12.10.2017 - 11:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Was jede Braut wissen sollte Was sagt eigentlich Knigge dazu?

Frau Märtin, wie kann die allzu nervöse Braut zu innerer Gelassenheit finden, damit sie ihre Hochzeit auch wirklich genießen kann?

von Wir heiraten!Profil

Bei der eigenen Hochzeit aufgeregt zu sein, ist völlig normal. Zunächst sollte sich die Braut also nicht zusätzlich dadurch unter Druck setzen, möglichst gelassen wirken zu wollen. Unabhängig davon kann die Braut durch gute Vorbereitung Sicherheit und damit ein Stückchen mehr Gelassenheit erlangen. Zur Vorbereitung gehören zum Beispiel, das Kleid kurz vor der Hochzeit noch einmal anzuprobieren, damit es auch wirklich gut sitzt; die Brautschuhe ein wenig einzulaufen; Frisur und Make-up vor dem Hochzeitstag zu testen.

Alle Kernpunkte der Hochzeitsfeier, wie etwa Dekoration, Location, Ablauf der Feier, Essen, Sitzordnung und dergleichen sollten nicht dem Zufall überlassen, sondern im Vorfeld professionell organisiert werden. Trotz aller Vorbereitung kann dennoch etwas Ungeplantes passieren, das kommt häufig vor. In diesem Fall helfen der Braut ein wenig Humor und die Gewissheit, dass es nicht darum geht, die perfekte Hochzeit zu inszenieren, sondern um das Bekenntnis der Liebe zweier Menschen zueinander. Das sehen auch die Gäste so.

Auf ihrer Hochzeitsfeier lernt die Braut mit ferner Verwandtschaft ihres Ehemannes mitunter fremde Menschen kennen: Wie könnte ein gelungener Smalltalk der Braut mit einem bis dato unbekannten Menschen aussehen?

Anknüpfungspunkte für Smalltalk liegen gerne im Hier und Jetzt. Die Braut kann sich also zunächst einmal erfreut zeigen, die bisher unbekannte Verwandtschaft kennen zu lernen. Je nach Kenntnisstand kann sie sich nach den genauen Verwandtschaftsverhältnissen erkundigen: „Wenn Sie Tante Luise sind, dann sind Sie also die Schwester von Heinz …? Gibt es noch weitere Geschwister …? Wen …? Hat Ihr Sohn nicht kürzlich seine Ausbildung abgeschlossen …? Wie ist er zufrieden …?“ Außerdem kann sie nach dem Wohnort fragen: „Sie wohnen in Kelheim, oder? Da war ich noch nicht … Was muss man dort unbedingt gesehen haben? Waren Sie schon einmal hier? Was gefällt Ihnen hier in der Gegend?“ Ein weiteres naheliegendes Thema sind Fragen zur Anreise und zu Unterkunft: „Wie sind Sie angereist …? Gefällt Ihnen Ihre Unterkunft …?“

Wichtig für das Zustandekommen eines Gesprächs ist es, nicht nur Fragen zu stellen, die mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können, sondern vor allem Fragen, die eine ausführlichere Antwort erfordern.

Kommt die neue Verwandtschaft aus einem anderen Kulturkreis, so schadet es nicht, sich im Vorfeld über die dortigen Sitten und Gebräuche zu informieren.

Und wie könnte die Braut Menschen einander vorstellen, die sich auf ihrer Hochzeitsfeier zum ersten Mal begegnen?

Neue Menschen kennen zu lernen macht Freude. Heutzutage darf sich jeder einem anderen selbst vorstellen. Trotzdem ist es schön, wenn eine Braut auf ihrer Feier die Zeit findet, vereinzelt auch das Vorstellen zu übernehmen. Grundsätzlich werden beim Vorstellen immer die Namen aller Beteiligten genannt, auch wenn sie sich vom Hörensagen kennen, einander aber persönlich noch nicht begegnet sind.

Wenn es formell zugeht, ist beim Vorstellen eine Rangfolge zu beachten: Zuerst wird der Name des Rangniederen genannt, anschließend der Name des Ranghöheren. Der in irgendeiner Form höher Gestellte hat immer zuerst das Recht zu erfahren, wer sein Gegenüber ist. Es ist sehr zu empfehlen, zusätzlich zum Namen noch eine kurze Bemerkung zu den Personen zu machen, dies erleichtert das Anknüpfen eines Gesprächs: „Das ist Max, mein Neffe. Er hat gerade seine Ausbildung abgeschlossen.“ „Dies ist Helga Müller, eine Tante meines Mannes.“

Was sind die drei größten Fehler, die eine Braut auf ihrer Hochzeit vermeiden sollte? Die Braut steht im Mittelpunkt. Sie muss sich bewusst sein, immer beobachtet zu werden und sollte sich dementsprechend angemessen verhalten. Grundsätzlich ungünstig wirkt sich übermäßiger Alkoholkonsum aus, hier ist also Zurückhaltung anzuraten. Negativ wahrgenommen wird darüber hinaus, sich nicht um die Gäste zu kümmern und Geschenken keine Aufmerksamkeit zu widmen. Das Hochzeitspaar ist auch in seinen gastgeberischen Qualitäten gefragt. Kritik an Gästen oder Geschenken ist natürlich tabu. Schließlich macht es gar keinen guten Eindruck, wenn die Braut auf der Hochzeitsfeier „aus dem Nähkästchen“ plaudert. Intimitäten und Persönliches haben in größeren Gesellschaften nichts zu suchen.

Wie sieht idealerweise die Betreuung von Hochzeitsgästen durch die Braut auf der Feier aus?

Grundsätzlich sollen sich alle Gäste wohl fühlen und auch bei möglicherweise auftretenden Problemen nicht alleine gelassen werden. Die Brautleute sollten sich zu diesem Zweck jedem ihrer Gäste widmen. Idealerweise geschieht dies, indem Braut und Bräutigam jeden Tisch der Hochzeitsgesellschaft im Laufe der Feier einmal besuchen. Sie können sich für eine kurze Zeit zu ihren Gästen setzen und sich mit ihnen unterhalten. Die Zeit, die an den einzelnen Tischen verbracht wird, sollte dabei in etwa gleich verteilt sein.

Das Interview führte Norbert Eimer

Zur Person

Sabine Märtin ist Trainerin und Beraterin für professionelle Umgangsformen. Die Weidenerin unterstützt und coacht Menschen unter anderem in den Bereichen Selbstbild und die Wirkung auf andere, Betreuung von Gästen – beruflich und privat, sowie Regeln der Kommunikation und Tischkultur in Theorie und Praxis. Infos unter www.taktisch.eu

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