Weidener Schleierfahnder erzählt von Einsatz bei G20-Gipfel
Zwischen netten Hamburgern und schwarzem Mob

Sie, die Ehefrau, hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl. Er, der Hauptkommissar der Verkehrspolizeiinspektion Weiden (im Bild mit Blick auf die NT-Berichte), wollte es trotzdem wissen - und meldete sich wie drei Kollegen freiwillig zum Einsatz beim G 20-Gipfel in Hamburg. Zurück kommt er mit gemischten Gefühlen - und mit einem Fan-Brief.

"Das war Bürgerkrieg", bilanziert der Hauptkommissar fünf Tage nach seiner Rückkehr aus Hamburg. Dabei habe der 48-Jährige nicht mal in vorderster Reihe gestanden und keine Gewalt anwenden müssen. "Unser Einsatzauftrag lautete, Verkehrsmaßnahmen im Einsatzkorridor zu ergreifen. Sprich, die An- und Abfahrt der G20-Gipfel-Teilnehmer zu sichern." Wenig später habe sich der zweifache Vater nach Schutzausrüstungen, vor allem nach einem Helm gesehnt. "Ich hatte das Gefühl, meine persönliche Freiheit und meine körperliche Unversehrtheit schweben ständig in Gefahr." Umso mehr berührt ihn im Nachhinein die Nachricht einer Hamburger Familie, die den eingesetzten Beamten aus Weiden dankt (siehe E-Mail anbei). "Ich erinnere mich noch genau an die Familie. Wir haben uns ganz salopp unterhalten, über Bayern, über die Biergärten - und über das Chaos an der Kreuzung, an der wir im Einsatz waren. Verkehrsstörung? Von wegen. Stau war hier. Nichts ging mehr. Alles stand still."

"Als wir am nächsten Tag mittags das Funkgerät angemacht haben, war schon Halligalli." Wieder sollten die Weidener eine Kreuzung sichern. "Aber wir mussten nach den ersten Vorfällen ständig damit rechnen, dass der schwarze Block uns überrennt. Diese für viele überraschende Guerilla-Taktik, diese Welle der Gewalt, waren beängstigend. Jeder von uns hat sich wie eine Zielscheibe gefühlt." Und wie lautete das Kommando, wenn der schwarze Mob die Kreuzung stürmt? "Wir sollten ins Auto steigen und flüchten."

Die Weidener haben Glück, sie müssen nicht flüchten. Amberger Kollegen dagegen geraten in eine Art Hinterhalt. "Die haben Steine auf das Auto der Kollegen geworfen. Einer hat Splitter ins Auge bekommen." 150 Meter Luftlinie von den Weidenern entfernt fliegen Steinplatten durch die Luft. Warnschüsse werden gemeldet. Das SEK räumt eine nahe S-Bahn-Brücke, auf der Vermummte Molotow-Cocktails basteln. "Überhaupt guckst du öfter über die Schulter, ob was geflogen kommt." Das Problem: Nicht alle Gewalttäter vermummen sich: "Man wusste nicht, wer zu den Guten und wer zu den Bösen zählt." So sei eine Gruppe von sechs bis acht Leuten auf den Hauptkommissar zugekommen. "Du schaust genau hin, überlegst, könnten das Gewalttäter sein." Derweil fragt einer nur, ob die Busse fahren. "Ich war erleichtert, habe nett geantwortet." Doch dann das: Die Gruppe ist schon fast weg, als sich einer umdreht, die Fäuste ballt, auf die ,Bullen' schimpft und davonrennt. "Das brauche ich nicht jeden Tag."

Trotzdem würde der Schleierfahnder sich wieder für einen solchen Einsatz melden: "Ich bin vor 27 Jahren zur Polizei gegangen, um mit den Kollegen etwas zu bewirken." Den Tatendrang des Hauptkommissars in allen Ehren. Er muss nun aber pausieren. Der 48-Jährige hat Urlaub und bricht zu einem Städtetrip auf. Nach Hamburg? Seine Frau winkt dankend ab: "Es geht nach Prag."

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C. Schmitz aus Regensburg | 15.07.2017 | 12:30  
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