Verkehr: Es kracht zwar seltener, trotzdem bleiben Gefahrenstellen
Wo Radler besonders aufpassen müssen

Es ist schon ein wenig unfair. Dass das Auto aus Deutschland stammt, weiß alle Welt. Dass auch das Fahrrad hier seine ersten Rollversuche hinter sich gebracht hat, ist nicht jedem bewusst.

1817 fuhr der Tüftler Karl Drais erstmals auf einer Laufmaschine (Draisine) durch Mannheim. Sie gilt als Vorläufer von Mountainbikes, Trekkingrädern und Co. Und die haben heute, 200 Jahre später, wohl mehr Zukunft als das Auto mit Verbrennungsmotor. Überhaupt boomt der Radsport, auch in Weiden. Was beispielsweise die Entwicklung des Radsportvereins VC Corona zeigt, der in den letzten zehn Jahren seine Mitgliederzahl mehr als verdoppelt hat.

Für uns ist der Geburtstag Anlass, dem Rad zu gratulieren, auf der sich auch ein paar gute Gründe finden, sich auf den Sattel zu schwingen. Passend dazu liefert die Polizei ein paar schöne Fakten. So ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrern in Weiden in den vergangenen zehn Jahren zumindest tendenziell gesunken. Waren es 2006, 2007 und 2009 je mehr als 80, gab es 2015 etwas weniger, nämlich 70 Unfälle. 2013 und 2014 zählte die Polizei sogar "nur" knapp über 60.


Oft selbst verantwortlich

Wenn es scheppert, dann tragen die Radfahrer allerdings oft selbst die Verantwortung. In etwa 70 Prozent gelten sie als Haupt- oder Mitverursacher. Zu den häufigsten Gründen für Unfälle zählt, dass die Radler Fahrradwege oder - noch öfter - Gehwege entgegen der Fahrtrichtung benutzt haben. Immerhin ist seit 2011 kein Radfahrer mehr in Weiden bei einem Unfall ums Leben gekommen. Allerdings gab es seither jährlich zwischen 10 und 14 Schwerverletzte. Bleibende Verletzungen, so die Erfahrung der Polizei, erleiden dabei zum weit überwiegenden Teil Fahrer, die ohne Helm unterwegs waren.

Zu den Stellen, an denen es am häufigsten kracht, gehört der Adolf-Kolping-Platz (siehe Grafik). Allerdings gibt es hier eine gute Nachricht für Radfahrer: In diesem Jahr geht das Tiefbauamt die komplette Umgestaltung des Kreuzungsbereichs dort an, der dadurch barrierefrei und fahrradfreundlicher werden soll. Unter anderem werden eigene Fahrspuren - auch zum Abbiegen - für Radler markiert. Daneben gibt es für Radfahrer künftig nach vorne versetzte Haltelinien an den Ampeln, damit Autofahrer sie besser sehen. Sollte eine der heikelsten Stellen für Radfahrer dadurch entschärft werden - es wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Schlechte Zeiten für Langfinger



Fahrraddiebstähle gehören zwar immer noch zum Alltag in Weiden. Ihre Zahl ist allerdings deutlich zurückgegangen. Von 2007 bis 2011 registrierte die Polizei zwischen 213 und 278 Fälle pro Jahr. Von 2012 bis 2015 waren es zwischen 136 und 170. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote stark angestiegen. Bis zum Jahr 2009 pendelte sie zwischen 12 und 6,4 Prozent. Seither stieg sie - auf bis zu 34 Prozent 2014 und zuletzt immer noch 25,3 Prozent 2015. Die Gründe dürften vielfältig sein. Unter anderem gibt es seit 2011 bei der Polizeiinspektion einen Beamten, der sich vorwiegend mit Fahrraddiebstählen beschäftigt. Allerdings: Wenn Räder gestohlen werden, erwischte es zuletzt eher hochwertige. Die rund 170 verschwundenen Räder 2015 hatten einen Wert von 127 000 Euro. Zum Vergleich: Die 238 Räder 2009 waren an die 97 000 Euro wert. Die Beamten raten deshalb, auch Geld für gute Schlösser auszugeben (Faustregel: 5 bis 10 Prozent des Fahrradpreises) und Räder am besten an festen Gegenständen anzusperren. Letzteres gilt auch für zu Hause, schließlich verschwinden Räder oft auch aus Kellerabteilen usw. Daneben appelliert die Polizei, sich einen Fahrradpass zuzulegen oder wichtige Daten (Rahmennummer, Ausstattung, Foto, Rechnung) zumindest anderweitig zu sichern.


Interview: Gesund, ganz nebenbei Fortbewegen mit Nebenwirkungen - und zwar mit positiven. Gesundheitliche Vorteile des Radfahrens erklärt Sportmediziner Dr. Günter Opel.

Herr Dr. Opel, angenommen, ich verzichte künftig aufs Auto und radel zur Arbeit. Sagen wir: 15 Minuten hin, 15 zurück. Hätte ich da schon gesundheitliche Vorteile?

Dr. Günter Opel: Sehr viele sogar. Sie bewegen gelenkschonend viele Muskeln und haben gleichzeitig ein Herz-Kreislauf-Training. Dafür sind auch schon kleine Einheiten effektiv. Sie trainieren außerdem Ihre Arme, die ständig unter Anspannung stehen. Es hilft der Kondition und der Konzentration, weil Sie ja auf den Weg achten müssen. Und Sie werden in der Früh sogar wacher, falls Sie Morgenmuffel sind. Dabei wäre es noch nicht einmal so wichtig, ob Sie schnell oder langsam unterwegs sind. Die Strecke, über die Sie ihr Gewicht bewegen müssen, bleibt ja dieselbe. Aus medizinischer Sicht gilt sowieso: Jeder Meter zählt.

