Willibald Härning wird 80 und zieht Bilanz
"Was für ein Spießrutenlauf"

Am Neujahrstag wird Willibald Härning 80. Nachdem er sich vor acht Jahren aus dem Stadtrat verabschiedet hat, wird er in einigen Wochen auch als Chef des Haus- und Grundbesitzervereins aufhören. Bild: Kunz

Er prägte die Lokalpolitik und vertritt die Interessen Tausender Hausbesitzer. Nun, vor seinem 80. Geburtstag, verkündet Willibald Härning einen Rückzug und erklärt, warum er kein politisches Chamäleon sei.

30 Jahre saß Willibald Härning im Weidener Stadtrat, vorher im Rothenstädter Gemeinderat. Mal für die CSU, dann für die SPD - und später wieder für die CSU. Seit 23 Jahren leitet er zudem den Haus- und Grundbesitzerverein Weiden und Umgebung (HGVW). Der ehemalige Bahnbeamte, Träger der Goldenen Verdienstnadel des Deutschen Zentralverbandes der Haus- und Wohnungseigentümer sowie der Bundesverdienstmedaille, ist bekennender Royalist und passionierter Jäger. Am Neujahrstag feiert er 80. Geburtstag. Acht Jahre nach seinem Rückzug aus der Kommunalpolitik sprach NT-Mitarbeiter Helmut Kunz mit Härning, der sich bei der HGVW-Hauptversammlung im März nicht mehr zur Wiederwahl stellen wird.

Herr Härning, wie sind Sie eigentlich zur Politik gekommen?

Willibald Härning: Ich komme aus einem politischen Elternhaus. Schon mein Großvater war Mitglied der Bayerischen Heimat- und Königspartei. Den eigentlichen Anstoß gab aber Pfarrer Johann Reiter. Der war mein Nachbar, und der hat mir von der Jungen Union erzählt, die gerade gegründet worden war. Die war bei uns noch völlig unbekannt. Ich habe sie dann in Rothenstadt unter dem Vorbild der zehn Gebote ins Leben gerufen. Am Schluss hatten wir 100 Mitglieder. Bei der CSU war ich damals noch nicht.

Und wie kamen Sie dann zur CSU?

Ich lernte in Passau Franz Josef Strauß kennen, als ich dort beim Maschinenamt der Deutschen Bundesbahn tätig war. Ich war ehrenamtlicher Ordner bei einer Großveranstaltung mit dem damaligen Verteidigungsminister in der Nibelungenhalle. Hinter der Bühne konnte ich Strauß zu einem Auftritt im Rothenstädter Lehnersaal bewegen. Daraufhin bin ich in die Partei eingetreten und wurde sofort Vorsitzender.

Man wirft Ihnen heute noch vor, immer wieder die Parteien gewechselt zu haben.

Das hatte mit der Eingemeindung zu tun. Als Mindesteingemeindung war damals Ullersricht geplant. Sinn der Gebietsreform war aber: zusammenführen, was zusammengewachsen ist. Ohne Ullersricht wäre der Rumpf Rothenstadt allein aber nicht mehr lebensfähig gewesen. So habe ich mich für die Gesamteingemeindung ausgesprochen. Das wiederum ist einem führenden Rothenstädter CSU-Mitglied sauer aufgestoßen. Dieser sogenannte Parteifreund wollte nämlich Gesamtbürgermeister werden. Und zwar von einer neuen Verwaltungsgemeinschaft Rothenstadt, Luhe und Wildenau. Sondierungsgespräche waren schon am Laufen. Weil ich mich zusammen mit der SPD gegen eine Trennung von Ullersricht und für die Eingemeindung nach Weiden ausgesprochen habe, wurde ich kurzerhand aus der Partei ausgeschlossen.

Mit welchen Folgen?

Was war das damals für ein Spießrutenlaufen! Sogar beim Bäcker hat man sich erzählt, dass mich die CSU nicht mehr zu ihren Sitzungen lässt. Ich möchte jetzt mal eines klarstellen: Nicht ich bin aus der CSU ausgetreten. Die CSU Rothenstadt hat mich rausgeworfen. Mich und zwei andere Gemeinderäte, die für die Eingemeindung eingetreten sind. Sogar Gustl Lang hat sich damals eingeschaltet und den Ausschluss als widerrechtlich bezeichnet. Das Klima war aber so vergiftet, dass ich nichts dagegen unternahm.

