Viel Musik, wenig Seele: "Nacht der Musicals" in der Max-Reger-Halle
Durch das Musical-Labyrinth

Aladin fliegt mit seiner Prinzessin auf dem Teppich davon. Bild: Kunz

"Die Nacht der Musicals" in der Max-Reger-Halle hält, was sie verspricht: einen zweieinhalbstündigen, rasanten Schnelldurchlauf durch fast 50 Jahre Musical-Geschichte. 700 Zuschauer klatschen Beifall. Viel Abwechslung, Musik und Tanz - doch wenig Seele.

Die Protagonisten bemühen sich, die Highlights aus den bekanntesten Musicals eindrucksvoll und stimmungsstark zu präsentieren. Der glamouröse Transvestit "Frank'N'Furter" aus der "Rocky Horror Show" steigt sogar von der Bühne herab und flirtet mit dem Publikum. Vorher sang er "Sweet Transvestite". Jetzt wartet alles auf den berühmten "Time Warp". Leider Fehlanzeige. Dafür gibt es "Mamma Mia" bis zum Abwinken. Ein Simba aus "Der König der Löwen", interpretiert mit "Er lebt in Dir" eher eine B-Nummer. Eine Nana besingt das "Schattenland". Wo aber bleiben die Hits, die in die Ohren gehen, Gassenhauer wie "Der ewige Kreis" oder "Hakuna Matata"? Oder ein Duett der beiden Liebeslöwen? Warum nuschelt Udo nicht, wenn es doch "Hinterm Horizont" immer weiter geht. Aber so ist es nun mal bei einem Potpourri. Man muss nehmen, was kommt.

Da freut man sich auf Musical-Gefühle, legt die Messlatte ziemlich hoch und muss feststellen, dass die Erwartungshaltung über weite Strecken zwar durchaus erfüllt wird, dass aber das I-Tüpfelchen eines Originals einfach fehlt. Beispiel: Das "Rocky"-Medley mit "Eye of the Tiger" und "Fight from my Heart" ist handwerklich ganz ordentlich gemacht. Wer aber wirklich am Boxring sitzen will, wer im Schlussfight die blitzenden Schlägen gegen Apollos Kopf hautnah miterleben will, der muss auf Reisen gehen und sich Karten für das ganze Musical leisten.

Eine reizende "Cat" mit "Memory", ein "Phantom der Oper" und die "Totale Finsternis" beim "Tanz der Vampire". Aus dem Gefrierfach: "Frozen". Und ein kuscheliger "Aladdin", einfach zum Teppichklopfen und Abheben. Dann großes Kino beim "Elisabeth"-Duett "Wenn ich tanzen will". Auch Unheilig wird bedient. Aus seiner Feder stammt "Geboren um zu leben". Der kurzweilige Abend ist ein netter Zeitvertreib für alle, die sich durch das Labyrinth der Musical-Szene begleiten lassen wollen.
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