Würde der Arbeitsweg für mich als Bewegung schon reichen?

Das kommt darauf an, welche Ziele Sie haben. Wenn Sie nicht gerade größere Touren oder gleich eine Alpen-Überquerung planen, reichen für Otto Normalverbraucher zwei bis drei Stunden pro Woche. Da hätten Sie schon mal eine gute Basis. Nur wenn Sie ihren Kreislauf richtig in Schwung bringen wollen, werden Sie das im Weidener Berufsverkehr kaum schaffen. Dafür könnten Sie am Wochenende vielleicht noch ein bis zwei Stunden dranhängen, in denen Sie schnell oder in anspruchsvollerem Terrain fahren.

Was sollte ich beachten, bevor ich mit dem Radfahren anfange?
Nicht viel. Bei Nackenproblemen sollten Sie wegen der Haltung eher kein Rennrad oder Mountainbike fahren, sondern ein City- oder ein Holland-Rad, bei dem Sie aufrechter sitzen. Aufwärmen müssen Sie sich für die tägliche Fahrt zur Arbeit nicht. Nur wenn sie anspruchsvollere Touren machen, sollten Sie sich vorher dehnen - aber auch danach.

Gibt es Gruppen, die aufs Radeln verzichten sollten? Zum Beispiel Menschen mit Herzproblemen?
In solchen Fällen sollte man vorher ein Belastungs-EKG machen. Aber ansonsten wird Radfahren ja durchaus in Reha oder Prävention empfohlen. Das kann also auch für solche Gruppen sogar sehr positiv sein.

Winterfest oder Winterschlaf: Tipps vom Profi

Nässe, Kälte, Salz: Während manche auch den Winter über weiterstrampeln, lassen andere ihr Rad in der kalten Jahreszeit lieber stehen. Egal, für was man sich entscheidet, es gibt Kniffe, um das Gefährt im Winter zu schonen. Welche, das erklärt Horst Schönfelder, Ausbilder beim gemeinnützigen Projekt "Radl-Checker".

Wer das Rad den Winter über stehen lassen will, sollte:
Es zuvor gründlich reinigen. Zink und Chromteile konservieren (etwa mit einem Konservierungsspray). Laufräder und Bremsen überprüfen. Das Rad in einem trockenen Raum überwintern. Reifendruck um ein Drittel verringern. Wenn möglich, das Fahrrad hängend aufbewahren, um die Bereifung zu entlasten.

Wer das Rad den Winter über benutzen will, sollte:
Beleuchtung prüfen (auch Reflektoren). Kette und Schaltteile regelmäßig reinigen und schmieren. Überhaupt alle beweglichen Teile am Fahrrad schmieren. Zink und Chromteile konservieren (etwa mit einem Konservierungsspray). Reifen auf Risse, geringe Profiltiefe und Luftdruck prüfen. Bremsen auf Verschleiß und Funktion prüfen. Brems- und Schaltseile auf Leichtgängigkeit prüfen und eventuell schmieren (Teflonspray).

Drei Wünsche fürs Zweirad in Weiden

Peter Ehrenhuber, zweiter Vorsitzender des VC Corona, konstatiert zwar einige Verbesserungen für Radler in Weiden. Gerade wenn er mit seinen Kindern unterwegs ist, sehe er aber noch Ansatzpunkte. Bessere Verbindungen zwischen den Stadtteilen etwa. Durchgehende Radwege fehlten da mitunter. Gerade im Berufsverkehr fühle er sich unwohl, wenn er mit Kindern auf Strecken fahre, auf denen es für Radfahrer keine klaren Abgrenzungen gebe. Umgekehrt lobt er das Fernwegenetz für Radfahrer in der Region.

Wenn Pfarrer Hans-Martin Meuß radelt, dann mit Helm und Anhänger samt Fahne. Letzterer habe ihn mehrfach gerettet. Er werde so besser gesehen, außerdem schnitten ihn Autos nicht hinten.

Gefährlich sei Radfahren in Weiden teils auch so schon. Etwa fehle ein durchgehender Radweg zwischen Witt-Platz, am Bahnhof entlang hin zum Kreisverkehr beim Obi. Gleiches gilt in der Frauenrichter Straße.

Immer wieder werde es brenzlig, weil die Autos zu nah an den Radfahrern vorbeibrausten. Positiv sei, dass in der Fußgängerzone inzwischen mehr Rücksicht herrsche. Ausnahme sei die Polizei, die hier "regelmäßig zu schnell" fahre.



Zur Stammstrecke des radelnden NT-Redakteurs Volker Klitzing gehört die Sebastianstraße. Stadteinwärts gebe es kurz vor dem Augustinus-Gymnasium auf wenigen Metern drei Gefahrenstellen: Ausfahrt Klinik-Tiefgarage, Ende Radweg und sofort Beginn ausgewiesener Parkplätze. Zu Schulschluss parkten obendrein manche Eltern ihre Autos auf dem Radweg.

Radler, die sich in dieser Gemengelage auf die reguläre Straße einordnen müssen, könnten sich mulmig fühlen. Klitzings Idee: den Radweg früher enden lassen - an der Abzweigung zur Gabelsberger Straße. Wenn sich die Radler da schon auf der Straße einordnen, würden Autofahrer sie schon vor den Gefahrenstellen sehen.

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