28.02.2018 - 18:28 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Wer draußen arbeitet, muss sich warm anziehen Der Eiseskälte trotzen

Warme Gedanken geben bei den aktuellen Minusgraden zumindest moralischen Halt. Hilfreicher gegen Frostbeulen sind Heizlüfter, Fettcreme und Dreifach-Socken. Wer in der Kälte arbeiten muss, wird erfinderisch.

Marktfrau Bettina Robl schwört auf Taschenwärmer und Ingwertee.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

"Dick einpacken, schnell austragen, damit das Blut in Wallung bleibt", sagt Marion Klughardt. Sie bringt seit zehn Jahren im Weidener Osten den "Neuen Tag" zu den Abonnenten und war auch am Mittwoch ab 3.30 Uhr unterwegs. Es war die bisher kälteste Nacht in diesem Winter. "In Grafenwöhr wurde mit -19 Grad der Tiefstwert gemessen, -15,5 hatte es in Weiden", weiß Wetterexperte Andy Neumaier. "Das ist schon kalt, aber kein Kälterekord."

Ein eisiger Ostwind lässt die gefühlte Temperatur noch tiefer sinken. Er vertrieb auch die letzten Fußgänger in der Innenstadt. "Wenigstens kommen die Stammkunden", sagt Bettina Robl aus Kemnath, die auf dem Markt seit 29 Jahren Biobrot verkauft. Sie ist gegen die Kälte gewappnet. "Seit 7 Uhr läuft die Gasheizung. Ingwertee wärmt von innen." In den Lammfellschuhen trägt sie drei Paar Socken übereinander, mehrere Taschenwärmer stecken in den Hosentaschen, das empfindliche Gesicht schützt eine Fettcreme für Babys. Ein Karton auf dem Kopfsteinpflaster schirmt die Kälte unter ihren Füßen ab. "Man muss sich nur zu helfen wissen", lacht Robl.

Ohne lange Unterhose

Gelassen ist auch Fritz Steinhilber aus Moosbach. Er ist an diesem frostigen Mittwoch der einzige Gemüsegärtner auf dem Markt. Hinter dem mit Planen verhängten Stand blasen zwei Gasflaschen warme Luft ins Zelt, das zur Wärmestube wird. "Es geht noch kälter", sagt Steinhilber und erzählt von -37 Grad, die er einmal erlebt hat. Er ist hart im Nehmen, verzichtet sogar auf lange Unterhosen. Besorgter ist er um seine Ware, rät den Kunden sie schnell nach Hause tragen. "Vor allem Bananen mögen keine Kälte."

Ein warmes Plätzchen mögen sich auch die Bauarbeiter auf der Baustelle des NOC wünschen. Dick eingemummelt huschen sie übers Gelände, manche schützen ihr Gesicht mit Skimasken vor der Kälte. Ein paar Meter weiter machen sich Anja Ernstberger und Miriam Balia warme Gedanken. Die beiden Verkäuferinnen im mobilen Verkaufsstand von "Beyer Brezen" haben jede Ritze mit Tüchern abgedichtet, der Heizlüfter läuft. Skiunterwäsche und warme Schuhe müssen sein. Ernstberger deckt die Durchreiche mit Plexiglas ab, bis der nächste Kunde kommt. "Da wird man erfinderisch", sagt sie. Es scheint zu helfen, in der Bude ist es jedenfalls wohlig warm.

Erde 30 Zentimeter durchgefroren

"Bei diesen Temperaturen arbeiten unsere Leute eher im Innenausbau", teilt Julia Rank, Juniorchefin der gleichnamigen Dachdeckerfirma auf Anfrage mit. "Das sprechen wir mit unseren Mitarbeitern ab." Die Minusgrade seien für niemanden angenehm. Ganz andere Probleme beschert der Frost den Friedhofsmitarbeitern. Im Stadtfriedhof mühen sich Peter König und Jürgen Strocka mit dem Ausheben eines Grabes ab und kommen sogar ins Schwitzen. "30 Zentimeter ist die Erde durchgefroren. Da muss der Meißel ran, das schafft der Bagger nicht." Was sonst nach drei Stunden erledigt ist, dauert über eine Stunde länger. "Heuer ist es schon extrem kalt", sagt Strocka. Ein ganz normaler Oberpfälzer Winter eben ...

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp