22.12.2017 - 20:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Richter erlassen "Strafbefehl": BVB-Kugel an bayerischem Weihnachtsbaum

Der Christbaum in der Eingangshalle der Weidener Justiz galt schon immer als außerordentlich prächtig. In diesem Jahr wurde er von zwei Staatsanwältinnen geschmückt, die mehr oder weniger gleichmäßig 100 goldene Kugeln anbrachten. Den letzten Schliff verpasste  Wachtmeister Peter Tragl dem Baum. Der Waldsassener ist Fan des FC Bayern. Er hängte eine einzelne rote Kugel mit dem Schriftzug des Rekordmeisters dazu.

Den Schreck des Strafbefehls haben Andre Binder und Christian Ermer (von links) offensichtlich gut überwunden. Peter Tragl (rechts) zeigt die rote Bayern-Kugel, die kurzzeitig gelbe Konkurrenz bekam. Bild: Schönberger
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das ging ein paar Tage gut. Dann blitzte es über Nacht gelb aus dem künstlichen Grün. Eine größere Kugel hing daneben. Schriftzug: "BVB 09". Die Justiz wäre nicht die Justiz, hätte sie die "Täter" nicht schnell ermittelt: Die Spur führte zu den Wachtmeisterkollegen Christian Ermer und Andre Binder (eigentlich beide selbst hundertprozentige Bayern-Anhänger). Sie hatten sich einen Scherz erlaubt. Und wie oft Tragl die gelbe Kugel auch abhängte, so oft hing prompt wieder eine dran. Ermer und Binder hatten einen Vorrat von vier Kugeln. Am Freitag platzierten sie eine BVB-Kugel unerreichbar an die Christbaumspitze.

Kein Geheimnis, dass die halbe Richterschaft am Landgericht eine Art inoffiziellen FCB-Fanclub bildet. Die Richter Markus Fillinger und Marco Heß erließen daher prompt einen "Strafbefehl" gegen die beiden Wachtmeister. Delikt: "Störung des bayerischen Weihnachtsfriedens in einem besonders schweren Fall". Dieses höchst amtlich aussehende Schreiben wurde Ermer und Binder am Freitag vom Leiter der Wachtmeisterei, Franz Meier , überreicht.

Großes Kino: Meier schloss die Tür, ließ die Kollegen Platz nehmen, setzte eine bedeutungsschwangere Miene auf. Mit Öffnen der Kuverts soll den beiden dann auch die Gesichtsfarbe etwas gewichen sein. Nach Lektüre des ersten Satzes war die Sache klar: Das ist ein Jux.

Der Wortlaut: "Strafbefehl - Die Staatsanwaltschaft legt Ihnen folgenden Sachverhalt zur Last: Zu einem nicht mehr genauer feststellbaren Zeitpunkt haben Sie gemeinschaftlich handelnd zwei in Bayern nicht zugelassene Dekorationsartikel (rund, Durchmesser 8 cm) mit schwarz-gelber Farbgebung an dem im Eigentum des Freistaates Bayern stehenden Christbaum angebracht."

Und weiter: "Trotz mehrmaliger Versuche des Sicherheitspersonals, die unzulässigen Dekorationsartikel wieder zu entfernen, haben sie in den Folgetagen diese beharrlich immer wieder angebracht und so positioniert, dass die Dekorationsartikel aus nahezu jeder Position im Eingangsbereich des Justizgebäudes für eine unbestimmte Anzahl von Personen sichtbar waren. Der Anblick der Lüdenscheider Dekorationsartikel führte bei zahlreichen Besuchern sowie Mitarbeitern des Gerichts nicht nur zu psychischen Beeinträchtigungen, sondern auch zu nicht unerheblichem körperlichen Unwohlsein. Dieser Zustand wurde durch das Ausscheiden des Sportvereins Lüdenscheid Nord aus dem DFB-Pokal in den Abendstunden des 20. 12. 2017 abgemildert."

Als "Urteil" erging eine Verwarnung mit folgenden Bewährungsauflagen: 1. Sie haben für die Dauer eines Jahres an jedem Samstag zwischen 15.30 und 17.15 Uhr einen Schal des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München gut sichtbar am Körper zu tragen. 2. Sie haben bei der Weihnachtsfeier des Landgerichts im Jahr 2018 die Vereinslieder "Stern des Südens" und "Forever Number one" a capella zu intonieren. Drittens wird zur Schadenswiedergutmachung eine Kiste bayerisches Qualitätsbier für die Geschädigten - vier Richter plus Wachtmeister Tragl - eingefordert. Landgerichtspräsident Walter Leupold hat den Scherz abgesegnet. Die Arbeit litt nicht: Auch am Freitag wurde in Weiden noch verhandelt.

 

 

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