01.12.2016 - 20:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Urteil im Hammerweg-Prozess: Zwischen 9 und 11 Jahre Haft "Eine üble Geschichte"

Sie haben drei Senioren überwältigt und stundenlang gequält: Für den Raubüberfall am Hammerweg verurteilt die 1. Strafkammer des Landgerichts Weiden drei Männer zu Haftstrafen zwischen 9 und 11 Jahren. Außerdem bekommt das Trio deutliche Worte mit auf den Weg ins Gefängnis.

Bild:Schönberger
von Franz Kurz Kontakt Profil

Die Täter sind schon längst zurück auf dem Weg in ihre Zellen. Aber die Frau steht am Donnerstag noch immer vor der Tür des Gerichtssaals, in dem sie jeden Tag des Prozesses verfolgt hat. Sie blickt sich noch einmal um. Mit dem Urteil, sagt sie, sei sie schon zufrieden. Aber es bleibe halt dabei. Während die drei Männer - 34, 40 und 44 Jahre alt - irgendwann aus dem Gefängnis kämen und mit der Sache abschließen könnten, "bleibt das für uns für den Rest des Lebens".

Die damals 69-jährige Frau war am 17. September 2015 abends daheim in ihrer Doppelhaushälfte im Weidener Stadtteil Hammerweg. Sie auf der Couch vor dem Fernseher, in der Küche ihr 71-jähriger Mann, im Obergeschoss ihre Mutter (89), als es begann. Drei Männer schlüpften durch ein offenes Fenster ins Haus, überfielen die Senioren, fesselten sie, schlugen und traten auf sie ein, schnitten den Mann mit einem Messer, drohten mit einer Pistole. Die Angreifer vermuteten das große Geld, 100 000 Euro. Mindestens. Und weil sie nur Schmuck und Bares im Wert von rund 21 000 Euro fanden, verwüsteten sie die Wohnung und malträtierten die Bewohner, mehr als vier Stunden insgesamt.

"Wie ein Schundroman"

An diesem Ablauf hat die Kammer nach vier Prozesstagen keinen Zweifel. Vorsitzender Richter Walter Leupold spricht von einem "üblen Raubüberfall, wie man ihn in einem Schundroman kaum findet". Er, Richter Dr. Marco Heß und die Schöffen verurteilen den 40-Jährigen zu 11 Jahren Freiheitsstrafe. Die beiden anderen bekommen 9 Jahre und damit etwas weniger, weil sie die Polizei auf die Spur ihres Komplizen gebracht hatten.

Eigentlich, betont Leupold, wäre noch deutlich mehr vorstellbar gewesen. Dass es nicht dazu gekommen sei, hätten die drei allein ihren Verteidigern zu verdanken. Die hatten zu Beginn des Prozesses in einem Verständigungsgespräch niedrigere Strafen im Gegenzug zu umfassenden Geständnissen ausgehandelt.

Mit den Strafen hat sich die Kammer der Forderung von Staatsanwalt Christian Härtl angeschlossen. Der hatte erklärt, der 34- und der 44-Jährige hätten einen aufwendigen Lebensstil gepflegt - viele Partys, gelegentlich Koks -, den sie sich einfach nicht leisten konnten. Als dann die Schulden gewachsen seien, habe der Jüngere sich an die Familie aus Weiden erinnert, die mit seinem Vater befreundet ist und bei der er viel Geld vermutete. Um es zu bekommen, hätten die beiden den 40-Jährigen angeheuert. Ein mehrfach wegen Gewaltverbrechen vorbestrafter Türsteher, der nebenbei als Geldeintreiber arbeitete. Es könne auch keine Rede davon sein, dass sie das Geld ursprünglich ohne Gewalt herauspressen wollten. Schließlich hätten sie die drei Senioren im Haus sofort angegriffen. "Erst Schläge, dann die Frage nach dem Geld. Das war von Anfang an der Plan."

Die Angeklagten, alle drei Väter junger Kinder, hatten zwar ihre Beteiligung eingeräumt. Aber für den Großteil der Gewalttaten wollte keiner von ihnen verantwortlich sein. Franz Schlama und Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn, die Anwälte des 34- und des 44-Jährigen, erklären zudem, dass ihre Mandanten regelmäßig größere Mengen Kokain konsumiert hätten, selbst am Tag des Überfalls. Verteidiger Tobias Konze führt für den 40-Jährigen an, dass dieser eine schwere Kindheit hatte - schon der Vater sei kriminell und der Familie gegenüber gewalttätig gewesen.

Zweifel an Drogenproblem

Richter Leupold dagegen glaubt am Ende nicht an Drogenprobleme, da sich die Aussagen der Angeklagten vor Gericht und bei der Polizei widersprochen hätten. Ebenso wenig will er die Entschuldigungen des Trios gelten lassen. "Die habe ich eher als Belästigung für die Geschädigten gesehen." Wer drei Menschen "das schlimmste Martyrium ihres Lebens" bereite, könne sich doch nicht einfach so entschuldigen für "so eine üble Geschichte".

Tatsächlich beschäftigt die Weidener Familie anderes. "Wir leben dauernd in Angst", erklärt die damals 69-jährige Bewohnerin, die beim Überfall unter anderem einen Rippenbruch und mehrere Prellungen erlitt, nach dem Urteil. Aber, sagt sie, noch schlimmer dran sei eigentlich der Freund der Familie, der Vater des 34-Jährigen. Der müsse damit zurechtkommen, dass sein Sohn so etwas getan habe. Er tue ihr leid. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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