21.02.2018 - 12:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Zu wenige Busfahrer in der Region Der Nachwuchs fehlt

Umweltfreundlich und bequem. Viele Menschen nutzen den Bus für alltägliche Erledigungs-, aber auch Urlaubsfahrten. Das könnte sich allerdings bald ändern. Denn Busfahrer werden mehr und mehr zu einer Mangelware.

Ein Busfahrer fährt einen Bus über die Autobahn. Viele Menschen sind auf den Bus angewiesen - doch Busunternehmen befürchten in den nächsten Jahren einen extremen Fahrermangel. Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Weiden/Tirschenreuth. Noch haben viele Busunternehmen in der Region keine Probleme, Busfahrer zu finden. In ein paar Jahren könnte das jedoch anders aussehen. "Die Lage wird sich verschärfen. Das Durchschnittsalter der Fahrer liegt aktuell bei 50 plus. In den nächsten 15 Jahren wird über die Hälfte von ihnen in Rente gehen", erklärt Wolfgang Wies vom gleichnamigen Busunternehmen aus Weiden. Da immer weniger junge Leute nachkommen, werde es zunehmend schwieriger, diese frei werdenden Stellen neu zu besetzen.

Gründe für den fehlenden Nachwuchs gibt es einige. Einer ist der Wegfall der Wehrpflicht. "Mit deren Ende bildet die Bundeswehr auch keine Busfahrer mehr aus", erläutert Wies. Viele Zeitsoldaten hätten nach Ende ihres Wehrdienstes als Busfahrer angefangen. Diese Bewerber fehlen nun. Ebenso Fahrer mit Lkw-Schein, die früher nur den sogenannten Personenbeförderungsschein nachmachen mussten, um auch einen Bus lenken zu können. "Durch eine neue Ausbildungsverordnung geht das nicht mehr", erläutert Hans Prucker, Geschäftsführer des Busunternehmens Eska Stiftlandkraftverkehr. Selbst Lkw-Fahrer müssten nun den eigenständigen Busführerschein machen.

Der kostet - je nach Vorkenntnissen - bis zu 10 000 Euro. "Das macht niemand einfach so", erklärt Peter Bruckner, Inhaber von Ferien-Freund Bruckner aus Sulzbach-Rosenberg und Bezirksvorsitzender des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen. Einige Unternehmen würden deswegen in Vorleistung gehen und die Kosten dafür übernehmen. "Aber es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, dass der Fahrer dann bleibt. Es kann passieren, dass er den Schein macht, aber dann woanders hingeht." Auch würden sich viele Busfahrer - unabhängig vom Rentenalter - von der Branche abwenden. "Die gehen in die Industrie. Dort sind Bezahlung und Arbeitszeiten besser." Letztere seien sowohl im Reisegeschäft als auch im Linienverkehr ein Problem, sagt Bruckner: "Mehr-Tages-Fahrten gehen meist über das Wochenende, da bleibt wenig Zeit für die Familie. Im Linienverkehr sind Nacht- und/oder Discofahrten für die Bevölkerung natürlich gut und sinnvoll, viele Busfahrer sehen sie aber als Belastung." Viele Fahrer würden auch zu den Fernbuslinien abwandern. "Auch da haben die Leute bessere und planbarere Arbeitszeiten", sagt Bruckner.

Grundsätzlich sei es mittlerweile leichter, Fahrer für den Linienverkehr zu finden. "Früher war der Reiseverkehr beliebt, weil man viel von der Welt gesehen hat", blickt Wies zurück. Heute würden die Menschen aber privat schon viel Reisen, dafür sei die Familie wieder wichtiger geworden "und für die bleibt keine Zeit, wenn man ständig unterwegs ist". Im Linienverkehr hätten die Fahrer feste Schichten und Routen. "Damit kann man besser planen."

Ein weiteres Problem ist die Ausbildung: "Mit der neuen Verordnung muss man 24 Jahre alt sein, um einen Bus fahren zu dürfen", erklärt Bruckner. Es mache also erst Sinn, die dreijährige Ausbildung zum Busfahrer im Alter von 21 Jahren zu beginnen. "So lange wartet doch niemand. Die Leute machen vorher etwas und bleiben dann häufig in diesem Beruf." Dazu kommt laut Wolfgang Wies, dass in der gesamten Oberpfalz nur zwei bis drei Betriebe überhaupt Ausbildungsplätze zur "Fachkraft im Fahrbetrieb" anbieten würden. "Wir können nicht für die ganze Region ausbilden", sagt der Busunternehmer.

Trotz des drohenden Fahrermangels sehen die Busunternehmer aber auch ein Problem darin, Personal aus anderen Ländern anzuwerben - wie es in vielen Branchen der Fall ist. Denn in der Personenbeförderung gehe es nicht nur um den Transport. "Gute Deutschkenntnisse sind in unserem Bereich wichtig", sagt Bruckner. "Im Linienverkehr müssen die Leute die Preise erklären können oder auch den Weg." Ähnlich sei es im Reiseverkehr, wie Wies betont. "Der Busfahrer ist auf so einer Fahrt mehr als nur Fahrer. Er ist Reiseleiter, Animateur und Ansprechpartner, kümmert sich zum Beispiel auch um Organisatorisches im Hotel", erklärt Bruckner. Gerade bei solchen Ausflügen habe des das Zwischenmenschliche einen sehr hohen Stellenwert. Wenn sich der Fahrer dann nicht mit seinen Passagieren unterhalten kann, sei das schwierig. "Wenn er jeden Tag nur den Bus auf- und zusperrt und sonst nichts sagt, denkt sich doch jeder 'was ist das denn für einer?'"?

Praktisch keine Arbeitslosen

Berlin . "Wir haben in vielen Regionen praktisch keine Arbeitslosen mehr, die sich auf offene Stellen bewerben könnten", sagte Karl Hülsmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer. Und bis sich Flüchtlinge ans Steuer setzen können, sei es noch ein weiter Weg. Der Bedarf ist groß, weil viele der rund 103 000 Busfahrer in Deutschland schon vergleichsweise alt sind und zudem Personal für den wachsenden Fernbus-Markt gebraucht wird. Die Branche wirbt zwar mit einer verantwortungsvollen Tätigkeit, Abwechslungsreichtum und einem sicheren Arbeitsplatz. Hülsmann sagte aber auch: "Es gibt vielleicht auch bequemere Arbeiten." (dpa)

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