01.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Weidener wird Opfer von Schlüsseldienst-Abzocke - Tipps von Verbraucherschutz-Expertin Schlüsselerlebnis am Garagentor

Jochen S. (Name von der Redaktion geändert) findet den Schlüssel für sein Garagentor nicht mehr. Also kontaktiert er einen Schlüsseldienst. Er entscheidet sich für eine Firma aus Essen - und soll wenig später eine horrende Summe bezahlen. "Ich habe im Internet nach 'Schlüsseldienst Weiden' gesucht." Der Weidener wählt die 0800er-Nummer des Anbieters. Am Telefon wird ihm gesagt, dass die Anfahrt 20 Euro koste. "Nach dreißig Minuten kamen zwei Männer, die zwielichtig aussahen", sagt S.

Schlüssel drinnen, Besitzer draußen - oft kann in solchen Fällen nur ein Experte helfen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass das beauftragte Unternehmen seriös ist.
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Der Rentner will vor der Reparatur den Preis wissen. "Sie sagten, es gebe keinen Festpreis." Die Männer fordern ihn auf, ein Formular zu unterschreiben. "Das sei nötig, damit sie das Tor öffnen dürfen." Die Schlüsseldienst-Mitarbeiter bohren das Schloss auf und lassen sich bestätigen, dass sie ein neues einbauen dürfen. Nach 20 Minuten Arbeit fordern sie 429 Euro. "Sie erzählten mir, dass das Zylinderschloss millimeterweise berechnet wird - ein Millimeter koste 6 Euro. Das Schloss sollte 239,50 Euro kosten." Der Restbetrag setze sich aus Arbeitszeit und Anfahrt zusammen. "Ich habe sofort gesagt: 'Sie machen wohl einen Scherz!' Aber die Männer hielten mir meine Unterschrift auf dem Formular vor." Jochen S. will die Polizei rufen. "Einer packte mich am Arm und sagte, er wolle 240 Euro. Ich habe erneut mit der Polizei gedroht."

Einer der Männer hält den 65-Jährigen erneut fest und will 185 Euro. "Ich habe sie vor die Wahl gestellt: entweder 150 Euro oder Polizei." Die Männer werden ausfällig. Einer schreit den Weidener an. Trotzdem nehmen die Arbeiter die 150 Euro und verschwinden. "Ich bin ihnen nachgelaufen und forderte eine Bestätigung. Die haben sie mir durchs Autofenster rausgeworfen."

Elisabeth Graml von der Verbraucherzentrale Weiden kennt solche Fälle. "Schlüsseldienste machen immer wieder Probleme. Dabei gibt es Tricks, wie man unseriöse Firmen entlarven kann." Die Expertin rät, nur örtliche Firmen zu beauftragen. "Viele Firmennamen beginnen mit 'AA', damit sie oben in Branchenbüchern stehen." Das sei laut Graml ein erstes Indiz für zwielichtige Unternehmen. Schwarze Schafe erkenne man zudem an 0900er- oder 0800er-Nummern. Wenn der Telefondienst nicht wisse, woher die Arbeiter kommen, sei das verdächtig. "Wollen Firmen nicht sagen, wieviel der Service kostet, ist das auch ein Hinweis auf Abzocke." Sie empfiehlt, am Telefon Details zu klären. "Eine Türöffnung kostet zwischen 75 und 100 Euro. Firmen können vorher definitiv einen Preis nennen."

"Im Fall von Herrn S. ist es auffällig, dass zwei Männer kamen. Einer reicht für eine normale Öffnung." Das sei laut Graml oft eine Kostenfalle. "Die Kunden müssen zwei Arbeiter bezahlen." Auch das Schloss sei Jochen S. zu teuer verkauft worden. "Das Schloss muss im Normalfall nicht aufgebohrt werden." Graml rät, bereits beim Telefonat darauf hinzuweisen, dass das Aufbohren des Schlosses nicht nötig sei. "Und grundsätzlich ist es immer richtig, die Polizei zu rufen, wenn man abgezockt wird." Angemerkt

Wollen Firmen nicht sagen, wieviel der Service kostet, ist das auch ein Hinweis auf Abzocke.Elisabeth Graml, Verbraucherzentrale Weiden

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