das sagt die Stadtkämmerin zum Ende des Streits um die Turnerbund-GrundstückeVon einem zweiten "Rückwärtssalto" der Stadt, der den Grundstücksstreit zwischen Stadt und TB beendete sprach TB-Vorsitzender Bernhard Schlicht. Dem widerspricht Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. Ihre Stellungnahme in Auszügen:

Seitens der Stadt wurde von Anfang an eine klare integrative Verhandlungsstrategie zur Ablösung der an den TB-Sportflächen im Grundbuch für die Stadt eingetragenen Vorkaufsrechte für alle Verkaufsfälle und der Grunddienstbarkeit "Bau- und Düngungsverbot" verfolgt.

Dem TB wurde signalisiert, dass eine Löschung des Bau- und Düngeverbotes durch Erstattung der im Jahr 1912 durch die Stadt geleistete Zahlung (heutiger Wert 10 000 Euro) sofort machbar sei. Die Ablösung der Vorkaufsrechte müsse zu einem Wert erfolgen, der sich anteilig aus dem Kaufpreis berechne.

Bei einer Besprechung vom 4. August zwischen Vertretern der Stadt, des TB und der Investorengemeinschaft wurden der Stadt seitens des TB 15 000 Euro als Ablösung für alle Belastungen (Bau- und Düngeverbot, Vorkaufsrechte) angeboten. Der Ferienausschuss beschloss, das Bau- und Düngeverbot gegen 9400 Euro zu löschen und dass die Entscheidung über die Ausübung der Vorkaufsrechte bzw. deren Löschung nach Mitteilung des Inhalts des geschlossenen Kaufvertrages erfolgt.

Herr Schlicht wurde am 28. September informiert, dass die Löschung des Bau- und Düngungsverbots im Interesse des TB vorerst zurückgestellt wird, weil zwischenzeitlich die Regierung der Oberpfalz ihr Einverständnis erklärte, falls die Stadt die TB-Grundstücke durch Ausübung der Vorkaufsrechte zur Entwicklung für den Sozialwohnungsbau verwendet. Es folgte ein städtisches Kaufangebot an den TB.

Der TB lehnte dies ab. Im Oktober erörterten Bauträger und Stadt gemeinsame bauliche Perspektiven wie die Errichtung von bezahlbaren Wohnungen mit Inanspruchnahme von Fördermitteln aus dem Kommunalen Wohnraum-Förderprogramm. Der Stadtrat beschloss, grundsätzlich bereit zu sein, Wohnungen im Zuge der Projektentwicklung der Investorengemeinschaft zu erwerben und eine Löschung des Bau- und Düngeverbotes bei einvernehmlicher Regelung in Aussicht zu stellen. Nachdem vereinbart wurde, dass die Vorkaufsrechte vom Käufer übernommen werden, ist eine Löschung Sache zwischen Grundstückskäufern und Stadt. Etwaige Zahlungen zur Ablösung der Vorkaufsrechte hat nun auch der Erwerber zu leisten. Der TB hat damit nichts mehr zu tun. Damit der Kaufvertrag zwischen TB und Investorengemeinschaft geschlossen werden kann, wurde die Löschungsbewilligung für das Düngeverbot entsprechend erteilt.
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