Weiteres Gerichtsverfahren in Weiden nach Diesel-Skandal wegen eines gebrauchten Audi
Freier Händler gelackmeiert

Symbolbild: Daniel Reinhardt/dpa

Die Herren Anwälte kennen sich schon. Von Gerichtsterminen in ganz Bayern. Der eine vertritt VW, der andere eine Freiburger Großkanzlei, die nach eigenen Angaben für 1700 Kunden klagt. Am Mittwoch geht es in Weiden um einen gebrauchten Audi. Die Kundin will 5600 Euro. Im Cabrio ist die manipulierte Software installiert.

(ca) Die Besonderheit: Die Weidenerin verklagt neben dem VW-Konzern auch ihren selbstständigen Händler aus dem Landkreis, vertreten durch den örtlichen Anwalt Ulrich Schlamminger. Dort hat sie den Gebrauchtwagen 2015 für 22 000 Euro gekauft. Und weil dieser Kfz-Betrieb eben unabhängig ist, hat er nicht die Rückendeckung eines Herstellers. Der Kfz-Meister muss die Klage allein durchfechten und für etwaige Ansprüche geradestehen. "Er hat so einen Hals", sagt Anwalt Schlamminger. Richter Thomas Hys macht wenig Hoffnung, dass sich das ändern wird. VW sieht er in diesem Fall eher nicht der Pflicht. Und die Frau hat sich - wenn auch über eine Gütestelle - um eine Nachbesserung bemüht und eine Frist dafür gesetzt. Sie wurde monatelang vertröstet. Erst vor drei Monaten kam vom Autohersteller Audi eine Einladung in die Werkstatt.

Richter Hys regt vergeblich folgenden Vergleich an: Die Käuferin geht auf 2500 Euro herunter. Im Gegenzug hätte der Autohändler die Klage vom Tisch. "Und vielleicht lassen Audi und VW ihn doch nicht hängen und übernehmen einen Teil der Summe." Diese gütliche Einigung kommt nicht zustande. Laut Anwalt Schlamminger will der Autohändler eine Gerichtsentscheidung (ein Vergleich hätte keine Bindungswirkung), weil er das Geld von einem der Großkonzerne zurückfordern will. "Ein langer, schwieriger Weg", warnt Hys und meint - ganz im Jargon eines Autoverkäufers: "Ich würde jetzt zugreifen. Ein einmaliges Schnäppchen. Und Sie können sofort losfahren!"

Auch Volkswagen hätte bei einem Vergleich in mündlicher Verhandlung nicht mitgespielt. "Gerichtliche Vergleiche schließen wir nicht", sagt VW-Anwalt Michael Kawalla. Anwalt Gerald Tix (für die Kunden-Kanzlei Stoll & Sauer) regt einige Wochen Aufschub an. Hinter den Kulissen könnte außergerichtlich ein Kompromiss zwischen Kundin, Kfz-Werkstatt und Konzern gefunden werden. "Ich hatte im letzten halben Jahr 40 bis 50 Termine in dieser Sache. Dieses Vorgehen hat sich bewährt."

Tatsächlich scheinen außergerichtliche Vergleiche - über deren Inhalt dann Stillschweigen vereinbart wird - eine aktuelle Stoßrichtung bei VW zu sein. Erst vor wenigen Wochen kam es am Landgericht Weiden im Fall eines VW-Tiguan zu einem derartigen Agreement, obwohl Volkswagen da nicht einmal schlechte Karten gehabt hätte. Ein weiterer Trend ist ablesbar: Volkswagen hat laut Fachmagazin "kfz-Betrieb" erstmals Niederlagen im Dieselstreit anerkannt. Konkret verzichtete VW in drei Fällen auf die mögliche Berufung.

Sollte es außergerichtlich zu keiner Einigung kommen, verkündet Richter Hys am 11. August, 9 Uhr, sein Urteil. Tendenz: pro Kundin.
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