19.04.2018 - 18:14 Uhr
Oberpfalz

Urteil nach Überfall auf "Uhren Heinz" ist gefallen Bewährung für "Bubi-Räuber"

Juwelier Werner Schlegel hat "so ein Urteil erwartet", sagt er sibyllinisch, als er am Donnerstagnachmittag das Gericht verlässt. Als freie Männer treten kurz nach ihm die drei Jugendlichen an die Sonne, die sein Geschäft überfallen haben. Nur der 62-jährige Angeklagte bleibt in Haft.

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Sein Urteil: 4 Jahre 10 Monate wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Für die zwei 17-jährigen Täter verhängt die Jugendkammer unter Vorsitz von Reinhold Ströhle Jugendstrafen in Höhe von 1 Jahr 8 Monaten, für den 18-Jährigen 2 Jahre. Alle Strafen werden zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil entspricht den Forderungen von Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf, der nur für den Älteren mehr im Visier hatte (5 Jahre).

Das Jugendgerichtsgesetz sehe Schuld, Sühne und Abschreckung nicht vor, begründet Richter Ströhle die "maßvolle Jugendstrafe": "Darin geht es ausschließlich um die erzieherische Einwirkung." Ins Strafmaß spielt hinein, dass es beim Versuch blieb. Der "stümperhafte" Überfall wurde nach 20 Sekunden abgebrochen. Die jungen Festgenommenen waren geständig, leisteten teils umfangreiche Aufklärungsarbeit. Und es sei ja nicht so, als dass die drei Litauer "nach Hause gehen und gar nichts merken": Anders als im Gesetz vorgesehen verbrachten sie ihre U-Haft in Erwachsenen-Gefängnissen, was auch Anwalt Andreas Schätzler anmahnt. Sieben Monate lang. "Man kann davon ausgehen, dass dies zur Läuterung beiträgt", so Ströhle.

Siebenfach vorbestraft

Von den Jugendlichen hob sich von Anfang an der 62-Jährige ab. Er ist siebenfach vorbestraft und war mit falschem Pass unterwegs. Das Gericht sieht eine "etwas vorgesetzte Rolle", auch wenn er keiner der echten Hintermänner sei. Damit folgt die Kammer dem Eindruck von Verteidiger Franz Schlama: "Auch mein Mandant gehört in die Ebene der tatausführenden Dummen."

Der 62-Jährige legte am Donnerstagmorgen noch ein Last-Minute-Geständnis ab. Die Beweise wären ohnehin erdrückend gewesen: Er trug vor Gericht noch den gleichen grauen Strickpulli mit Flicken am Ellbogen. So sieht man ihn auf einem Überwachungsvideo der Jüdischen Gemeinde von gegenüber. Und auf dem Handyfoto eines Mannes, der gerade in der Ringstraße einzog und sein Fenster ausmaß, als die Räuber aus dem Juweliergeschäft stürzten.

Ein Kriminalhauptkommissar aus Weiden erläuterte am Vormittag noch Verbindungen zu einem Überfall in Aachen. Der 62-Jährige soll beteiligt gewesen sein. Außerdem ein 16-jähriger Litauer, der ausgesagt hat, von dem 18-jährigen Weidener Angeklagten angeworben worden zu sein. Der Kriminaler ist überzeugt: "Das ist eine größere Organisation, die nicht nur in der Bundesrepublik tätig ist, sondern in ganz Europa."

Die deutlichsten Worte findet Staatsanwalt Schnappauf: Die drei Jugendlichen seien vielleicht nicht die "Big-Bosse einer Verbrecherorganisation", aber auch nicht "arme, fehlgeleitete Geschöpfe": "Das sind nicht die Chorknaben, als die sie sich hier darstellen wollen." Es werde gezielt auf die Tränendrüse gedrückt. "Wir haben es hier mit einem äußerst brutalen Raubüberfall zu tun, mit nichts anderem."

Signal nach Litauen

Tobias Konze, Rechtsbeistand des Ehepaars, erhofft sich in seinem Plädoyer ein Signal nach Litauen: "Das ist nicht der einzige Überfall, für den Jugendliche geschickt werden, um dann billig davonzukommen." Deutschland müsse mit derartigen Straftätern hart umgehen. Er fordert für den 62-Jährigen eine erhebliche Haftstrafe, die drei Jugendlichen nimmt er aus. Auch er weiß: "Das Jugendstrafrecht richtet sich am Erziehungsgedanken aus." Das Urteil nennt er danach "akzeptabel".

"Haltet euch fern von diesen Leuten! Die schicken euch höchstens nochmal her", rät Anwalt Stephan Schultheis in seiner Schlussrede den jungen Männern. Das Urteil wird sofort rechtskräftig. Die drei fahren nach Verhandlungsende noch einmal in ihre Haftanstalten in Nürnberg, Amberg und Weiden, um zu packen. Die Mutter des Jüngsten, die seit Prozessbeginn in Weiden war, wollte noch am Donnerstagabend alle drei "aufklauben" und heimbringen.

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