01.09.2012 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vor 30 Jahren tötete ein Schuss ins Herz den Nachtclubkönig Walter Klankermeier

"Das ist wie ein Stachel im Fleisch", sagt Anwalt Dr. Burkhard Schulze. 30 Jahre ist es her, dass eine Preiselbeersammlerin im August 1982 in einem Waldstück bei Bechtsrieth die bereits stark verweste Leiche des legendären Nachtclubkönigs Walter Klankermeier gefunden hat. Wer den Millionär mit einem Schuss ins Herz getötet hat, ist bis heute unklar. Dr. Schulze war Klankermeiers Hausanwalt, später sein Testamentsvollstrecker. Sein Blick fällt auf den dicken Ordner mit Zeitungsausschnitten vor ihm. Dann sprudeln die Erinnerungen.

Zu Lebzeiten wusste nahezu jeder in Weiden - und auch in den Rotlichtmilieus der deutschen Großstädte -, wer Walter Klankermeier war. Unklar aber ist bis heute, 30 Jahre nach dem Fund seiner Leiche unter Reisig im Wald zwischen Schirmitz und Bechtsrieth, wer den Nachtclubkönig einst mit einem Pistolenschuss ins Herz getötet hat.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Zum Beispiel denkt er an die Nacht im Juni zurück, in der Walter Klankermeier spurlos verschwand: "Die Straßen waren menschenleer. Alle saßen vor den Fernsehern. Die Fußballweltmeisterschaft hatte gerade begonnen." Es war der 14. Juni 1982, als eine Zeugin Klankermeier das letzte Mal gesehen haben will: Er sei mit einem Unbekannten herumspaziert. Der Begleiter konnte nie ermittelt werden.

"Ich ahnte gleich, dass da etwas passiert sein musste", sagt Dr. Schulze. Ein Blick in die Luxus-Wohnung Klankermeiers oberhalb seiner Discothek in der Judengasse 4 genügte dem damaligen Hausanwalt: "Da lagen die Tageseinnahmen offen herum. Viele Scheine. Vermutlich so um die 1800 Mark." Dr. Schulze ging mit seiner Vermutung an die Öffentlichkeit. Dennoch behandelte die Polizei den "stillen Abgang des Walter K.", so titelte "Der neue Tag" damals, weiter als Vermisstenfall. Sie ließ den Nachtclubkönig sogar in Chicago, seiner alten Heimat, suchen. Das Amtsgericht bestellte derweil Dr. Schulze zum Abwesenheitspfleger. Die diversen Lokale, Discotheken und Strip-Etablissements, wollten gemanagt werden. Nach acht Wochen endete mit dem Leichenfund in der "Gaislohe", einem Waldstück zwischen Bechtsrieth und Schirmitz, die Ungewissheit - und es begann ein bundesweiter Medien-Rummel.

Hinrichtung im Wald

Kein Wunder. "Diese Geschichte hatte einfach alles", sagt Dr. Schulze. Ein Metzgerlehrling, der aus Augsburg über Chicago ins beschauliche Weiden kam, "und hier das Nachtleben salonfähig machte". Aber auch provozierte. Gar Geschlechtsverkehr auf der Bühne gab es in seinen Lokalen zu sehen, bis die Konzession zeitweise futsch war. Das beschauliche Weiden geriet bundesweit als Sündenpfuhl in die Schlagzeilen. Viele regten sich auf, kaum einer wollte es aber mit eigenen Augen gesehen haben.

Dann die Hinrichtung im Wald. Ein Schuss ins Herz. Und als Haupterbin setzte Klankermeier schließlich nicht die Mutter oder Schwester ein. Nein, der Nachtclubkönig hat ausgerechnet eine evangelische Pfarrerstochter im zarten Alter von 18 Jahren bedacht, die er im Reitstall am Schwedentisch kennengelernt und aus der Ferne vergöttert haben soll.

