02.11.2017 - 18:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verein "Dornrose" berät bei sexualisierter Gewalt Was folgt aus #metoo?

"#MeToo", zu deutsch: Ich auch. Dieses Kürzel posten immer mehr Frauen auf Facebook. Auch ich habe sexuelle Belästigung erfahren, sagen sie damit. "Doch was folgt daraus?", fragen die Mitarbeiter der Beratungsstelle "Dornrose".

Mit diesem Hashtag outen sich Opfer sexueller Belästigung in sozialen Netzen. Der Verein "Dornrose" hilft Betroffenen in der Region. Symbolbild: Britta Pedersen/dpa
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Blicke, Kommentare, Berührungen - von Fremden, Kollegen oder Verwandten. Sexuelle Belästigung kann ganz unterschiedlich ablaufen. Das zeigen die vielen Berichte von Frauen, die ihre Geschichte unter dem Kürzel "#MeToo" in den sozialen Medien erzählen. Dass so viele Frauen davon betroffen sind, dürfte nicht überraschen. Zumindest nicht die Mitarbeiterinnen des Weidener Vereins "Dornrose", Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Beraterin Karin Schmidt verweist auf eine ältere Studie des Bundesfamilienministeriums von 2004, die jedoch immer noch oft zitiert wird: 58,2 Prozent aller befragten Frauen haben sexuelle Belästigung erlebt.

",Aber was folgt aus dieser Kampagne?', ist die Frage", sagt Schmidt. "Welche Hilfe wird es für die Frauen geben?" Der Verein betreut die Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN und Weiden. 2016 bearbeiteten die Mitarbeiterinnen 171 Fälle, führten 543 Beratungsgespräche. Folgt man den Zahlen des Familienministeriums, gibt es in ihrem Gebiet tausendfach mehr Opfer. Doch mehr könnten die Mitarbeiterinnen vermutlich auch nicht abdecken. Bei "Dornrose" arbeiten zwei Sozialarbeiterinnen in Teilzeit. Ein anderer Grund, warum sich wenige Frauen an Beratungsstellen wenden: Sie trauen sich nicht, empfinden Scham oder wissen nicht, ob sie das Erlebte als sexuelle Belästigung bezeichnen können. "Sexualisierte Gewalt findet oft schleichend statt", erklärt Schmid. Sie nennt ein Beispiel: "Da kommt ein Vorgesetzter vorbei, berührt scheinbar zufällig die Frau. Dann betatscht er, bedrängt sie." Auch eine Anzeige sei schwierig. Oft stehe Aussage gegen Aussage.

Schmidt hofft, dass die "#MeToo"-Kampagne praktische Folgen hat, etwa einen höheren Betreuungsschlüssel, mehr Mitarbeiter für Beratungsstellen. Sie weist auch auf ein Thema hin, das von der Politik noch völlig außer Acht gelassen wird: "Soziale Medien sind ein riesiges Problem." Sei es durch Belästigung in Chatrooms oder den Zugang zur pornographischen Inhalten. "Im Endeffekt gibt es dagegen keine schützende Gesetzgebung." Das betreffe alle Altersstufen. "Sexualisierte Gewalt fängt im Babyalter an."

Ansprechpartner

Dornrose e.V.: Beratungs- und Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt und Frauennotruf, Goethestraße 7, Telefon: 0961/33099

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen", Telefon 08000/116016. Bundesweites Beratungsangebot, mit Dolmetschern, für alle Nationalitäten, mit und ohne Behinderung - 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. (blu)

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