09.02.2018 - 20:58 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Winfried Prem erinnert sich an Abriss der Grenze zwischen Ost und Westdeutschland Einen Kilometer Berliner Mauer pro Tag

28 Jahre mit und 28 Jahre ohne Berliner Mauer: Montag, 5. Februar, war der Stichtag für diese Rechnung. Winfried Prem aus Weiden hatte große Teile der Mauer in Berlin geschreddert. Einige wenige Stücke sicherte er sich. Drei davon stehen in Weiden.

Touristen gehen an der East Side Gallery in Berlin entlang. 2016 wurde das Baudenkmal der ehemaligen innerdeutschen Grenze wegen vieler Schmierereien auf den Kunstwerken umfassend saniert. Der Zaun soll Besucher abhalten, gesäuberte Flächen erneut zu beschädigen. Archivbild: Rainer Jensen/dpa
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Zwei Teile stehen in Weiden in der Berliner Straße, eines im Hof des Augustinus-Gymnasiums, eines bei Prem in Muglhof. Die beiden Mauerteile in der Berliner Straße sind recht versteckt. Das ärgert Prem, dem sie gehören.

"Die Mauer, das ist Geschichte", sagt der 68-Jährige. "Andere Städte wären froh, wenn sie die Gelegenheit gehabt hätten, ein echtes Mauerteil aus Berlin zu haben. Aber hier in Weiden wird das nicht geschätzt", bedauert der Muglhofer, der eine Abbruchfirma betrieb.

Ab 1990 riss er in Berlin in Falkensee und Schöneberg drei Jahre lang die Mauer ab. Dass er damals den Auftrag erhielt, mache ihn immer noch stolz. Pro Tag habe er einen Kilometer Mauer abgerissen und geschreddert. Einige Stücke habe er sich gesichert - und meist verschenkt. Der Ullstein-Verlag in München erhielt eins, ebenso der Burda-Verlag in Offenburg, zwei Teile kamen nach Zwickau, zwei nach Pfaffenhofen. Auch Prem und seine Frau besitzen noch einige Mauerteile. "Die kriegen mal meine Enkel. Ich kann sie ja nicht mitnehmen."

Viel habe der Muglhofer damals erlebt: Der General der Volksarmee der ehemaligen DDR kam auf ihn zu, seine Leute bräuchten Beschäftigung. Sie haben Prems Mitarbeiter dann beim Abriss geholfen. Einige Politiker aus Ost- und Westdeutschland habe er getroffen. Besonders in Erinnerung blieb Prem der Besuch von Prinz Charles auf der Baustelle.

"Was sieht man denn noch von der Mauer in Berlin?", fragt er und erinnert zum Beispiel an Stücke in der Wilhelmstraße. Schüler aus Weiden würden bei einem Ausflug in die Hauptstadt die Mauer besichtigen - und gar nicht wissen, dass Teile davon auch in ihrer Heimat aufgestellt sind. Das findet er schade. Zu versteckt sei die Mauer an der Berliner Straße in Weiden. Sie fristet dort ein Mauerblümchen-Dasein.

Etwa so, wie ein Stück Mauer an der Berliner S-Bahn-Haltestelle Schönholz. Die 80 Meter lange Mauer wurde erst vor kurzem wiederentdeckt. Sie stammt vom Beginn des Mauerbaus in den 1960er Jahren. Von dieser Zeit sind sonst keine Teile mehr erhalten.

Einige Zeit stand das Weidener Denkmal in der Spitalgasse in der Altstadt. Winfried Prem würde sich wieder einen prominenteren Platz für die zum Teil bemalten Stücke wünschen. "Gerne da, wo sie auch Schüler sehen." Leider sei bisher niemand von der Stadtverwaltung auf ihn zugekommen.

Weitere Reste

Nicht nur in Weiden in der Berliner Straße stehen Stücke der Berliner Mauer. Weitere Teile gibt es:

Augustinus-Gymnasium Weiden: im Hof der Schule. Auch dieses Stück stammt vom Muglhofer Winfried Prem.

Schweppermannkaserne Amberg: Im Wachbereich der Kaserne steht ein Stück der Berliner Mauer. "Jeder Soldat fährt daran vorbei", sagt Hauptmann Gerhard Ulrich. Nach Voranmeldung und im Rahmen einer Führung können sich Interessierte das Denkmal ansehen.

Stadtmuseum Amberg: Dort stand lange Zeit ein Mauerstück im Hof des Stadtmuseums. Doch im Zuge der Arbeiten am Neubau vor etwa 15 Jahren ist der Mauerrest "irgendwie verlorengegangen". "Es lässt sich heute nicht mehr feststellen, was mit der Mauer geschah", heißt es aus dem Stadtmuseum. Was die Mitarbeiter nicht wissen: Das Stück kam zum Bauhof, weil es bei den Bauarbeiten im Museum störte. Im Bauhof steht es noch heute, bestätigt Pressesprecherin Susanne Schwab.

Leben neben der Mauer in Weiden

Familie Bäumler lebt neben zwei Teilen der Berliner Mauer in Weiden. In der Berliner Straße im Viertel Krumme Äcker stehen die Stücke, die Winfried Prem von den Abbrucharbeiten aus Berlin mitgebracht hat. Was sie vom Denkmal halten, verraten Tierärztin Dr. Barbara Bäumler und ihr Mann Matthias im Interview.

Wie lebt es sich neben zwei Mauerstücken?

Matthias Bäumler: Sehr schön. Ich finde die Mauerstücke als Denkmal nicht schlecht. Was aber schade ist, dass sie nur wenig gewürdigt werden. Der Platz hier ist zu unbekannt, auch wenn es die Berliner Straße ist.

Was war zuerst da: Die Mauer oder Ihr Haus?

Barbara Bäumler: Die Mauer. Es war Zufall, dass wir hier gebaut haben.

Matthias Bäumler: Baugrundstücke in Weiden sind sehr rar. Wir wussten vor dem Bau nicht, dass hier Mauerstücke stehen.

Was verbinden Sie mit Ihrem stummen Nachbarn?

Barbara Bäumler: Ich stelle mir schon vor, wie die Leute früher an der Grenze lebten - nicht unbedingt nur an der Mauer. Viele Menschen sind ja aus der DDR geflohen. Wenn ich mir die Mauer heute so ansehe: Ich käme gar nicht drüber.

Matthias Bäumler: Wenn du dir vorstellst, in Berlin daneben zu wohnen ... Es war schon sehr trist. Man konnte weder darüber noch drum herum.

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