Unter der Haube: Automobiler Alltag mit einem fast 30 Jahre alten Volvo 240
Ärger mit dem Tacho

Der ersteigerte Tacho hat einen weiten Weg hinter sich gebracht. Foton: openstreetmap.de/ODbL 1.0

Ein großer Vorteil von alten Autos ist, dass sie kaum elektronische Bauteile haben. Sie bestehen aus Stahl, Blech und Schrauben, nicht aus Plastik, Chips und Platinen. Man kann sie selbst in der Wüste mit einem Taschenmesser zerlegen und wieder zusammenbauen. Ärger mit kaputten Displays oder bevormundender Elektronik? Doch nicht in meinem fast 30 Jahre alten Volvo.

Soweit die Theorie. Da gibt es nur ein Problem: den elektronischen Tacho. Der erfüllt zum Zeitpunkt des Autokaufes maximal dekorative Zwecke. Denn weder die orange Nadel noch die schwarzen Plastikwalzen im Kilometerzähler bewegen sich. Mein Autoschrauber-Ego hatte diesen Defekt bei der Probefahrt auf die Liste der einfach zu behebenden Probleme gesetzt. Ich habe schon Getriebe gewechselt und Motoren zerlegt. Da wird so ein Tacho keine Herausforderung sein.

Die Recherche zeigt: Es gibt auf Ebay reichlich Tacho-Blenden aus Carbon, mit denen man sich Pseudo-Rennwagen-Flair in einen VW Golf holen kann. Doch ein funktionierendes Kombiinstrument für einen Volvo 240? Schwierig. Dann der Treffer: Ich finde ein passendes Kombiinstrument. In Walnutport, Pennsylvania, einer Kleinstadt 160 Kilometer westlich von New York City. Dieses Instrument wurde übrigens einst gefertigt von der deutschen Firma VDO mit Hauptsitz in Regensburg ...

Die nächsten Tage verfolge ich auf dem Handy die Route des Pakets. Von Walnutport geht es nach Philadelphia, von dort 1000 Kilometer gen Westen nach Cincinnati, dann über den Atlantik nach Großbritannien, von dort in den Süden Portugals. Weiter geht es nach Oslo in Norwegen, dann innerhalb Norwegens nach Halden. Nächste Station ist die Schweiz. Schließlich und endlich: Deutschland, die Oberpfalz. Eine absurde Reise ist vorbei.

Ich freue mich wie ein Kleinkind vor dem Christbaum, als ich das Paket öffne. Spätabends setze ich die Stirnlampe auf, steige in den alten Volvo, baue meinen kaputten Tacho aus und den ersteigerten amerikanischen ein. Ich drehe den Zündschlüssel und fahre los, den Blick voller Euphorie auf die Nadel gerichtet. Sekunden, die sich wie Minuten anfühlen. „Das kann doch nicht sein. Das kann einfach nicht sein.“ Unglauben, Enttäuschung. Wut. Es ist Fakt: Dieses dumme Miststück von einer Tachonadel bewegt sich keinen Millimeter. Keinen einzigen. Mittlerweile wäre mir sogar egal, wenn das Instrument die komplett falsche Geschwindigkeit anzeigt“. Solange es irgendwas anzeigt.

Demnächst auf der OTon-Seite: Wie es mit dem Tacho weitergeht und was Holland damit zu tun hat.
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