08.12.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vortrag: Tipps zum Umgang mit Demenz Demenz besser verstehen

Weil immer mehr Menschen ins hohe Alter kommen, wächst auch die Zahl der Demenzkranken. Besondere Probleme ergeben sich, wenn diese in den Regelstationen der Krankenhäuser behandelt werden müssen. Hier gibt es Handlungsbedarf.

Daniela Jenke ist Expertin im Umgang mit Demenzkranken. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

"Wir brauchen neue Grundkonzepte für Demenzkranke", fordert Daniela Jenke, Leiterin des Hauses St. Laurentius Eschenbach bei ihrem Vortrag. Das ehemalige Krankenhaus Eschenbach habe sich speziell auf die Behandlung von Demenzkranken spezialisiert. Kämen diese wegen eines zusätzlichen Leidens in Regelstationen der Krankenhäuser, bedürften sie eines besonderen Verständnisses. Konflikte könne es dort "wegen der auf Effizienz getrimmten Arbeitsabläufe" geben, stellt Jenke fest. Im Haus St. Laurentius werde mit festen "Tagesstrukturen" gearbeitet. Diese würden zwar "mitgeschickt", könnten aber nicht immer umgesetzt werden.

Im Rahmen der "Initiative Demenz Partner" sollen alle Pflegekräfte, aber auch andere Berufsgruppen und vor allem die Angehörigen über den Umgang mit Demenzkranken geschult werden. Das Konzept werde am Klinikum Weiden in den kommenden Monaten erarbeitet. Zum Auftakt der Kampagne fand jetzt eine Informationsveranstaltung für Angehörige, Klinikpersonal und ehrenamtlich Engagierte statt. Dabei trug Jenke erste Grundinformationen zum Umgang mit Demenzkranken vor. Leider werde Demenz noch viel zu oft als Folgeerscheinung anderer Krankheiten betrachtet, stellte sie fest und betonte: "Demenz ist eine eigenständige Krankheit."

"Man muss lernen, sich dem Demenzkranken anzupassen", empfiehlt Jenke. Kurze Sätze, deutliche Aussprache und wenig Dialekt seien angebracht. Würden die Kranken gebückt gehen, müsse man "auch gebückt auf Augenhöhe auftreten". So sei zum Beispiel der Satz "Ich komme später" keine gute Antwort, da die Kranken ja nicht wissen können, wann später sei.

Wichtig sei auch "Wertschätzung und Empathie". Angehörige würden oftmals an ihre Grenzen stoßen, auch im schwierigsten Problem: der Grundpflege. Die Expertenstandards müssten weg vom Pflegeproblem und hin zur "personenspezifischen Lebenssituation".

Demenzkranke lebten in ihrer eigenen Welt. Deswegen widersprach die Referentin auch einem Zuhörer, der der Meinung war, so wolle er nicht leben. Um die Situation von Demenzkranken besser verstehen zu können, wurde der Film "Der Tag der verschwundenen Handtasche" gezeigt. Er ist im Internet frei verfügbar und zeigt in erschütternder Form die Situation einer Demenzkranken in einem Alten- und Pflegeheim.

Die Kliniken Nordoberpfalz haben sich der bundesweiten "Initiative Demenz Partner" angeschlossen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Träger der Initiative, hat diese Kampagne im vergangenen Jahr zusammen mit dem Bundesgesundheits- und dem Bundesfamilienministerium gestartet.

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