27.02.2018 - 18:57 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Von Freitag bis Dienstag 107 weitere Fälle Influenzawelle rollt weiter

Noch am Freitag hoffte Dr. Thomas Holtmeier vom Gesundheitsamt, die Grippewelle hätte mit 301 Neuinfektionen in der Woche ihren Höhepunkt erreicht. Doch es kommt anders. Die Zahl der Erkrankten steigt weiter: Allein bis Dienstagmittag verzeichnet das Amt 107 weitere Fälle von Influenza.

von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Und dieser Wert hat es in sich. Über das Wochenende schnellte er derart in die Höhe, dass er sogar am Wert der ersten Februarwoche kratzt. Ein Kratzen, das verspüren aktuell auch viele im Hals. Wo dann noch hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein mattes Krankheitsgefühl dazukommen, ist die Influenza nicht mehr weit.

Das Wartezimmer der Weidener Allgemeinärztin Dr. Margarete Marbach ist voll: "Ich muss ganz ehrlich sagen, auch geimpfte Patienten kommen mit Grippe zu uns. Meist haben diese aber nicht so schlimme Beschwerden." Sie plädiert an die Weidener: "Am besten streicht man sich schon jetzt die erste Grippe-Impfung für kommenden September rot im Kalender an." Denn: Eine nachträgliche Impfung hält sie gerade nicht für sinnvoll. "Der Impfstoff braucht zwei bis drei Wochen, bis er Wirkung zeigt." Bis dahin, so hofft die Ärztin, sollte die schlimmste Influenza-Zeit überstanden sein.

Die Situation am Klinikum ist kritisch - so kritisch, dass Dr. Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, Besuchern empfiehlt, lieber zu Hause zu bleiben. Seit Anfang des Jahres wurden mehr als 300 Patienten stationär behandelt, derzeit hat das Krankenhaus rund 45 Grippekranke in seiner Obhut. Ein Großteil davon sei auf einer Isolierstation untergebracht, so informiert Michael Reindl, Pressesprecher der Kliniken AG. Auch vor dem Personal macht die Grippe keinen Halt. Deshalb helfen aktuell Krankenpflege-Schüler und Verwaltungsmitarbeiter mit Pflegeerfahrung dabei, die Versorgung aufrecht zu erhalten. "Dass wir hervorragendes Personal haben, ist uns bekannt. Was all unsere Mitarbeiter derzeit leisten, ist sensationell", sagt Dr. Egginger.

Der OP: fast menschenleer. "Wir führen derzeit überwiegend Notfall- und Tumor-Operationen durch", erklärt Dr. Egginger. Alle anderen Operationen seien verschoben worden. Aktuell würde jede freie Hand zur Bewältigung der Influenza-Fälle benötigt. Dr. Egginger bittet Besucher um Händedesinfektion und das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes in der Notaufnahme. Privat gilt: "Hände waschen, in die Armbeuge niesen und Ingwertee trinken", wie Dr. Margarete Marbach rät. Das stärke das Immunsystem, bis die Grippewelle vorbei sei.

Der weitere Verlauf sei schwer einschätzbar, sagt Dr. Johannes Weig vom Gesundheitsamt. Er geht aber mittlerweile davon aus, dass die Zahlen in dieser Woche unverändert hoch bleiben werden. Im vergangenen Jahr ebbte die Welle in Kalenderwoche 9 auf 38 Fälle ab. Doch ein Ende der Grippewelle ist heuer noch nicht in Sicht. Angemerkt

Dreifach- oder Vierfach-Impfung?

"Die meisten unserer Grippe-Tests diagnostizierten Influenza B", erinnert sich Dr. Margarete Marbach, Allgemeinärztin. Das Problem daran: Der Dreifach-Impfstoff, der von gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, schützt vor zwei verschiedenen A- und einem B-Virus. Die Vierfach-Impfung für Privatversicherte dagegen zusätzlich vor einem B-Virus. "Ich wünsche mir, dass der Vierfach-Impfstoff zum Standard wird - am besten schon nächstes Jahr." Denn aktuell habe sie nur den Dreifach-Impfstoff in der Praxis vorrätig. Die andere Impfung werde lediglich auf Rezept verschrieben. (olr)

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