12.07.2017 - 15:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wegen Untreue und Betrugs zu Bewährungsstrafen verurteilt Jetzt will ATU das Geld zurück

Das Schöffengericht hat am Mittwochnachmittag einen ehemaligen Regionalchef von ATU wegen 64 Fällen der Untreue sowie einen externen Dienstleister wegen 64 Fällen des Betrugs verurteilt. Damit erfolgte ein Teilfreispruch. Die Haftstrafen liegen unter 2 Jahren und sind zur Bewährung ausgesetzt. Vorbei ist es damit noch nicht.

ATU Weiden. Bild: Gerhard Götz
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das Strafmaß liegt beim 40-jährigen Ex-ATU-Manager bei 1 Jahr und 4 Monaten, beim Selbstständigen (38) bei 2 Jahren. Revision und Berufung sind möglich. Die Verteidigung hatte Freispruch gewollt, die Staatsanwaltschaft Haft "ohne".

Das Gericht wählte den Mittelweg. Ein Zusammenwirken der beiden Männer sei nicht erkennbar oder nachweisbar, sagte Vorsitzender Richter Gerhard Heindl nach ausführlicher Beratung mit den Schöffen Alois Voit und Hans Lehner. Die Gelder flossen ausschließlich auf das Konto des Dienstleisters, der ATU-Angestellte habe keine Vermögensvorteile gehabt. "Irgendwelche anderen Spekulationen führen uns nicht weiter."

Damit entfiel für den Ex-Manager der Vorwurf des Betrugs. Es blieb die Untreue: Der 40-Jährige habe seine Pflichten als leitender Angestellter verletzt. Auch bei hoher Belastung hätte er die Rechnungen von den Filialleitern prüfen lassen oder eine telefonische Nachfrage delegieren können. "Es wäre nur eine kleine Mühe gewesen." Für die Verurteilung genügen bedingter Vorsatz und Billigung.

Der selbstständige Ein-Mann-Unternehmer habe dagegen betrogen, ist sich das Gericht sicher. "Wir haben zwar nicht den rauchenden Colt gefunden", sagte Heindl. Die Indizien sprächen aber dafür, dass die Reinigungsleistungen zu Unrecht in diesem großen Umfang (rund 53 000 Euro in zehn Wochen für 70 Filialen) erfolgten. Ganz vom Tisch fielen die Rechnungen wegen der "Glas- und Dellenschulungen" (42 Fälle, 36 000 Euro), auch wenn diese zumindest "zweifelhaft" erschienen.

Unter zwei Jahren kann Bewährung gegeben werden, in diesem Fall ist gar nichts anderes denkbar: Beide Männer sind nicht vorbestraft, leben als Familienväter sozial eingeordnet und sind berufstätig.

Amtsgerichtsdirektor Heindl rechnete am Ende doch noch mit Verteidiger Werner Winkelmeier ab. Der Münchner Anwalt hatte Heindl aufgrund eines "anonymen Schreibens" unterstellt, sich während des laufenden Prozesses mit der ATU-Geschäftsführung zur Absprache getroffen zu haben. "Das ist für mich skandalös", sagte Heindl. Die Behauptung sei ehrabschneidend. Eine einfache Nachfrage hätte eine Klärung ermöglicht. "Ich weiß auch nicht: Muss man als Anwalt alles machen?"

Die Urteilsbegründung verfolgte auch ein Jurist von ATU. Das Unternehmen will sich den Schaden zivilrechtlich von den Angeklagten zurückholen. Wie zuletzt bekannt wurde, hätte ATU auf eine Strafanzeige sogar verzichtet, wenn der Schaden erstattet worden wäre. Die beiden Angeklagten müssen zudem je 6000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen, darunter St. Sebastian und der AK Asyl.

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