Umweltexpertin Stephanie Ertl spricht beim Frauenbund St. Josef über Plastik
Plastik-Meer

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff, sagte Umweltexpertin Stephanie Ertl beim Frauenbund St. Josef. Bild: Kunz

Gehe es so weiter wie bisher, befänden sich 2050 mehr Plastikteilchen in den Weltmeeren als Fische. Das prophezeihte Umweltexpertin Stephanie Ertl in ihrem Vortrag beim Frauenbund St. Josef.

Der Müllstrudel im Nordpazifik sei heute schon größer als Mitteleuropa. "Jede Minute wird eine Lkw-Ladung Plastik ins Meer gekippt", erklärt Ertl. "70 Prozent davon sinken auf den Meeresboden und richten Korallen übel zu - die restlichen 30 Prozent schwimmen in ein bis zehn Metern Tiefe."

Stephanie Ertl ist Mitarbeiterin des Verbraucherservices Bayern. Auf Einladung von Frauenbund-Vorsitzender Alexandra Lukas erklärte sie im Pfarrheim St. Josef zum Beispiel, dass die Plastikringe, die eine Six-Pack-Packung zusammenhielten, 400 Jahre bräuchten, bis sie sich auflösten. Bei Plastikflaschen dauere es sogar noch 50 Jahre länger. Und ein verlorengegangenes Fischernetz würde sich erst in 600 Jahren zersetzen.

Jede Stunde gingen alleine in Deutschland 320 000 Coffee-to-go-Becher mit Plastikdeckeln über die Theken, jedes Jahr fielen 17 Milliarden Einweg-Plastikflaschen an. "Die reichten aneinandergereiht 16 Mal bis zum Mond. Man könnte fast sagen: Pfandflaschen-Sammler sind Umweltschützer." Die Expertin rät vor allem dazu, weiches Polyvinylchlorid (PVC) zu meiden. Auch Policarbonat, wie es in CDs oder Brillengläsern stecke, zeige hormonähnliche Wirkung. "Damit möchte ich aber nicht sagen, dass es gefährlich ist, eine CD einzulegen." Schädigend seien unter anderem Kassenzettel. "Die gehören nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll." Aber: Kunststoff sei nicht gleich Kunststoff. Manches Plastik schädige nachweislich die Fortpflanzung.

Die Tipp der Referentin: Abwechslunsgreiche Ernährung, auf Edelstahlflaschen und -dosen ausweichen, Räume regelmäßig lüften und reinigen. Und: "Plastikprodukte mit starkem Geruch meiden." Verteufeln wolle sie Plastik nicht. Alternativprodukte könnten ebenso umwelt- und gesundheitsschädlich sein.

Biokunststoffe zum Beispiel seien nicht umweltfreundlicher als konventionelles Plastik. "Die meisten werden aus Erdöl hergestellt, da darf man sich nichts vormachen. Gerade die biologisch abbaubaren schneiden schlechter ab, weil sie weniger haltbar sind." Das Umweltamt gehe davon aus, dass es besser sei, sie zu verbrennen. "Dann erzeugen sie wenigstens noch Energie." Die Expertin: "Biokunststoff darf nicht recycelt werden." Gerade Zusatzstoffe aus Granulaten - oft Betriebsgeheimnisse der Unternehmen - könnten gefährlich werden, "weil wir nicht wissen, was drinsteckt".

Ein Drittel des in Deutschland verarbeitenden Kunststoffs werde in der Verpackungsindustrie eingesetzt. "Der Trend geht zu immer kleineren Einheiten." In der Rangliste folgten Bau, Fahrzeugbau und Elektronik.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.