Weihnachtsandacht im Obdachlosenheim Schustermooslohe in Weiden
Nah am Rande feiern

Hund Kessy genießt das Leben am Waldrand. Ursula Barrois (links) und Max Fentzke (rechts) von der "Initiative" laden mit Bewohner Hartmut Wilke an Heiligabend in den Hof des Obdachlosenheims ein. Bild: Schönberger

Die NT-Reportage "Baracken-Träume" über das Obdachlosenheim in Weiden bescherte Bewohner Josef Ullmann ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.

Ein Leser aus Waldau besuchte ihn in der Schustermooslohe. Der ehemalige Arbeitskollege Ullmanns brachte ihm Futter für seinen Hund Kessy, Brot und Wurst. Ullmann erzählt: "Da hab ich zu Kessy gesagt, wenn wir jetzt noch Holz bekommen, damit wir es Weihnachten schön warm haben" - und da klopft es schon wieder an der Tür. Ein weiterer Leser aus Weiden bringt Holz und Kohlen. Ein anderer Bewohner der Unterkunft, Hartmut Wilke, der in dem NT-Artikel mit Bild groß rauskam, sagt: "Jetzt bin ich bekannt wie in bunter Hund."

Andacht bringt näher

Auch Ursula Barrois, die sich als Vorsitzende des Vereins "Initiative" um Obdachlose kümmert, bekam viel Feedback: "Der Artikel hilft uns, der Bevölkerung die Menschen in der Notunterkunft und unsere Arbeit nahezubringen." Diesen Sinn hat auch die Weihnachtsandacht, die der Verein heute von 17 bis etwa 17.30 Uhr unter dem Motto "Gelassenh(z)eit" in der Schustermooslohe veranstaltet. "So können alle an Weihnachten mit den Menschen feiern, die am Rande stehen."

Vor 37 Jahren fing der Verein mit der Obdachlosenhilfe an. Bis zu 120 Leute, meistens Familien mit Kindern, wohnten zu Beginn in den Baracken in der Schustermooslohe, erinnert sich Barrois. "Das waren alles Leute, die nach dem Krieg in Weiden gestrandet waren." Gerade sind 37 Menschen in der Notunterkunft gemeldet, zwischen 19 und 80 Jahre alt. Die Zahl schwankt ständig, doch mehr als die Hälfte der Bewohner wohnt schon mehrere Jahre hier.

Barrois hat diese "liebevollen Querköpfe" ins Herz geschlossen. "Man darf den Leuten nicht seine eigenen Lebensentwürfe aufzwingen", rät sie. Die Frage, die sie ihnen stelle, laute immer: "Was willst du?" Das Ziel der "Initiative" ist es jedoch, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Die Anzahl der Obdachlosen in Weiden liege weit unter dem Bundesdurchschnitt. "Das ist auch das Ergebnis unserer Arbeit", wissen Barrois und zweiter "Initiative"-Vorsitzender Max Fientzke.

Alle sind eingeladen, den Bewohnern "Frohe Weihnachten" zu wünschen. Pater Richard vom Kloster St. Felix hält die Andacht. Herbert Schmid, Theresa Weidhas und die Familie Pröls spielen Musik. Danach verteilt die Frauen-Union Kuchen. Die Veranstaltung ist im oberen Hof zwischen den Baracken. Der Eingang zu den Baracken führt über den Parkplatz der Gaststätte "Alter Schuster" in der Schustermooslohe. Von dort leiten Fackeln zur Andacht.

Die Reportage "Baracken-Träume" finden Sie unter www.onetz.de/1718282
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