01.12.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wissenschaftler vermittelt beim LBV Wissen über den Igel im Winter Stacheliger Sympathieträger

Der Igel ist zweifelsohne für viele ein Sympathieträger, so possierlich sind diese kleinen, stacheligen Tierchen. Doch ihr Vorkommen ist rückläufig, ihr Lebensraum bedroht. Was kann man tun, um ihnen zu helfen? Nicole Merbald von der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) hat Martina Gehret eingeladen, eine ausgewiesene Igel-Expertin. Sie betreut beim LBV in Hiltpoldstein das Projekt "igel-in-bayern". Die Wissenschaftlerin hat auch das Buch "Igel - ganz nah" geschrieben.

Nicole Merbald von der LBV-Kreisgruppe Neustadt-Weiden mit Igel-Expertin Martina Gehret (rechts).
von Autor hczProfil

In Deutschland komme hauptsächlich der Braunbrust-Igel vor, berichtet die Expertin. In Österreich und Tschechien sehe man auch den Weißbrust-Igel. 8000 zwei bis drei Zentimeter lange Stacheln würden ihn vor natürlichen Feinden schützen. Bei uns seien dies lediglich der Uhu und der Dachs. Als Nahrung würden dem Igel Würmer, Raupen und Schnecken dienen. Junge Igel kämen nach vier Wochen Tragzeit zwischen Mai und September zur Welt. Nach einigen Wochen müssten sie sich Fett für den Winterschlaf anfressen. Von Mitte Oktober bis Anfang April könne dieser Schlaf dauern, wobei das Tier 30 bis 40 Prozent seines Körpergewichts verliere. Hier helfe das Zufüttern.

Gehret rät zu Katzenfutter mit einem kleinen Anteil an Igel-Trockenfutter, Haferflocken oder einem Löffel Weizenkleie. Nachdem Igel zu den besonders geschützten Tierarten zählten, dürften nur kranke, verletzte oder von Parasiten befallene Igel eingefangen werden. Fliegeneier, Maden, Zecken oder Flöhe müssten sofort entfernt, Verletzungen von einem Tierarzt behandelt werden.

Unterkühlte Tiere sollten eine handwarme Wärmflasche bekommen. In einem großen Karton mit Zeitungspapier müsse man einen Unterschlupf vorbereiten. Die Aufzucht von Igel-Babys sei äußerst schwierig, weil man auch deren Verdauung und Koten manuell anregen müsse. Was kann man sonst noch tun, um die stacheligen Freunde zu unterstützen? Das Wichtigste sei, so Gehret, die Hausgärten igel-freundlich zu gestalten. Zäune müssten durchlässig sein. In einem Garten, der von Gabionen oder Steinmauern umgeben ist, komme der Igel nicht rein. Köder gegen Ratten seien in einiger Höhe auszulegen. Auch Mäh-Roboter seien eine tödliche Gefahr. Für den Winter könne man Igelbehausungen schaffen: trockene Innenräume eines tönernen oder hölzernen Häuschens, Zweige und viel Laub darüber - dann würde sich der kleine Geselle schon einrichten.

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Weitere Informationen:

www.igel-in-bayern.de

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