16.02.2018 - 16:06 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Verein "Hoffnung für Menschen" hilft in Indien Kinderlachen größter Dank

Ihre Patenkinder Vanitha und Rasathi in Indien sind mittlerweile 17 und 24 Jahre alt und besuchen ein College. Wenn sie mal heiraten, dann hofft Angelika Taube, dass sie zur Hochzeit eingeladen wird. "Das würde mich sehr stolz machen."

Investition in die Gesundheitsvorsorge: Sauberes Wasser sichert das Überleben. Für rund 20 000 Euro will der Verein eine neue Filteranlage bauen. Bild: exb
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Erst vor knapp vier Wochen konnte die Pleysteinerin "ihre Mädchen" wieder in die Arme schließen. Dafür flog sie viele tausende Kilometer weit nach Südindien in die Region Tamil Nadu. Dort unterstützt der Verein "Hoffnung für Menschen" seit 14 Jahren notleidende Witwen und Waisenkinder. Taube ist stellvertretende Vorsitzende. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden, Thomas Ebnet aus Waldthurn, und 20 weiteren Mitgliedern hatte sich die Gruppe im Januar wieder einmal nach Indien aufgemacht.

"Wir haben schon eine Warteliste, so groß ist das Interesse," erzählt Taube im Gespräch. In diesem Jahr flogen neun neue Paten mit. Das Alter reicht von 25 bis 65 Jahren. Die Reisekosten trägt jeder selbst.

Familiäres Umfeld

Der Verein, der mittlerweile 230 Mitglieder zählt, unterstützt mithilfe von sechs indischen Geistlichen vor Ort verschiedene Projekte. So zum Beispiel das Waisenhaus Kurusady mit 200 Kindern und drei Kinderdörfer mit insgesamt elf Häusern. Hier leben nach dem Vorbild der SOS-Kinderdörfer je eine Mutter mit bis zu acht Waisen in einer "Familie". "Uns ist wichtig, dass die Kinder in einem familiären Umfeld aufwachsen und die Möglichkeit einer Ausbildung erhalten, so dass sie später auf eigenen Füßen stehen können." Aktuell suchen 20 Familien einen Paten. "Das letzte Unwetter im November 2017 hat allein in einem einzigen Dorf 40 Männer das Leben gekostet. Zurück bleiben Witwen und Waisen, denen das Leben schwer gemacht wird. Traditionell tragen in Indien die Frauen die Schuld, wenn ihre Männer weg sind. Im Dorf werden sie meist gemieden," sagen Taube und Ebnet.

Bereits für 100 Euro im Jahr können Kinderpatenschaften übernommen werden, für 240 Euro gibt es Familienpatenschaften und mit 360 Euro können Interessenten eine Kinderdorfpatenschaft unterstützen - regelmäßiger Kontakt inklusive. "Uns ist wichtig, dass die Paten ihre Schützlinge persönlich kennenlernen", sagt der Vorsitzende. So könnten die Spender auch sehen, wie ihre Gelder Verwendung finden ("Der indische Staat kontrolliert alles."). Dabei gehe es nicht nur um Ausbildungskosten für die Mädchen und Buben in den Kinderdörfern, sondern auch für das Waisenhaus, für ein Heim für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche oder für Projekte zur Existenzgründung. Großer Wert werde auf den Aspekt "Hilfe zur Selbsthilfe" gelegt.

Gänsehautmomente

"Bei Existenzgründungen greifen wir am Anfang unter die Arme, das Geschäft am Laufen halten müssen die Frauen dann selbst. Da gibt es einige positive Beispiele", erzählt Thomas Ebnet. "Eine Witwe füllt zum Beispiel leere Druckerpatronen wieder auf, eine andere kauft gebrauchte Kleidung beim Großhandel auf und geht damit hausieren, eine weitere führt einen kleinen Gemüseladen." Viele der Schicksale bewegen die Helfer auch noch nach Jahren. So erzählte eine junge Frau beim Patentreffen, dass sie sich umbringen wollte. Gerettet hat sie schließlich eine Milchkuh, deren Milchverkauf ihr heute den Lebensunterhalt sichert. "Das sind Momente, in denen ich Gänsehaut bekomme", sagt Ebnet.

Die Dankbarkeit der Betroffenen gibt allen Helfern Kraft. Auch Angelika Taube sagt: "Ich tanke meine Kraft regelmäßig bei den Reisen nach Indien auf." Die Herzlichkeit der Menschen, die strahlenden Kinderaugen und das faszinierende Land seien Lohn für all die Mühe und helfen, das gesehene Leid zu verarbeiten. Bei der Reise im Januar besuchte die Gruppe ein Altenheim, in dem auch Behinderte leben. "Das Haus war so voll belegt, dass die Bewohner zwischen den Betten auf dem Boden schliefen. Von den hygienischen Verhältnissen ganz zu schweigen." Dringend benötigt werde ein weiteres Gebäude und ein Speisesaal. 15 000 Euro soll das Projekt kosten, das der Verein nun unterstützen möchte.

Über 1000 Menschen hilft "Hoffnung für Menschen" aktuell. Ans Aufhören denken Ebnet und Taube noch lange nicht, auch wenn das Engagement zeitaufwendig sei. Stattdessen planen sie bereits die nächste Indienreise. "Wir sind natürlich wieder mit dabei."

Benefizkonzerte

Die Erlöse aus zwei Benefizveranstaltungen kommen dem Verein "Hoffnung für Menschen" zugute: Am Samstag, 24. März, singt um 19 Uhr der Teeniechor Schirmitz in der Stadthalle Vohenstrauß. Eintritt frei! Spenden erbeten. Am Sonntag, 22. April, findet um 10 Uhr ein musikalischer Frühschoppen mit der Jazz-Band "Blue Note Project" (Dr. Kiehl) im "Schafferhof" in Neuhaus statt. Nähere Informationen unter: www.schafferhof-zoigl.de (shl)

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