Verein Weißrusslandhilfe steht vor dem "Aus"
Keine Großtaten mehr für Kleine

Auch eine Misswahl stand bei der Rehabilitationsmaßnahme für chronisch kranke Kinder und Jugendliche in Minsk auf dem Programm. Neben Unterricht, Physiotherapie, Sport und gesunder Ernährung gab es auch einige unterhaltsame Angebote für die Teens. Bilder: hfz (3)
 
Dr. Harry Nomayo mit der kleinen Polina, die er 1995 im Waisenhaus Nr. 1 in Minsk entdeckte. Er holte sie für die schwierigen Operationen nach Deutschland und fand hier auch eine Adoptivfamilie für sie.

Polina und Wowa sind ihm besonders ans Herz gewachsen. Die beiden Kinder aus Belarus haben Dr. Harry Nomayo und der Weißrusslandhilfe e. V. ein neues Leben zu verdanken. Unzählige andere haben von der Hilfsorganisation profitiert. Zuletzt 14 chronisch kranke Kinder aus Wetka. Doch jetzt wird der Verein aufgelöst.

Aus gesundheitlichen Gründen kann Dr. Harry Nomayo, der 2010 als Leitender Oberarzt an der Weidener Kinderklinik in den Ruhestand trat, den Vorsitz des Vereins nicht länger übernehmen. Ein Nachfolger hat sich bisher nicht gefunden. Und so wird die Mitgliederversammlung am Donnerstag (19.30 Uhr im Sportheim Parkstein) wohl mit der Auflösung des Vereins enden. "Wir haben bereits bei der Versammlung im März versucht, einen neuen Vorstand zu wählen." Vergeblich. Aus dem Vorstand sieht sich keiner in der Lage, das Amt zu übernehmen. Sollten sich am Donnerstag nicht überraschend neue Kandidaten finden, bedeutet dies das "Aus".

Dabei hat der Verein in den gut 20 Jahren seines Bestehens Enormes geleistet. Im April 1996 erfolgte die Gründung. Bereits 1995 war der Kinderarzt das erste Mal privat nach Weißrussland gereist, damals noch mit der späteren Partnerorganisation aus Neunburg vorm Wald. Im Waisenheim Nr. 1 in Minsk entdeckte er die kleine Polina (6 Monate). Das Baby war aufgrund der Katastrophe von Tschernobyl mit schweren Behinderungen zur Welt gekommen. Sie litt unter anderem an einem offenen Rückenmarkskanal und Missbildungen am linken Bein. Das Bein musste amputiert werden.

Polina studiert jetzt

Dr. Nomayo holte das Kind nach Weiden. Der Verein Weißrusslandhilfe ermöglichte die nötigen Operationen. In der Adoptivfamilie Ullrich aus Wildenreuth fand die Kleine liebevolle Aufnahme. "Es geht ihr gut", freut sich Dr. Nomayo. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Spanien lebt die Familie seit 2014 wieder in Deutschland, in der Nähe von Freiburg. Polina ist jetzt 22 Jahre und absolviert ein Kunststudium.

Mit Hilfe der Weißrusslandhilfe und vieler NT-Leser erlebte auch Wladimir Aksjanow - genannt Wowa - eine Erfolgsgeschichte. Als Sechsjähriger kam der Bub das erste Mal zur Operation nach Deutschland. Er hatte unter anderem ein herabhängendes Lied und sein Schädel war missgebildet. In den kommenden Jahren folgten drei weitere Operationen in der Bundesrepublik. Zuhause in Belarus hat Wowa mittlerweile eine Ausbildung für Behinderte absolviert. "Gesundheitlich geht es ihm gut", weiß Dr. Nomayo. Eine Anstellung hat der 21-Jährige aktuell nicht. "Er erhält eine Art Rente für Tschernobyl-Geschädigte."

Die kleine Mascha und Arton waren weitere Kinder, denen die Weißrusslandhilfe zu Operationen bzw. Prothesen verholfen hat. Insgesamt hat der Verein knapp eine Million Euro an Spenden und medizinischen Hilfsgütern in das Katastrophengebiet vermittelt. Dialyse- und Ultraschallgeräte, vier Krankenwagen, Inkubatoren, Krankenhausbetten, Schulmöbel und Medikamente wurden bei den jährlichen Fahrten nach Belarus transportiert. Vieles davon lebensnotwendig für die Menschen in dem bis heute stark strahlenbelasteten Gebiet. Dazu Kleidung und Hilfsmittel des täglichen Bedarfs.

Die letzte Großtat der Weißrusslandhilfe: Ende Oktober/Anfang November ermöglichte sie 14 chronisch kranken Kindern und Jugendlichen aus dem Kreis Wetka eine dreiwöchige Rehabilitationsmaßnahme in Minsk. "Das Zentrum wird von einem deutschen Verein unterstützt, ist sehr gut organisiert und alle haben davon profitiert", weiß Dr. Nomayo aus dem Bericht der behandelnden Ärzte und Therapeuten.

"Fortsetzung wäre sinnvoll"

Bis heute kommen in Belarus aufgrund der Katastrophe von Tschernobyl missgebildete Kinder zur Welt. "Eine Fortsetzung unserer Hilfe wäre sinnvoll und notwendig gewesen." Doch der Verein steht vor dem "Aus". Dr. Nomayo: "Ich bedauere das sehr. Aber es geht nicht mehr."

Unser Restvermögen wird laut Satzung an die Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz gehen.Dr. Harry Nomayo
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