05.05.2017 - 18:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zecken-Saison hat begonnen: Mediziner warnen: Blutsauger-Plage

Eklig sind sie und gefährlich obendrein. Ungewöhnlich früh hat heuer die Zecken-Saison begonnen. Seit Anfang März beobachtet Forstbetriebsleiter Stefan Bösl den zum Teil starken Befall von Tieren und Menschen. Die Parasiten haben den eisigen Winter unverfroren gut weggesteckt. Wer jetzt nicht geimpft ist, riskiert seine Gesundheit.

Zum Entfernen ziehen, nicht drehen, lautet die Empfehlung zur Entfernung der Blutsauger. Der Landkreis Neustadt und die Stadt Weiden sind weiterhin FSME-Risikogebiet. Einige Zecken tragen Viren in sich, die komplikationsreiche Hirnhautentzündungen auslösen können. Bild: Schönberger
von Iris Eckert Kontakt Profil

Denn der Landkreis Neustadt und das Stadtgebiet Weiden zählen weiterhin zum FSME-Risikogebiet. Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die durch von Zecken übertragene Viren hervorgerufenen wird.

Obwohl die Mehrheit der Infizierten beschwerdefrei bleibt oder nur leichte, grippeähnliche Symptome spüre, rät Dr. Thomas Holtmeier vom Gesundheitsamt zur Impfung. Auch für Kinder, vor allem wenn sie gerne draußen spielen. Denn folgt auf die recht milde oder sogar unbemerkt verlaufende erste Krankheitsphase die zweite - die nicht behandelbare Entzündung des Gehirns -, drohten Komplikationen. 2016 gab es drei Meldungen im Landkreis Neustadt, eine in der Stadt Weiden. Bayernweit waren 159 Menschen betroffen. Das Gesundheitsamt recherchiert in diesen Fällen, wo sich der Erkrankte den Blutsauger einfingt und meldet die Daten ans Robert Koch-Institut. So entsteht die Karte der Risikogebiete.

Schwerwiegende Fälle

Keine Impfung schützt vor der zweiten durch Zecken verursachten Krankheit: die Borreliose. "Die Bakterien (Borrelien) verursachen nicht immer typische Symptome", erklärt Thomas Holtmeier, verweist aber auf die Wanderröte, Schwellungen um den Stich oder auch auf grippeähnliche Symptome. Gegenmittel seien Antibiotika.

Die Borreliose fürchtet auch Forstmann Bösl. "Wir haben teilweise Fälle, die schwerwiegend und chronisch verlaufen - bei Waldarbeitern und Förstern." Bösl und sein Team von der Bayerischen Staatsforsten sind nicht besonders gefährdet, weil sich die Parasiten, wie häufig behauptet, von Bäumen auf Mensch und Tier fallen lassen. Stattdessen lauern die Spinnentiere geduldig in Bodennähe im Gras oder dichtem Gehölz. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, hängen sie sich an alles, was ihren Aufenthaltsort streift. Bis die Blutsauger tatsächlich zustechen, vergehen oft Stunden. Das ist die Chance für den Wirt, den manchmal lebensgefährlichen Parasiten loszuwerden.

Vier-Augen-Prinzip

Holtmeier rät dringend dazu, sich nach dem Aufenthalt im Garten und nach Spaziergängen abzusuchen. Er favorisiert das Vier-Augen-Prinzip an schlecht einsehbaren Bereichen, statt Verrenkungen vor dem Spiegel. Denn Zecken lieben es feucht und warm. "Die finden sich oft an den unmöglichsten Stellen", bestätigt Förster Bösl lachend. Er und sein Team halten sich deshalb an eine Art Bekleidungskodex, wenn's nach draußen geht. "Lange, helle Hosen, damit man die Zecken darauf sieht, Socken über die Hosenbeine, hohe feste Schuhe."

Hintergrund

"Zecken haben kein Gewinde"

Weiden. (ise) Sticht die Zecke, injiziert sie eine Substanz, die örtlich die Blutgerinnung hemmt, saugt bis zu 10 Tage und nimmt bis zum 200-Fachen ihres Körpergewichts an Blut auf. Der Körper der Milbe bläht sich dabei wie ein Ballon auf. Wer eine saugende Zecke entdeckt, sollte sie zügig entfernen. Dr. Thomas Holtmeiers Rat: "Nicht quetschen und mechanisch möglichst vollständig entfernen." Ob mit Pinzette, Zeckenkarte oder anderen Hilfsmitteln sei nicht von Belang, betont der Mediziner. Nur rät er davon ab, die Milbe mit Öl oder sogar Klebstoff zu betupfen, weil sie im Todeskampf noch mehr, möglicherweise infizierte Substanz in die Haut spritzt.

Ärztlichen Rat brauche es nur, wenn sich die Einstichstelle entzünde oder andere Symptome aufträten. Das gilt auch für befallene Tiere. Borrelien können Hund' und Katz' gefährlich werden. Anders als Menschen kann man Vierbeiner dagegen impfen, informiert Dr. Ralf Blome vom Veterinäramt des Landkreises. Er rät Tierhaltern, ihre Lieblinge durch Insektenschutzmittel, sogenannte Repellentien, zu schützen. Sie werden im Nacken aufgetupft. Blome ist skeptisch, ob auch Hausmittelchen wie Kokosöl helfen. Er rät dringend dazu, auch Tiere nach Zecken abzusuchen. Sein Appell: "So bald wie möglich vollständig entfernen, langsam ziehen, nicht drehen - Zecken haben kein Gewinde."

 

 

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