27.03.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vortrag über Argula von Grumbach "Bayerische Reformatorin"

Nicht nur Martin Luther kritisierte die Kirche. Auch Argula von Grumbach "ermahnte die christliche Obrigkeit" und leistete einen wertvollen Beitrag zur Reformation. Nadine Schneider sprach über das Leben einer bemerkenswerten Frau.

Nadine Schneider sprach in der Michaelskirche über Argula von Grumbach. Bild: hcz
von Autor hczProfil

(hcz) "Eine christliche Schrift einer ehrbaren Frau von Adel, darin sie alle christliche Obrigkeit ermahnt, bei der Wahrheit und dem Wort Gottes zu bleiben". Mit diesem Schreiben trat Argula von Grumbach 1523 an Herzog Wilhelm IV. und die Universität Ingolstadt heran. Mit ihrem Wirken leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Reformation und zu Luthers Arbeit.

Nadine Schneider, Gemeindepfarrerin der Orte Thumsenreuth, Friedenfels und Krummennaab, referierte am Freitagabend in der Michaelskirche über Leben und Werk der "bayerischen Reformatorin". Ihr Vortrag fand im Rahmen einer noch bis zum 29. März zu sehenden Ausstellung über Frauen statt, die sich über das im Mittelalter gültige Rollenbild "Kinder, Küche, Kirche" hinwegsetzten. Viele leisteten einen wertvollen Beitrag zur Reformation und zur Entwicklung der evangelischen Kirche.

Argula von Grumbach wurde 1492 auf Burg Ehrenfels geboren. Als Hoffräulein am Münchner Hof bei Herzogin Kunigunde erhielt sie umfangreiche Bildung. Argula heiratete 1515 Friedrich von Grumbach, einen Freiherrn von niederem Adel. Die hochgebildete Frau, die 1523 von sich behauptete "von Dr. Martinus alles gelesen" zu haben, stand bei Entstehung der Laienbewegung mit über 100 Personen in Briefkontakt. Nachdem Magister Arsacius Seehofer gezwungen wurde, Luthers Thesen abzuschwören, bekannte sie sich zu Luther. In vielen Schreiben machte sie auf Missstände aufmerksam. Mithilfe von Flugblättern gelangten ihre Briefe an die Öffentlichkeit. Luther selbst fühlte sich durch die Unterstützung ermutigt. Im Sinne des "Priestertums aller Getauften" befürwortete er ihre Arbeit, bezeichnete sie als "einzigartiges Werkzeug Christi" und schrieb, dass Frauen predigen sollten "wenn sonst niemand da ist, der predigt".

Mit Luther traf sie nur ein einziges Mal zusammen, bei dessen Besuch 1530 auf der Veste Coburg. Ab da wird es ruhiger um sie. Im Straubinger Urkundenbuch ist zu lesen, dass sie als 70-Jährige inhaftiert wurde, weil sie ihre Untertanen in Köfering durch Vorlesen aufrührerischer Bücher zum Abfall von der katholischen Kirche ermuntert habe. Am 13. Juni 1568 stirbt Argula von Grumbach in Zeilitzheim. Sie bleibt Vorbild für viele weitere Frauen. In ihre Fußstapfen traten unter anderem Katharina Schütz-Zell, Ursula Weyden, Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Katharina von Bora und Wibrandis Rosenblatt. Bis Frauen in der evangelischen Kirche gleichberechtigt waren, sollte es aber noch lange dauern. Erst 1975 gab es die erste Frauenordination in Bayern.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.