02.03.2018 - 20:20 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Verkaufszahlen sollen 2017 erstmals gesunken sein Trendwende bei der Homöopathie?

Weiden/Vohenstrauß/Berlin. (m/dpa) Die Umsätze mit homöopathischen Arzneimitteln sollen erstmals seit Jahren zurückgehen. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur dpa. Nach ihr vorliegenden Daten seien 2017 laut Schätzungen der Pharma-Marktforschungsfirma IQVA rund zwei Millionen Packungen weniger homöopathische Präparate verkauft worden als 2016. Das entspreche einem Minus von 3,6 Prozent.

Homöopathische Medikamente sollen nach Informationen der Deutschen Presseagentur erstmals einen Umsatzrückgang erleben. Bild: dpa
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Laut Marktforschungsinstitut "Insight Health", meldet dpa, seien die Absatzzahlen der zehn meistverkauften homöopathischen Präparate "alle am Sinken" und das große Wachstum der Branche sei "erst mal vorbei". Der Bund Deutscher Heilpraktiker verwies in einer Meldung auf seinem Portal "Heilpraktiker-Fakten" vom 12. Februar unter Bezug auf "aktuelle Zahlen" aus 2016 allerdings noch auf einen wachsenden Homöopathie-Markt. Der Bundesverband BAH erklärte der dpa auf Nachfrage, er könne angesichts der aktuellen Zahlen "keine Aussage bezüglich einer Trendwende zur Akzeptanz und Anwendung homöopathischer Arzneimittel treffen". Zahlen für 2017 habe der Bund Deutscher Heilpraktiker "noch nicht verarbeitet", hieß es.

Martin Wolf, Apotheker in Vohenstrauß, möchte sich ausdrücklich nicht in seiner Eigenschaft als Sprecher der Apotheker im Kreis Neustadt/WN sowie zweiter Bezirksvorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands äußern. Er trifft lediglich für sein eigenes Unternehmen eine Aussage: "Ich habe das Gefühl, dass es nicht weniger geworden ist."

Homöopathische Präparate würden in seinem Umfeld allerdings nur von höchstens 20 Prozent der Ärzte verschrieben. "Selbst die bedeutendste Herstellerfirma macht in unserer Apotheke weniger als 1 Prozent vom Umsatz aus", erklärt Wolf. Zumindest in Vohenstrauß "kaufen die meisten Patienten homöopathische Präparate von sich aus", berichtet Wolf. Dass einige Kassen die Kosten für die Alternativmedizin übernähmen, sei wohl teilweise auch ein Wettbewerbsvorteil.

Dr. Matthias Loew aus Weiden, stellvertretender Bezirksvorsitzender im Bayerischen Hausärzteverband, glaubt ebenfalls nicht an einen Rückgang beim Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln. Loew verschreibt homöopathische Kombinationspräparate bei Befindlichkeitsstörungen und Erkältungskrankheiten, jedoch keine Einzelsubstanzen: "Dafür müsste ich die Patienten eine ganze Stunde lang befragen, und das ist in einer Allgemeinpraxis nicht zu leisten." Erkrankungen wie Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt behandle er selbstverständlich nicht homöopathisch, betont der Allgemeinmediziner.

Während gesetzliche Krankenkassen eigentlich nur die Kosten anerkannt wirksamer Behandlungen erstatten dürfen, gibt es für die Homöopathie und ähnliche Therapierichtungen gesetzliche Sonderregeln: Anders als bei Arzneimitteln üblicherweise erforderlich wird ihre Wirksamkeit nicht in anspruchsvollen Studien geprüft.

Apotheker Wolf glaubt an die Wirksamkeit der Homöopathie, "aber das ist innerhalb der Apothekerschaft total unterschiedlich". Er selbst habe sich vom Skeptiker zum Befürworter gewandelt, als er nach dem Studium in einer auf Homöopathie ausgerichteten Apotheke gearbeitet und dort erstaunliche Behandlungserfolge erlebt habe. "Und wer heilt, hat Recht", findet Wolf.

Dass der Nutzen der Homöopathie bislang nie eindeutig nachgewiesen wurde, ist für den Pharmazeuten "ein zweischneidiges Schwert: "Das große Manko ist, dass Studien nach wissenschaftlichem Standard fehlen, aber diese sind im Bereich der Homöopathie schwierig durchzuführen, da sie in Kliniken stattfinden und dort nicht homöopatisch behandelt wird."

Fehlende Studien sieht auch Loew als Problem. "Im Bereich der Homöopathie gibt es aber einfach zu viele kleine Hersteller, und deshalb ist es schwer, das zu finanzieren." Der Arzt sieht es "als öffentliche Aufgabe, eine derartige Studie zu finanzieren", wie das die AOK bereits für die Akupunktur getan habe.

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