29.10.2017 - 10:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zugverkehr Hof-Regensburg eingestellt - Unwetterwarnung 200 Einsätze wegen Sturm "Herwart" [Aktualisierung]

Sturmtief "Herwart" hat in Bayern erste Wirkung gezeigt. Nach Angaben der Polizei riss der Sturm in der Nacht zu Sonntag zahlreiche Bäume um. Auf den Straßen kam es dadurch am Sonntagmorgen zu Verkehrsbehinderungen. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.

Ein durch das Sturmtief Herwart entwurzelter Baum liegt am 29.10.2017 in Berlin an der Paulsborner Straße.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

München/Weiden. (dpa/esa) Das Sturmtief mit orkanartigen Böen hielt am Sonntagvormittag die Rettungskräfte der Feuerwehr und die Polizei in der gesamten Oberpfalz in Atem. Am Sonntagvormittag, 29. Oktober, von etwa 7 Uhr bis zum Nachmittag, wurden Polizei und Feuerwehren zu etlichen Einsätzen ausrücken. Sie mussten eine Vielzahl von umgestürzten Bäumen, umgewehten Verkehrszeichen und Absperrungen von Baustellen beseitigen, teilt das Polizeipräsidium Oberpfalz mit.

Umgestürzte Bäume unterbrachen, verteilt über die gesamte Oberpfalz, in mindestens 7 Fällen die Strom- und Telefonleitungen. Die Notdienste waren im Dauereinsatz. Bis Sonntagmittag mussten die Rettungskräfte zu etwa 150 unwetterbedingten Einsätzen ausrücken. Doch die Ausläufer des Herbststurms „Herwart“ sorgten auch am Nachmittag für weitere Notfälle. Zwischen 12 und 17 Uhr registriere die Einsatzzentrale Oberpfalz knapp 50 weitere Einsätze, die auf das Sturmtief zurückzuführen sind, heißt es im Polizeibericht.

Beim Großteil der Einsätze handelte es sich um blockierte Fahrbahnen durch umgestürzte Bäume sowie um umgestürzte Bauzäune und Absperrbaken, vereinzelt auch um heruntergerissene Stromkabel. Die orkanartigen Böen beschädigten einige Gebäuden und Dächer: Zum Beispiel beim Landestormuseum/Drachenmuseum in Furth im Wald, wo einige Dachziegel weggeweht wurden. Bei der Malzfabrik in Sulzbach-Rosenberg drohte ein Teil des Wellblechdaches zu Boden zu stürzen, die Feuerwehrleute mussten es sichern.  

Im Landkreis Tirschenreuth stürzte zwischen Leonberg und Zirkenreuth auf der Kreisstraße TIR 22 ein Baum um und fiel auf einen Opel Astra. Dabei hatte die Fahrerin Glück im Unglück - sie konnte unverletzt ihr Fahrzeug verlassen. Die Straße musste zum Teil gesperrt werden, da die Gefahr bestand, dass noch mehr Bäume umstürzen. Durch starken Regen erreichte im Landkreis Neustadt an der Waldnaab die Haidenaab beim Pegel Pressath die Meldestufe 1, was laut Polizei stellenweise zu kleineren Überschwemmungen führte.

Bei Steinberg am See (Landkreis Schwandorf), wurde der Anhänger eines Pkw-Gespanns von einer Windböe erfasst und gegen einen entgegenkommenden Pkw gedrückt. Glassplitter verletzten dessen Fahrer leicht.Auf der B 8 bei Hemau sowie auf der B 85 bei Schwandorf wurden zwei Autos von plötzlichen Windböen erfasst und in den Straßengraben gedrückt.

