07.07.2017 - 13:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Urteil für "le petit papa" mit Mafia-Kontakten Acht Jahre für Heroin-Scheinkauf

Der 48-jährige Jahi L., genannt "le petit papa", ist am Freitag zu acht Jahren Haft wegen Handeltreibens mit Drogen verurteilt worden. Auch wenn letztlich kein Gramm übergeben wurde. Für Vorsitzenden Richter Walter Leupold steht fest: "Er fährt als Handelsreisender durch ganz Europa und versucht, sein elendes Gift loszuwerden."

Symbolbild: Uli Deck/dpa
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Der Angeklagte, ein albanischer Mazedonier mit Mafia-Kontakten, hatte bis zuletzt bestritten, dass sein Angebot ernst gemeint war. Er hatte einer Vertrauensperson des Zolls 15 Kilo Heroin und ein halbes Jahr später zehn Kilo Heroin plus zwei bis drei Kilo Kokain angeboten. Der Angeklagte beharrte, dass der V-Mann ihn für einen angeblichen Racheakt engagiert habe, bei dem man einen serbischen Verbrecher hereinlegen wollte. Er habe nie liefern wollen. Er habe nur mitgespielt und deshalb bei den Verhandlungsgesprächen - zuletzt in Weiden - Kilo- und Geldbeträge auf Zetteln notiert.

Landgerichtspräsident Leupold macht mehr als deutlich, was er von dieser "windigen Drei-Groschen-Geschichte" hält: "Sheherazade hätte mit so einer Geschichte nicht tausendundeine Nacht überlebt. Der Sultan hätte gesagt: Weg damit!" Bei der Festnahme hatte sich der Angeklagte als "Agent" im Dienst der italienischen Behörden bezeichnet.

Belastungszeuge fehlte

Das Gericht verlasse sich nicht nur auf die Aussage der Vertrauensperson. Bei einem Treffen in München war auch ein nicht offen ermittelnder Beamter aus Weiden dabei. Dieser bestätigte die Mengen und Liefertermine, die vereinbart wurden. Das Treffen wurde zehn Minuten nach Beendigung sogar noch einmal wiederholt: Der Angeklagte rief die Kunden per Handy noch einmal in das Restaurant zurück. Ein Dolmetscher seines Vertrauens war eingetroffen, alle Details wurden wiederholt. "Das macht nur Sinn, wenn ich auch wirklich Rauschgift verkaufen will."

Verteidiger Jörg Meyer forderte einen Freispruch. Er störte sich vor allem daran, dass der V-Mann nicht vernommen werden konnte. "Es geht hier immerhin darum, dass ein Mensch über Jahre eingesperrt werden soll. Da muss sich das Gericht ein Bild vom Belastungszeugen machen können." Der V-Mann - Meyer nennt ihn "das Gespenst" - hat aus Sicherheitsgründen einen Sperrvermerk des Bundesfinanzministeriums. Meyer weist auf die Tarife hin, die das Ministerium seinen Informanten zahle. "Ein V-Mann lebt von seinen Ergebnissen. Mein Eindruck: Er sollte den Angeklagten zur Strecke bringen, koste es, was es wolle."

Die "VP-Führerin" des Zollfahndungsamt berichtete dem Gericht von einem Hinweis, den man 2016 aus dem Drogenmilieu bekam: Der 48-Jährige suche in Deutschland Käufer für Heroin und Kokain im zweistelligen Kilobereich an. Daraufhin setzte man die Vertrauensperson an, die an einer Café-Theke in Düsseldorf mit dem Angeklagten in Kontakt trat. Meyer fragte sich, warum ausgerechnet Weiden mit dem Fall betraut war. Auch die Festnahme erfolgte am Ende in Weiden, indem man dem Angeklagten nach dem letzten Deal-Gespräch in Nürnberg "zum Essen" in die Oberpfalz lotste.

Staatsanwalt Christian Härtl verwahrte sich gegen den Vorwurf, es habe sich um eine nicht zulässige Tatprovokation gehandelt. Der Angeklagte habe die Großmengen selbst angeboten. "Man hat ihn nicht in große Mengen hineingequatscht." Der 48-Jährige habe professionell und intensiv gehandelt. Menge, Übergabe und Termin wurden konkret bestimmt. "Ein klassischer Fall eines Betäubungsmittelhandels." Alles andere: "Märchen vom Balkan."

Eisverkäufer darf heim

Der 48-Jährige habe die V-Person sogar nach Rotterdam eingeladen und stellte dort den großen Boss vor, der sich mit 270 Kilo Heroin im Lager brüstete. "Das war keine Idee der Zollfahndung." Härtl plädierte auf zehn Jahre. Der Angeklagte quittierte das Urteil mit ungläubigem Kopfschütteln und ironischen "Danke, Danke!"-Rufen. Der mitangeklagte Chauffeur, vertreten von Anwalt Robert Hankowetz, holte sich von Leupold seinen Reisepass ab. Der mazedonische Eisverkäufer (45) kam wegen Beihilfe mit anderthalb Jahren Haft auf Bewährung frei.

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