24.07.2017 - 15:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wolfgang S. (71) bemüht sich vergebens um Verlegung Millionenbetrüger sitzt in Straubing fest

Millionenbetrüger Wolfgang S. sitzt in der Justizvollzugsanstalt Straubing fest. Das Landgericht Weiden hat ihn im April 2015 zu elf Jahren Haft verurteilt, die er jetzt verbüßt. Allerdings wollte der inzwischen 71-Jährige längst in ein heimatnahes Gefängnis verlegt sein. Er stammt aus dem Raum Aachen.

48 Prozesstage stand Anwalt Jörg Jendricke dem angeklagten Wolfgang S. als Pflichtverteidiger zur Seite. Um die Verlegung seines ehemaligen Mandanten kümmert er sich jetzt unentgeltlich. Bild: Götz
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Vor einem Jahr - nach Rechtskraft des Urteils - hat Anwalt Jörg Jendricke einen Verlegungsantrag an die JVA Straubing gestellt. Seither geht nichts vorwärts. Nach Kenntnisstand von Jendricke steht die nötige Zustimmung des Justizministeriums Nordrhein-Westfalen noch aus. Der Amberger Strafverteidiger hat Wolfgang S. im Prozess in Weiden vertreten. In Sachen Verlegung hilft er dem ehemaligen Mandanten ohne Entgelt. Die Haft komme dem Senior hart an, sagt Jendricke, der ihn hinter Gittern besucht hat.

"Menschenvernichtend" nennt ein Nürnberger Bekannter von Wolfgang S. die Situation für den gesundheitlich angeschlagenen 71-Jährigen. Der bayerische Vollstreckungsplan sieht ab sechs Jahren Haft das Gefängnis Straubing vor. In Straubing sitzen etwa 200 "Lebenslängliche" ein, Mörder und Schwerstverbrecher. Und mittendrin der leutselige Rheinländer mit dem einnehmenden Wesen.

Töchter sind willens

Wolfgang S. hatte Investoren insgesamt rund 10 Millionen Euro abgeschwatzt. Hauptgeschädigter war ein Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth, in dessen Firma 2013 die Festnahme erfolgte. S. bereicherte sich nicht selbst. Das Geld floss auf Nimmerwiedersehen auf Konten einer Nigeria-Connection. Der Senior, der unter notorischem Geldmangel litt, hatte seinen letzten Wohnsitz auf Mallorca. Er hat zwei Töchter mit Familien in Nordrhein-Westfalen, die ihn - das haben sie schriftlich bekräftigt - gerne öfter besuchen würden.

"Dubai-Gabi" Freigängerin

Eine Verlegung aus familiären Gründen ist im Sinne einer späteren Resozialisierung durchaus möglich. Das beste Beispiel liefert die sogenannte "Dubai-Gabi". Sie war am Landgericht Hof im März 2015 fast zeitgleich zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die ehemalige Bankangestellte hatte Anleger um mindestens 25 Millionen Euro gebracht. Die jetzt 54-Jährige leistete sich damit einen luxuriösen Lebensstil samt Villa und Privatjet.

Wie die "Frankenpost" letzte Woche berichtete, war die 54-Jährige zwischenzeitlich schon auf freiem Fuß. Sie hatte sich von Aichach ins Frauengefängnis Chemnitz verlegen lassen, Argument waren Besuche der Kinder. In Chemnitz wurde sie schnell Freigängerin. Jetzt hat sie sich möglicherweise selbst ein Bein gestellt: Die 54-Jährige muss wieder in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl lautet auf Urkundenfälschung. Sie habe mit gefälschten Unterlagen eine Entlassung zur Halbstrafe erwirken wollen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Zivilklage gegen "Mallorca-Millionär"

Ganz aktuell hat der Fall Wolfgang S. noch ein juristisches Nachspiel. Ein Geschädigter aus dem Landkreis Straubing-Bogen will sein Geld zurück. Es geht um 50 000 Euro, die er dem angeblichen "Mallorca-Millionär" 2010 als Darlehen überließ. Am Landgericht Weiden ist eine entsprechende Klage eingegangen. Für Mittwoch, 26. Juli, war ein Termin anberaumt. Inzwischen wurde die Verweisung an das Landgericht Regensburg beantragt. Richter Peter Werner hat dem stattgegeben. Bei Klageerhebung befand sich Wolfgang S. schon in der Justizvollzugsanstalt Straubing. Das begründe die örtliche Zuständigkeit des Amtsgerichtsbezirks Regensburg. (ca)

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