Wie ging das weiter?

Ganz einfach. Die Rothenstädter SPD wollte unbedingt, dass wir Ausgeschlossene auf ihrer Liste kandidieren. Wir wollten aber parteilos bleiben. Das hat Franz Zebisch dann über einen Unterbezirkstagsbeschluss eingefädelt. Von 16 Sitzen haben wir 10 gewonnen. Wir haben die Eingemeindung durchgesetzt. Ich bin persönlich beim Regierungspräsidenten vorstellig geworden. Als es 1978 aber darum ging, für den Weidener Stadtrat zu kandidieren, musste ich Farbe bekennen und SPD-Mitglied werden. In Weiden musste jeder, der für die Genossen für den Stadtrat kandidierte, SPD-Mitglied sein. Jede Woche ist eine Delegation zu mir nach Rothenstadt gekommen.

Was hat die Eingemeindung Rothenstadts gebracht?

Weiden ist kreisfreie Stadt geblieben, weil die Bevölkerungszahl gehalten werden konnte, und Rothenstadt hat rundum profitiert.

Warum haben sie dann später das SPD-Parteibuch abgegeben?

Ich war 20 Jahre lang für die SPD im Stadtrat. 20 Jahre lang hat es das politische Klima in Rothenstadt nicht zugelassen, dass ich wieder zur CSU wechseln hätte können. Mein damaliger Widersacher, der als Bürgermeister in einer von ihm angedachten Verwaltungsgemeinschaft gescheitert war, hatte alles daran gesetzt, mich zu boykottieren. Dass es dann doch klappte, dass ich zurückkehren durfte in meine politische Heimat, daran war der damalige Oberbürgermeister Hans Schröpf nicht unbeteiligt. Der wollte mich unbedingt im Stadtrat haben, um die Lücke von Luise Deyerling schließen zu können. Erst als die CSU bei den Stadtratswahlen Verluste erwartete, haben sie mich wieder akzeptiert.

Wie war Ihr Verhältnis zu Schröpf?

Meine Förderer waren Gerd Hofmann, Walter Leupold, Michael Girke und Rudi Habla. Hans Schröpf war ein Visionär. Ich durfte die großen Entwicklungsstufen der Stadt miterleben. Ich war Zeitzeuge, als Schröpf die Fachhochschule nach Weiden holte. Das war sein ganz persönlicher Verdienst. Schröpf war wirtschaftlich kompetent, überzeugend und durchsetzungsfähig.

Wie lief's beruflich?

Ich war bei der Bundesbahn ein zufriedener Mensch, weil ich es bis in die Spitzenposition meiner Laufbahn geschafft habe.

Und privat?

Da bin ich passionierter Jäger. Ich bin naturverbunden. Mein Hobby war ein Leben lang die Jagd. Diese Leidenschaft hat mich um den ganzen Erdball gebracht. Ich jagte in Sibirien, damals noch auf persönliche Vermittlung durch Michail Gorbatschow, am Nordpol und in Südafrika. Ein weiteres Steckenpferd ist meine Liebe zum Königreich Bayern.

Sie sind seit 1994 Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins.

Bei den Neuwahlen kandidiere ich nicht mehr. Ich wurde sechsmal einstimmig gewählt. Unter meiner Zeit hat sich die Zahl der Mitglieder von 1445 auf 4000 erhöht. Wir sind dank unserer Serviceleistungen die größte Eigentümerschutzgemeinschaft in der nördlichen Oberpfalz. Meine beiden Sekretärinnen leisten Hervorragendes, sind Kummerkasten und Beraterinnen.

Wo feiern Sie Ihren Geburtstag?

Auf einem Schiff der Royal-Klasse mit 30 Mitgliedern des Haus- und Grundbesitzervereins in Budapest.

Ich jagte in Sibirien, damals noch auf persönliche Vermittlung durch Michail Gorbatschow, am Nordpol und in Südafrika.Willibald Härning
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