Im Stadtgebiet Regensburg wurde ein auf öffentlichem Verkehrsgrund abgestellter Pkw-Anhänger durch den Wind unter ein geparktes Fahrzeug geschoben. Um 15.30 Uhr stürzte bei Hohenwarth (Landkreis Cham) ein Baum auf die Bahngleise, so dass die einspurige Bahnstrecke Lam–Bad Kötzting bis zur Räumung für etwa eine Stunde gesperrt wurde.In Bad Kötzting drohte die frisch errichtete Mauer eines Neubaues durch den Sturm umgedrückt zu werden.In Neumarkt/Oberpfalz fiel auf einer Länge von 20 Metern ein Baugerüst komplett um. Die Einsatzkräfte sperrten die vorbeiführende Straße bis zur komplett.

Wieviel Unwetterschäden zeitgleich über die Notruf-Nummer 112 bei den Integrierten Leitstellen in Amberg, Regensburg und Weiden i.d.OPf. gemeldet wurden, ist bei der Polizei nicht bekannt.

Bahnverkehr Hof-Regensburg eingeschränkt

Der Deutsche Wetterdienst hatte  vor heftigen Windböen im Nordosten und Süden Bayerns gewarnt. Im Raum Hof ist der Bahnverkehr am Sonntagvormittag "größtenteils eingestellt". Dies meldet die Deutsche Bahn. Davon betroffen ist auch die Strecke Hof-Regensburg.  Bei Neustadt/Waldnaab und Cham fielen Bäume auf die Oberleitung und auf die Gleise der Deutschen Bundesbahn. Sie war mit der Beseitigung der Störung bis in die Mittagstunden beschäftigt. 

Die Deutsche Bahn stellte in sieben Bundesländern den Fernverkehr ein. Einige der betroffenen Strecken sollen noch bis Montag gesperrt bleiben, wie der Konzern mitteilte. Berlin, Hamburg, Hannover, Bremen und Kiel seien zurzeit nicht ans Fernnetz angeschlossen, teilte der Konzern am Sonntag mit. Wer aus Bayern dorthin will, muss umplanen.

Über 230 Einsätze und Stromausfall in Oberfranken

Mit bis zu 110 Stundenkilometern fegten laut Deutschem Wetterdienst orkanartige Böen über das bayerische Flachland. Auf der Zugspitze waren es bis zu 150 Kilometer pro Stunde.Besonders stark betroffen war Oberfranken und dabei die Region um Hof. Dort zählte die Polizei bis zum Nachmittag rund 230 Einsätze. In der fränkischen Schweiz kam es wegen beschädigter Leitungen teilweise zu Stromausfällen. Laut dem regionalen Netzbetreiber Bayernwerk AG waren in der nördlichen Oberpfalz sowie in Ober- und Niederbayern zwischenzeitlich 40.000 Haushalte ohne Strom.

Im Süden Oberbayerns sperrte die Polizei die Autobahn 8 über eine Strecke von acht Kilometern, weil dort Bäume umzustürzen drohten. Die Sperrung in beide Richtungen zwischen den Autobahnausfahrten Neukirchen und Siegsdorf (Landkreis Traunstein) sollte bis voraussichtlich 16.00 Uhr dauern. Auf der Autobahn 93 bei Saalhaupt fuhr eine Frau mit ihrem Auto in einen umgestürzten Baum und wurde leicht verletzt.

Im niederbayerischen Regen kollidierte ein Zug mit einem umgestürzten Baum. Der Lokführer und der Zugbegleiter wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht, wie die Polizei mitteilte. Die drei Fahrgäste der Waldbahn blieben unverletzt. 

Am Münchner Flughafen wurden zwei Flüge der Lufthansa wegen des Wetters gestrichen. Vier Flugzeuge starteten aufgrund der Böen kurz vor der Landung nochmals durch. Insgesamt sei die Lage aber ruhig, so ein Sprecher des Flughafens. Am Flughafen in Nürnberg hatte das Wetter bis auf geringe Verspätungen keinen Einfluss auf den Flugverkehr.

Ein Toter an der Nordsee

Vom Sturmtief "Herwart" besonders betroffen war der Norden und Osten Deutschlands. An der Nordsee wurde ein 63-jähriger Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank.  

Für den Montag rechnen die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst mit ruhigerem Wetter. Weitestgehend soll es in Bayern trocken bleiben, einzelne Schauer sind möglich.

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