11.05.2018 - 17:17 Uhr
Oberpfalz

Wer braucht schon Knight Rider? Entspannende Einfachheit statt Computer-Schnickschnack im Volvo 240

Was bedeutet "Komfort", wenn es um die Fahrt in einem Auto geht? Bestimmt wirklich die Zahl der Knöpfchen an der Mittelkonsole über die Bequemlichkeit? Nein, man kann auch in einem 30 Jahre alten Volvo sehr kommod von A nach B kommen.

Alle Schalter sind im Volvo 240 so massiv, dass sie sich auch gut mit Handschuhen bedienen lassen.
von tow Kontakt Profil

Heckklappe, Außenspiegel, Sitz? Heerscharen an Elektromotoren bewegen in modernen Autos jedes Teil. Die Mittelkonsolen strotzen vor Schaltern – fast wie im Superauto „KITT“ aus der 1980er-Serie „Knight Rider“. Die Alternative zur Knöpfchen-Flut sind verschachtelte Bordcomputer-Menüs, deren Bedienung den Fahrer Stunden an Lebenszeit kosten. Automobile Anachronismen vom Schlage meines 30 Jahre alten Volvo 240 sind der Gegenentwurf. Sie setzen der Orgie in durchleuchtetem Plastik und Elektronik eine entspannende Einfachheit entgegen.

Im Volvo 240 gibt es genau vier Schiebe- und einen Drehregler für die Heizung. Darüber sind zwei massive Schalter mit eindeutigen Symbolen: Heckscheibenheizung, Warnblinker. Mehr braucht es nicht, mehr wäre dekadent. Keine elektrischen Spiegel, keine elektrische Heckklappe, kein „Turbo Boost“. Dafür kann man alles mit behandschuhten Fingern bedienen. Das ist kein Zufall, sondern Konzept. Und was für die kalte Jahreszeit in Schweden gebaut ist, leistet auch im Winter in der Oberpfalz gute Dienste.

Voll ausspielen kann der Volvo seine Qualitäten auf der Langstrecke. Gutmütig liegt er auf dem Asphalt. Der Motor brummt beruhigend vor sich hin. Der Druck aufs rechte Pedal sorgt kaum für Beschleunigung. Aber man kommt voran - auch ohne „Super Pursuit Mode. Die Starrachse im Heck des alten Schweden sorgt auch bei Schnee für gute Fahreigenschaften. Die Sitze bieten Komfort wie gute Wohnzimmersessel. Smartphone, Geldbeutel, Getränke, Snacks, Kleingeld – für alles gibt es Ablagen. In „KITT“ hatte David Hasselhoff nicht einmal genug Ablagefläche für einen Cheeseburger.

Die vorderen Scheinwerfer des Volvo 240, die zwei Drittel der Fahrzeugfront einnehmen, taugen als Flutlichtstrahler für einen Fußballplatz. Nur das rote „KITT“-Lauflicht zwischen Motorhaube und Stoßstange fehlt. Dafür gibt es die beruhigende Gewissheit, dass man in einem fünf Meter langen Gefährt aus Stahl und dicken Blechen sitzt. Da verlieren selbst Leopard-2-Gefährte à la Audi Q7 oder BMW X6 ihre Schrecken.
Komfort, Platz, souveränes und dabei völlig unhektisches Vorrankommen - es sind grundlegende Qualitäten, die eine Reise im alten Volvo angenehm machen. Auch ohne „KITT“-Mittelkonsole, auch ohne Schalter-Armaden und elektrische Helferlein an allen Ecken und Enden. Dafür aber zur Not mit einem halben Umzug im Kofferraum. Das soll mal jemand in einem Pontiac Firebird Trans Am nachmachen.

An dieser Stelle berichtet Autor Thomas Webel in unregelmäßigen Abständen von seinen Erfahrungen mit einem fast 30 Jahre alten Auto. Er fährt es im Alltag, testet seine Schrauber-Fähigkeiten und schildert die Reaktionen seiner Mitmenschen.

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