Warum Babys Windeln brauchen

Chefarzt Professor Thomas Bschleipfer (Zweiter von links) hatte Urologen und Neurologen zum Neuro-Uro-Tag eingeladen: (von links) Cornelia Schnorrer, Liliya Kuznetsova, Johannes Kaiser, Gustav Kiss (Innsbruck) und Urotherapeut Werner Amman. Bild: sbü

Babys, viele alte Menschen und Personen mit Autoimmunkrankheiten haben eines gemeinsam: Das zentrale Nervensystem steuert die Harnblase nicht genug. Ein Tabuthema? Nicht beim zweiten Neuro-Uro-Tag.

Da wurde alles offen angesprochen. So zum Beispiel, dass fünf bis acht Mal am Tag der Gang zur Toilette normal sei. Alles andere könnte auf eine Blasenfunktionsstörung hindeuten. Chefarzt Professor Thomas Bschleipfer, Urologe am Klinikum Weiden, hatte ein Vortragsprogramm zusammengestellt, das sich generell mit Blasenleiden beschäftigte und ganz besonders auf die Situation von MS-Kranken einging. Bei dieser Autoimmunkrankheit treten besonders häufig Störungen der Blasenfunktion auf. In sechs Vorträgen von Ärzten wurden Krankheitsbilder aufgezeigt und Therapien erläutert.

Die Zusammenhänge erläuterte Bschleipfer gleich zu Beginn. Die Nervenverbindungen vom Gehirn über das Rückenmark sorgen für die geregelte Funktion der Blase. Dieses Organ diene als Kapazitätsgefäß und auch als "Austreibungsorgan". Störungen gibt es, wenn Gehirn, Rückenmark und Blase nicht mehr miteinander kommunizieren können. Dies sei bei vielen MS-Kranken, Diabetikern oder M.Parkinson-, Demenz- und Schlaganfallpatienten der Fall. Die Nerven verlieren ihre "Leitfähigkeit".

In den Vorträgen wurden auch andere Krankheitsbilder der Blase behandelt und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt. So zum Beispiel im Falle der Unterfunktion des Schließmuskels, des zu häufigen nächtlichen Wasserlassens oder bei allen anderen Störungen einer geregelten Blasenaktivität. Die Zuhörer hörten die gesamte Palette der Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Vorbeugung gibt es schon im Alltag, zum Beispiel durch eine "entspannte Sitzhaltung beim Toilettengang" oder auch die Lebensweise generell, wie es Oberärztin Cornelia Schnorrer ausdrückte. "Denken Sie sich in Ruhe in Ihre Blase hinein", empfahl die Oberärztin.

Ein Blasentagebuch ("Miktionstrinkprotokoll") sei eine gute Beobachtungsmöglichkeit. Vor jeder Behandlung müsse eine eingehende Untersuchung erfolgen, denn die Ursachen könnten sehr vielfältig sein. In den Vorträgen wurden auch ausführlich Therapiemöglichkeiten aufgezeigt. "Stufenförmig" müsse vorgegangen werden, empfahl Assistenzarzt Johannes Kaiser - beginnend beim Beckenbodentraining bis hin zu Operationen oder einer externen "Harndauerableitung" in einen Behälter, der am Körper getragen wird.

Die Therapie sei immer vom Krankheitsbild abhängig. Es könne eine Elektrostimulation mit einem Handsteuergerät in Betracht kommen. Operative Therapien mit Botox-Injektionen oder die Implantation eines Blasenschrittmachers. Auch eine "Harnblasenerweiterungs-OP" wurde beschrieben. Einmalkatheder und Implantation eines künstlichen Schließmuskels waren Stichworte.

Auch Medikamente könnten Abhilfe schaffen, vor allem die zwei Gruppen Anticholinergika und Antimukarinika. Tabletten können die Übertragung zwischen Nerv und Muskel beeinflussen und müssten vier bis sechs Wochen genommen werden. Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Müdigkeit seien zu beachten. Besonders erfreut zeigte sich Bschleipfer, dass das Medikament Mirabegron wieder zugelassen sei. Dieses hätte sich schon in der Vergangenheit als sehr wirksam erwiesen und könne die Einnahmedosis anderer Medikamente reduzieren und so Nebenwirkungen begrenzen. Der Neuro-Uro-Tag wurde von Sponsoren aus dem Pharmabereich unterstützt. Diese informierte an Ständen über modernste Hilfsmittel.
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