Pfarrerstochter erbt

Dr. Schulze vollstreckte das Testament. "Klankermeier hatte es auf einem Quittungsblock niedergeschrieben." Geerbt hätten allerdings gerne mehr, erinnert sich Dr. Schulze und erzählt: "Ganze Berge von Testamenten sind da von Verflossenen aufgetaucht." Zu holen war ja genug. Allein die vielen Immobilien in Weiden, die Luxus-Autos, die 30 000 Mark teure Rolex-Uhr und, und, und. Wäre da nicht das Finanzamt gewesen, das aus der Erbmasse konsequent Schulden eingefordert hat, gibt der Anwalt zu bedenken. Dennoch sei die Erbin, die noch heute in Weiden lebt und der einst vor allem der bundesweite Presse-Klatsch sehr zu schaffen gemacht hat, "nicht ganz leer ausgegangen", sagt Dr. Schulze vage.
Vage und vor allem spärlich fielen auch die Hinweise zu dem Verbrechen aus. Immer öfter war die Rede von eiskalten Auftragskillern. "Es gab viel Konkurrenz", weiß Dr. Schulze. Klankermeier, 1,71 Meter groß und um die 74 Kilogramm schwer, ein Nicht-Raucher, Anti-Alkoholiker, Besitzer zweier heiß geliebter Pferde und ein Mann mit privatem Fitness-Studio, galt als knallharter Geschäftsmann mit Verbindungen ins Rotlichtmilieu sämtlicher deutscher Großstädte sowie ins Ausland.

"Das war definitiv kein Raubmord", meint auch Dr. Schulze. Er spricht von Profikillern. Und er hofft, dass der Fall doch noch irgendwie geklärt werden kann. Einen entscheidenden Hinweis gab es bislang noch nicht. Trotz diverser Fernsehbeiträge über den Klankermeier-Mord, die noch immer auf Privatsendern des nachts über den Fernsehschirm flimmern. "Nach jeder Wiederholung werde ich wieder darauf angesprochen", weiß Dr. Schulze. Er selbst kam damals bei den Dreharbeiten 2003 in einer Sendung zu Wort. Zur Aufklärung der Bluttat hat der Fernsehbeitrag allerdings auch nicht geführt. Trotz der vom Landeskriminalamt ausgelobten 5000 Euro Belohnung für Hinweise. Nur ein weiteres Detail offenbarte sich: Bevor die Pistolenkugel Klankermeiers Herz durchbohrte, ist er gefoltert worden. Zahlreiche Rippenbrüche würden dies zeigen, heißt es in dem Film.
Dr. Schulze aber will mehr wissen: "Vielleicht schlummern auf der Kleidung Klankermeiers in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft noch DNA-Spuren, die mit der heutigen Technik ausgewertet werden können. Im Fall Sedlmayer hat ein Haar genügt, um den Mörder zu überführen."

Im Fall Klankermeier gestaltet sich die Sache schwieriger, weiß Polizeisprecher Michael Rebele vom Präsidium Oberpfalz. "Selbstverständlich sind die vorhandenen Asservate zum Mordfall Klankermeier mit allen über die Jahre geschaffenen beziehungsweise verfeinerten Möglichkeiten im Hinblick auf die Täter-Ermittlung überprüft worden. Bisher leider ohne Erfolg." Aktuelle Erkenntnisse habe das Kommissariat 1 der Kriminalpolizei Weiden bislang auch nicht. Den Spekulationen, es hätte sich um einen Auftragsmord von Profikillern gehandelt, will sich die Polizei dabei nicht anschließen. "Die Ermittlungen sind, was das Motiv betrifft, völlig offen und breit gestreut." Übrigens: Immer wieder mal würden neue Hinweise zu dem Fall eingehen. Auch die Belohnung über 5000 Euro, die das Landeskriminalamt für sachdienliche Hinweise ausgelobt hat, gibt es weiter.

Gewissenskonflikt

Also wartet Dr. Schulze und hofft auf die Klärung des Mordfalls. Allerdings weniger durch einen entscheidenden Tipp. Vielmehr setzt der Anwalt auf den Mörder selbst: "Vielleicht will er auf dem Sterbebett sein Gewissen erleichtern."

 

 

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