26.09.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Autor Nicolas Cenway präsentiert mit "Badetage" seinen Debütroman Spur führt in die Oberpfalz

Mit nervigen Kriminalkommissaren kann Nicolas Cenway nichts anfangen. "Über Typen, die sich gegen alles auflehnen, mag ich nicht schreiben", gibt er zu. In seinem Debütroman übernimmt ein gutaussehender, sympathischer Anwalt das Ruder. Wer nun eine weichgespülte Schnulze erwartet, hat Pech gehabt. In "Badetage" serviert der Weidener harte Kost.

Mit "Badetage" fesselt Nicolas Cenway seine Leser von der ersten Zeile an. Einen Teil der Handlung lässt der Weidener Autor in der Gegend rund um Weiden spielen. Eine heiße Spur führt nach Hammerharlesberg. Bild: mic
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Fester Händedruck, verschmitztes Lächeln, aus den Augen blitzt der Schalk - dem ersten Eindruck nach sieht Nicolas Cenway nicht so aus, als würde er Thriller schreiben. Doch nach und nach offenbart sich im Gespräch, warum der 65-Jährige seine Handlung um ein Thema webt, das sehr berührt, aber gleichzeitig auch wütend macht. Cenway gehört viele Jahre dem Pflege- und Adoptivelternverein in Neumarkt an, wo er Kinder kennenlernte, deren Leben aus Gewalt und sexuellem Missbrauch bestand.

Auch die eigene Vergangenheit fließt mit ein. Mit elf Jahren schreibt der Autor sein Martyrium, das er durch einen gewalttätigen Stiefvater erlebt hat, mit feinsäuberlichen Buchstaben in ein Schulheft und nennt seine erste Geschichte "Schicksalssymphonie".

Der 360-seitige Thriller eignet sich trotz der bedrückenden Problematik als abendliche Lektüre. Cenway gelingt es, den Leser derart zu fesseln, dass dieser, einmal angefangen, das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Dazu trägt die Hauptfigur Tom Wolfert, ein junger Anwalt aus Starnberg, maßgeblich bei. Seine Schwester Jenny soll in Houston, Texas, zwei Menschen umgebracht haben. Die Bemühungen, ihre Unschuld zu beweisen, führen ihn immer tiefer in einen Dschungel von Intrigen und Abscheulichkeiten.

In Kontrast dazu stehen die Schauplätze, die Cenway für seine Handlung wählt. Die Geschichte spielt am Starnberger See, in den USA, in Kärnten und zum großen Teil in der nördlichen Oberpfalz. Tom Wolferts Ermittlungen führen nach Hammerharlesberg auf den Scheidlerhof, der im Roman Grasserhof heißt. "Weiden hat eine so tolle Umgebung", schwärmt Cenway. "Ich wollte der Stadt damit ein Denkmal setzen." Die Figuren sind zwar in Anlehnung an wahre Begebenheiten entstanden, die Orte oder Personen, die hier leben, haben jedoch damit nichts zu tun.

Liebenswerte Oberpfalz

Während in so manch anderen Krimis mit lokalem Bezug die Oberpfalz als tiefste Provinz und ihre Bewohner als Hinterwälder dargestellt werden, lenkt der Autor den Fokus auf wunderschöne Sonnenuntergänge, lässt seine Protagonisten Ausflüge ins Waldnaabtal machen, schlendert mit ihnen durch die Weidener Altstadt und lobt die böhmischen Knödel, die er Tom und Steffi, Mitarbeiterin einer Münchner Detektei, in einem Gasthaus in der Nähe der Tillyschanz essen lässt.

Die lebhafte Sprache, die schöne Natur als Gegenpol und die spannende Handlung machen es möglich, dass der Leser sich auf das schwierige Thema "Kindesmissbrauch" einlässt. Cenway gelingt eine unglaubliche Gratwanderung. "Literatur soll die Menschen nicht zum Verzweifeln bringen, sondern soll heilen und Zuversicht geben", lautet seine Botschaft. "Mir geht es um literarische Gerechtigkeit."

Zu all seinen Schauplätzen hat Cenway einen Bezug. "Am Starnberger See war ich im Internat, in Klagenfurt habe ich eine gute, alte Bekannte, die bei der Staatsanwaltschaft ist und bei den Örtlichkeiten in den USA hat mir meine Freundin Tina aus Houston geholfen."

Cenway ein Pseudonym

Nicolas Cenway heißt im wahren Leben anders. "Ach, hier in Weiden kennen mich eh alle unter Nico", winkt er ab und will nicht verraten wie er mit bürgerlichem Namen heißt. Das Pseudonym hat er bewusst gewählt: Der Name Cenway bedeutet für ihn "Kann den Weg gehen". "Und außerdem gibt's sonst keinen Schriftsteller, der so heißt", schmunzelt der Weidener. Zum Schreiben kam er vor über zehn Jahren, als er seinen Job als Outsourcing Manager im Logistikbereich an den Nagel hängt. In Cenways Schubladen liegen noch einige fertige Manuskripte. "Doch einen Verlag zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto." An "Badetage" hatte schließlich der Frankfurter Größenwahnverlag Interesse gezeigt.

Obwohl der Roman viele traurige Passagen enthält, gibt es ein Happy End. "Mein größtes Problem beim Schreiben war, Jenny aus dem Gefängnis freizubekommen, ohne einen anderen Mörder zu präsentieren." Tom Wolfert entwirrt die Fäden schließlich mit tierischer Hilfe. Ein Schachzug, auf den der Autor ein bisschen stolz ist: "Durch die Dexter Rinder auf dem Grasserhof findet Tom schließend den entscheidenden Hinweis."

Literatur soll die Menschen nicht zum Verzweifeln bringen, sondern soll Heilen und Zuversicht geben.Nicolas Cenway

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