16.11.2017 - 16:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ursula Neumann gewinnt Preis für bienenfreundlichen Garten Mut zur Wildnis

Ursula Neumann hat ihren kleinen Garten in der Rheinländerstraße in ein Insektenparadies verwandelt. Dafür wurde sie nun mit dem zweiten Platz beim bayernweiten Pflanzwettbewerb "Wir tun was für Bienen" belohnt.

von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Man muss Mut zur Wildnis haben", sagt Ursula Neumann. Die im Oktober veröffentlichte Studie zum Insektensterben in Deutschland macht deutlich, wie wichtig der Appell der Weidenerin ist. Auf nur 100 Quadratmetern hat sie auf ihrem Grundstück rund ums gemietete Haus einen Beitrag für die Insektenwelt geleistet, wie der zweite Platz beim vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geförderten Wettbewerb der Stiftung für Mensch und Umwelt belegt.

Doch das Anlegen des insektenfreundlichen Gartens hat nicht auf Anhieb geklappt: Die ersten Pflanzen hat die Naturfreundin im Baumarkt gekauft. "Ich habe später alles wieder raus gerissen, weil die gekauften Pflanzen für Insekten nutzlos waren. Die meisten Blumen aus dem Baumarkt sind überzüchtet. An Geranien zum Beispiel geht kein Insekt dran. Gefüllte Blüten bringen gar nichts." Ursula Neumann eignete sich viel Wissen an. In diesem Jahr reichte es für die insektenfreundliche Umgestaltung ihres Gartens:

  • Im Garten findet man heimische Arten, darunter Kratzdistel, Wilde Karde, Wiesenwitwenblumen, Malve, Margerite und Natternkopf: "Daran war im Sommer die Hölle los."
  • Neumann legte einen kleinen Teich an: Lebensraum für Libellen und Wasserquelle für Bienen und andere Tiere. "Mittlerweile habe ich sogar einen Frosch."
  • Hauswurz, Sedum und Fetthenne "finden Sie bei mir in jeder Ritze. Insekten lieben ihre Blüten."
  • Der Garten bietet viele Verstecke und Nistplätze: gut belegte Insektenhotels, mit Stroh gefüllte Tontöpfe für Ohrenkneifer, Totholz, Schotter, Tonscherben, aufgeschichtete Steine, eine Sandfläche, ein Igelhaus unter einem Laubhaufen. "In dem Tontopf mit Lehmfüllung hat sich eine Lehmwespe eingenistet", erzählt sie.
  • Künstliche Mittel kommen nicht zum Einsatz: "Ich brauche keinen Dünger, kein Spritzmittel und ich muss kein Grüngut wegfahren. Alles, was ich aus dem Garten herausnehme, stecke ich wieder rein."

Um den Insekten Gutes zu tun, setzt die Weidenerin auch auf Pflanzen und Tiere, die manch Gartenbesitzer nicht so gerne sieht. "Jeder verteufelt Ameisen, aber sie sind dafür verantwortlich, dass Samen weitergetragen werden und Verwesung stattfindet. Die Natur ist so gewitzt, warum muss man sie bekämpfen?" Brennnesseln, Faulbäume und Kohlsorten seien wichtig als Futterpflanzen für Schmetterlings-Raupen: "Wenn es keine Faulbäume gibt, gibt es auch keine Faulbaum-Bläulinge."

"Ich bin im Außendienst tätig, habe den ganzen Tag mit Zahlen zu tun." Für die preisgekrönte Hobby-Gärtnerin ist ihr Kleinod daher auch ein wichtiger Ausgleich. Kreativ lebt sie sich in der Band "Bite the Beagle" sowie beim Malen aus. Ihre Bilder zeigt sie in Ausstellungen.

Neumann möchte andere ermutigen, sich für Insekten zu engagieren, selbst wenn sie nur einen Balkon zur Verfügung haben: "Es wird sich nichts ändern, wenn wir nicht im Kleinen anfangen. Man kann auch Töpfe mit heimischen Wildblumen anlegen. Die Frage ist: Was hinterlassen wir unseren Kindern?" In sterilen Steingärten und solchen mit Rollrasen und Gabionen stecke weder Kreativität, noch Leben.

Neumann lobt Kommunen, die Flächen mit Wildblumen bepflanzen. In der Oberpfalz sei das kaum der Fall. Sie hofft daher auf Gehör beim Weidener Oberbürgermeister: "Man muss der Natur wieder Raum geben."

Insektensterben in Deutschland

Das Ergebnis der im Oktober vom Wissenschaftsmagazin "Plos One" veröffentlichten Studie ist schockierend: Drei Viertel aller fliegenden Insekten in Deutschland sind in den vergangenen 27 Jahren verschwunden. Damit ist die Langzeitstudie der erste wissenschaftliche Beleg für das Insektensterben. Untersucht wurden über 60 Standorte in Schutzgebieten mit einigermaßen intakter Natur. Die Ergebnisse sind daher umso beunruhigender.

Klare Ursachen für das Insektensterben benennt die Studie nicht. In Frage kommen der Klimawandel, Zerstörung des Lebensraumes der Insekten zum Beispiel durch die Landwirtschaft sowie der Einsatz von Pestiziden.

Ursula Neumann hat sich bei der Umgestaltung ihres Gartens vom Hortus-Netzwerk inspirieren lassen. Ziel des Netzwerks sind Gärten mit Lebensraum für Insekten und Platz für den Anbau von Lebensmitteln. Die Gärten werden in Puffer-, Hotspot- und Ertragszone unterteilt. Wer sich darüber informieren möchte, kann sich per E-Mail an Ursula Neumann wenden: neumannuschi[at]web[dot]de.

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