02.03.2018 - 14:04 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Unter der Haube: Automobiler Alltag mit einem 30 Jahre alten Volvo 240 Ein Auto, das auf der Straße für mehr Lächeln sorgt

Mindestens 200 PS, mehr Rechenleistung als Computer, beheizte Ledersitze in gekühlten Fahrgastzellen aus Aluminium – moderne Autos sind erstaunliche Produkte. Bei meinem 30 Jahre alten Volvo sind Technik und Optik antiquiert. Dafür erzeugt der Wagen überall ein Lächeln.

Deutsche Automobilbau-Ingenieurskunst des 21. Jahrhunderts neben skandinavischem Charme der 1970er
von tow Kontakt Profil

Zum Beispiel in einer großen Volvo-Werkstatt. Ich bin eigentlich nur dort, weil ich eine Frage habe. Der Service-Berater bittet mich, den Wagen auf die Hebebühne zu fahren. Ich lehne ab. Er bittet mich intensiver. „Will der mir etwa was aufschwatzen?“, denke ich mir. Aber gut.

Zehn Minuten später stehen fünf Mechaniker um den aufgebockten Wagen herum. Doch nicht, um mir zu sagen, was alles kaputt ist. Sie fangen an, Geschichten zu erzählen: „Ich weiß noch, damals, als ich Azubi war, musste ich an so einem Auto den Zahnriemen wechseln.“ – „Ein durch und durch ehrliches Auto.“ – „Der hat noch eine Starrachse.“ – „Das ist halt noch ein echter Volvo.“ Erinnerungen an eine Zeit, als Rudi Carrell im Fernsehen Konkurrenz durch einen jungen Wilden namens Thomas Gottschalk bekam, es zwei deutsche Staaten gab und Schnauzbärte völlig unironisch getragen wurden.
 

 
Die Profi-Schrauber sind glücklich. Eine absurde Situation: Im Ausstellungsraum stehen SUVs mit Preisschildern von 80.000 Euro aufwärts, Kunstwerke aus Carbon, Leder und Touchscreens. Und ein 30 Jahre alter Kombi stiehlt allen die Schau.
 
Wer mit einem alten Auto unterwegs ist, gewöhnt sich irgendwann daran, dass Männer am Straßenrand stehenbleiben und neugierig schauen. Dass andere Autofahrer an der Ampel den Daumen nach oben zeigen. Dass Lkw-Fahrer den Wagen an der Tankstelle inspizieren und Kommentare abgeben.

Mit einem 30 Jahre alten Allerwelts-Auto fällt man auf, als sei man in einem italienischen Supersportwagen unterwegs. Wobei fraglich ist, ob der dieselben Sympathie-Werte verbuchen könnte, ob ein Lamborghini oder ein Ferrari die Menschen auch zum Lächeln bringen könnte. Und gelächelt wird ohnehin zu wenig im Straßenverkehr.

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