16.08.2017 - 18:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zu viele Autos in der gesperrten Sedanstraße Sperrschilder erstmal einfach Luft

Drei Vorwegweiser, zwei riesige rot-weiße Sperrschilder. Dennoch herrscht in der Sedanstraße, seit Mittwochmorgen Sackgasse, erstaunlich reger Verkehr. Es gibt zwar (noch) keine Knöllchen, aber umdrehen müssen sie alle, die Falschfahrer, die sich erst noch umgewöhnen müssen.

"Stau" in der Sedanstraße. Bereits zwei Sperrschilder haben die Autobahrer passiert. Dann schickt sie Hans Wurm aus der Sackgasse. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

An der Beschilderung gebe es nun wirklich nichts auszusetzen, betont Polizeihauptkommissar Hans Wurm, der die Autofahrer wieder aus der Sackgasse hinauskomplimentiert. Die meisten Falschfahrer fühlen sich ertappt, viele sind sogar uneinsichtig, werden patzig, bezeichnen die Sperrung als "Schmarrn". Sie werde nie wieder in diese Stadt der Baustellen kommen, droht eine betagte Mercedes-Lenkerin aus dem Landkreis Tirschenreuth. Wurm beruhigt sie, empfiehlt die Weiterfahrt über die Autobahn.

Das Spektrum der Ausreden ist bei den Verkehrssündern erstaunlich groß. Das Sperrschild (es sind mindestens zwei) hätten sie eben mal übersehen, nur aufs Navi gesehen oder sie müssten doch nur "ums Eck". Der Verkehrssachbearbeiter der Weidener Polizei, der sich am Vormittag die Mühe macht und als Schutzmann einspringt, bleibt erstaunlich gelassen, lässt auch die Dreistigkeiten an sich abprallen.

Nur wenn das Verhalten der Herrschaften, die sich an mindestens zwei Sperrschildern vorbeigemogelt haben, wirklich zu unangemessen ist, wird er deutlich: Nicht nur eine Belehrung sei möglich, sondern auch ein Bußgeld. "Sie steuern keinen Bus und kein Baustellenfahrzeug. Hier ist gesperrt. Wenn Sie wirklich weiterfahren, zahlen Sie halt 20 Euro." Und das will schließlich keiner. Auch nicht der Kurierfahrer, der vorgibt, in der Innenstadt 60 Ärzte beliefern zu müssen, was schon bei normalem Verkehr "a richtiger Stress" sei. "Wenn hier wirklich gesperrt bleibt, halt ich das nicht aus. Da bin ich krank die nächsten Wochen."

Auffallend: Die Fahrzeuge, die die Sperrschilder umfahren, kommen oft im Pulk. Wurm spricht vom Leithammel-Prinzip. "Fährt der erste durch, folgen ihn die anderen, weil sie glauben, der da vorne wüsste es besser oder hätte einen klügeren Plan." Dieses Schwarmverhalten zeigt sich dann auch bei den Wendemannövern bei C&A in der Sackgasse Sedanstraße: Macht der erste Wagen kehrt, folgen ihm auch die nächsten - freiwillig, noch bevor Wurm auch nur ein Wort sagen muss.

"Ich könnte hier an der Baustelle fünf Beamte von 6 bis 22 Uhr abstellen. Sie wären voll beschäftigt", folgert Wurm aus dem stetigen Andrang der Falschfahrer, denen die Sperrschilder offenbar Luft sind. Doch Wurm hofft auf Besserung: Schon am zweiten Tag werde eine Sperrung besser wahrgenommen. "Und sieht man erst mal die Bagger in der Baustelle, steigt die Akzeptanz erheblich." Allerdings kann man auf Höhe des Großparkplatzes die Baustelle an der Einmündung der Bürgermeister-Prechtl-Straße in die Sedanstraße auch künftig nicht erkennen.

Sedanstraße dicht: Knoten umfahren

Die Sedanstraße ist bis in den Oktober hinein dicht, für die nächsten Wochen auch an der verkehrswichtige Einmündung zur Bürgermeister-Prechtl-Straße. Alle Zubringer enden als Sackgasse vor der Baustelle. Nur die Anlieger dürfen in die Postgasse einfahren.
Es gibt derzeit keine leistungsfähige Ostwest-Trasse durch die Stadt, die als Umleitung empfehlenswert wäre. Die Rat aus dem Rathaus ist deshalb eindeutig: "Die Innenstadt großräumig und entspannt umfahren, also raus auf die Tangente, auf B 22, auf die Autobahn und von außen, der anderen Seite der Stadt wieder rein auf die Parkplätze und dann zu Fuß weiter, sagt Andreas Bauer, der Leiter der Verkehrsbehörde. Es gebe aber eine noch einfachere Lösung: "Nehmt den Bus, der wird eng an der Baustelle vorbeigeführt."

Nur den Stadtlinienverkehr und die Fahrzeuge der Anlieger aufnehmen kann die "kleine Umleitung" von der Allee über die Braunmühl- in die Luitpoldstraße: Dieses Nadelöhr werde schnell überlastet, erklärt Bauer. Ihm ist durchaus bewusst, dass die Sperrung der Sedanstraße jeden Autofahrer vor eine besondere Herausforderung stellt. "Aber wir haben nichts, was wir als leistungsfähige Umleitung anbieten könnten."

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